Ein Inder in der SVP bringt Skinheads zum Weinen
Von Robert Grogg. Aktualisiert am 02.05.2009 67 Kommentare
Das Bild irritiert: Naveen Hofstetter mit typischem SVP-Plakat vor Schweizer Fahne. (Bild: zvg)
Grosse Bewunderung: Naveen Hofstetter (r.) und sein Vorbild Christoph Blocher.
Wenn er sagt, «wir müssen schon aufpassen, wen wir herein nehmen» – und diesen Satz bringt er unweigerlich in jedem Gespräch früher oder später –, dann ist wohl jeder Schweizer irritiert. Naveen Hofstetter wurde in Indien geboren, ist aber Schweizer. Er politisiert, aber für die SVP. Dort sieht man ihn gerne als Aushängeschild, er sich aber keineswegs als Alibi-Farbiger. Naveen Hofstetter hat das Zeug zu einem farbigen Toni Brunner. Er hat zumindest dieselben markigen Sprüche drauf. Brunner hatte ihn vor sieben Jahren persönlich eingeladen, der SVP beizutreten. Hofstetter arbeitete damals als Beleuchter an einem SVP-Anlass. Toni Brunner und Christoph Blocher sind seine Vorbilder. Hofstetter ist schlagfertig und politisch beschlagen. Im Gegensatz zu Blocher und Brunner steht er allerdings noch ganz am Anfang der politischen Karriere: Er will erst einmal für die SVP in den Gemeinderat Biberist.
«Ja, auch ein Dunkelhäutiger kann eine bürgerliche Meinung vertreten», sagt Hofstetter. Wie kaum jemand, ist er es gewohnt, mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. «Die Linken sagen immer, sie seien offen für alle, aber sie reden dann hinten herum über mich, sie stempeln mich ohne zu fragen als Sri Lanker, als Tamile, als Schwarzer oder gar als Afrikaner ab», sagt Naveen Hofstetter kopfschüttelnd, «bei der SVP dagegen werde ich zwar schon mal als ‹Mohrenkopf› angesprochen, dann aber kann ich erklären, wer ich bin und was ich denke.» Ähnlich ist es ihm mit einem rabiaten Skinhead in einer Disco ergangen. «Am Schluss standen dem die Tränen in den Augen, fast hätte er einen verprügelt, der ihm politisch nahe stand.»
Naveen Hofstetter wurde in Indien geboren und mit vier Monaten von Schweizer Eltern adoptiert. Aufgewachsen ist er im Aargau. Sein Vater ist ein Freisinniger. Zur indischen Kultur hat er keinerlei Beziehung. «Mein Herz schlägt für die Schweiz», sagt er, «ich leide schon zehn Kilometer nach der Grenze an Heimweh.» Er hat auch kein Problem damit, sich für ein Wahlinserat im edelweissbestickten Sennenhemd fotografieren zu lassen. Militärdienst wollte er leisten, wurde aber dem Zivildienst zugeteilt.
Charaktersache
Durch sein Äusseres mache er Erfahrungen, die andern Schweizern vorenthalten blieben, sagt Hofstetter. «Wenn ich angegriffen werde, dann nicht von Herr und Frau Schweizer», sagt er, «meistens sind es Leute aus dem Balkan.» Als Arbeitnehmer stehe er voll hinter den Arbeitgebern. Am Montag morgen um 7Uhr sei er zu hundert Prozent bereit und um 17Uhr denke er nicht an den Feierabend, sondern daran, ob der Kunde zufrieden sei. Charaktersache sei das. Viele Schweizer denken wohl ähnlich – das so zu sagen, wäre ihnen aber peinlich. Naveen Hofstetter nicht. Er setzt noch einen drauf. «Ich will meinem Land dienen», antwortet er auf die Frage, warum er in Biberist Gemeinderat werden will. Es wirkt nicht mal berechnend oder einstudiert, wenn der 27-jährige Dunkelhäutige so spricht. Erneut leicht irritiert ist höchstens der Fragesteller.
«Blocher kennt mich»
Hofstetter wohnt erst zwei Jahre in Biberist, zufälligerweise an der Blüemlisalpstrasse. Er ist Spezialist für Lichtgestaltung. Nebenbei organisiert er Lasershows. Sehr viele Freunde hat er noch nicht. Gleichaltrige haben andere Interessen. Er liest viel. Sport schaut er sich am Fernseher an. Vorrang hat die Arena. Und das schon seit der Schulzeit. Als Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt wurde, da hat er sich einen Tag frei genommen, machte Freudensprünge und ballte die Faust. «Blocher kennt mich mittlerweile», sagt er und lächelt verschmitzt, «da hilft wohl auch meine Hautfarbe.»
Zu 95Prozent
Zu 95Prozent sei er mit der SVP einverstanden. Er sagt nicht: «30Prozent der Bevölkerung stehen hinter mir.» Er sagt: «70Prozent sind gegen mich.» Da wartet eine Aufgabe. Als Handwerker diskutiert er oft mit Ausländern, versucht sie von seinen Ansichten zu überzeugen. «Früher haben Sozialdemokraten noch gearbeitet», sagt er, «damals hätte es eine SVP gar nicht gebraucht.» Von Studenten hält er wenig, die stünden links, hätten noch nie einen Hammer in der Hand gehalten und wüssten nicht woher das Geld komme. Falls Naveen Hofstetter gewählt wird, will er die Jugendkriminalität bekämpfen sowie leistungsbereite Junge und Unternehmer fördern. (Solothurner Tagblatt)
Erstellt: 02.05.2009, 11:47 Uhr
Kommentar schreiben
67 Kommentare
Er wollte Militärdienst leisten, wurde aber dem Zivildienst zugeteilt? Hmm, interessant, wie kann man dem Zivildienst zugeteilt werden, ohne dass man ein Gesuch stellt? Ausserdem findet er es rassistisch, wenn man ihn für einen Tamilen hält, hat aber nichts dagegen, wenn er als Mohrenkopf bezeichnet wird? Und er ist stolz darauf, dass ein Skinhead von seinen Ansichten gerührt ist? Antworten
Die stupiden Äusserungen des Herrn Hofstetter haben nichts mit seiner Hautfarbe zu tun eher mit einer Ignoranz. Dass er nicht sonderlich intelligent ist kann man ja daran ablesen wie er sich über Studenten äussert. 60% haben einen Nebenjob, arbeiten also und können nicht um 5 Uhr den Hammer weglegen, sondern betätigen sich noch geistig. Täte Hernn Hoffstetter und seiner Partei auch gut. Antworten
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






