Ein Mundart-Verbot für Bundesräte?
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 12.01.2011
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Der Genfer Nationalrat Antonio Hodgers (Grüne) verlangt in einer parlamentarischen Initiative, dass sich Bundesräte vor einem breiten Publikum nur noch in Amtssprache äussern. Konkret: Schweizerdeutsch hat vor potenziell mehrsprachigem Publikum nichts zu suchen. Morgen diskutiert die Bildungskommission des Nationalrats den Vorstoss, der eine Änderung im Sprachengesetz verlangt.
Er beobachte bei Bundesratsmitgliedern seit einigen Jahren einen Trend zur Mundart, sagt Hodgers. So habe Bundesrätin Doris Leuthard an der 1.-August-Rede 2009 auf dem Bürkliplatz in Zürich beispielsweise Schweizerdeutsch gesprochen. «Ich ging hin, weil mich die Rede interessierte. Leider habe ich nichts verstanden.» Auch in Sendungen wie «Tagesschau» oder «10vor10» würden Bundesräte wie selbstverständlich Schweizerdeutsch sprechen. «Damit sprechen sie nur für die Deutschschweizer.» Als widersprüchlich ist ihm auch eine Äusserung des Basler Regierungspräsidenten Guy Morin aufgefallen, der sagte, Ausländer müssten nicht zwingend Mundart verstehen. Gleichzeitig sagte Morin, dass er selber immer öfter Dialekt statt Hochdeutsch spreche.
«An den Haaren herbeigezogen»
Der Grund für den Mundart-Trend sieht Hodgers darin, dass es «cool» sei, Schweizerdeutsch zu sprechen. Auch vermittle der Gebrauch von Mundart mehr Nähe und Heimatgefühl, ihm hafte etwas Persönliches an. Das sei auch vollkommen in Ordnung, sagt die Zürcher FDP-Natonalrätin Doris Fiala, die ihre Voten im Parlament immer wieder auf Französisch hält. «Das Schweizer Fernsehen gibt meistens vor, ob Mundart oder Hochdeutsch gesprochen wird. Und wenn sich das Fernsehen für Mundart entscheidet, weil dies näher beim Publikum ist, ist das vollkommen in Ordnung», sagt sie. Hodgers Vorstoss findet Fiala an den Haaren herbeigezogen und völlig unnötig.
Auch der Zürcher SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer sieht keine Notwendigkeit, den Bundesräten ein «Mundart-Verbot» aufzuzwingen. «Ein lächerlicher Vorschlag. Der Bundesrat ist für das Volk da, nicht für eine Elite. Deshalb soll er auch für das Volk sprechen», sagt Schlüer.
«Wir reiten auf einer Heimatwelle»
Der Vorstoss verspricht wenig Erfolg, auch Hodgers selber glaubt nicht daran. «Ich mache mir keine Illusionen, das Anliegen ist chancenlos.» Gerade mal vier Parlamentarier haben die Initiative mitunterzeichnet: Kurt Fluri (FDP/SO), Jacques Neyrinck (CVP/VD), Claude Ruey (FDP/VD) sowie Bastien Girod (Grüne/ZH).
«Eine Bundesratsansprache muss in Hochdeutsch gehalten werden, weil sie von nationalem Interesse ist», sagt Kurt Fluri. «Wenn Bundesratsmitglieder Schweizerdeutsch sprechen, schliessen sie Westschweizer und Tessiner aus.» Wir würden derzeit auf einer Heimatwelle reiten, ergänzt er, weshalb das Anliegen von Hodgers wenig populär sei.
Im Zweifelsfall Hochdeutsch
«Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Bundesräte vor grösserem Publikum Hochdeutsch sprechen», sagt Bastien Girod. «Wenn man fragen kann, ob alle Mundart verstehen, beispielsweise in einer Klasse, dann geht es. Im Zweifelsfall aber muss Hochdeutsch gesprochen werden.»
Girod ist jedoch in der Mundart-Hochdeutsch-Frage hin und her gerissen, wie er sagt. «Hochdeutsch ist für uns nun mal eine Fremdsprache, ein bisschen Heimat geht damit verloren.» Er versuche es deshalb auch andersherum und bringe seinem Sitznachbar Hodgers jeweils das Wortgefüge des Schweizerdeutschen bei, sagt Girod. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.01.2011, 14:16 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






