Ein berechenbarer Typ – und ein berechnender
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 29.03.2011 1 Kommentar
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Seine drei ersten Worte in die erste Kamera nach seiner Wahl als erster Grüner in die Regierung von Baselland waren: «Ich freue mich.» Doch wie Isaac Reber es sagte, klang es wie eine Präsenzmeldung im Militär. Zu einem Gespräch komme er «aus terminlichen Gründen nicht», schrieb er am Montag bedauernd, ausserdem wolle er «ohnehin keine inhaltlichen Stellungnahmen abgeben, bis einige Dinge geklärt sind».
Ein herzlicher Typ
Die Zurückhaltung passt recht gut zu diesem Realpolitiker aus Sissach, für den zuallererst immer die Finanzen kommen und dabei das seriöse Sparen vor dem wilden Steuersenken und das korrekte Budget vor dem Defizit. Isaac Reber ist ein Grüner, der auch bei der kantonalen Gewerbekammer Zuneigung auslöst. Ein Politiker, der als herzlicher Typ geschildert wird, bei Interviews aber gerne mit abstrakten Begriffen hantiert. Der Mann ist Raumplaner von Beruf. Das passt. Vor vier Jahren, als der 49-Jährige zum ersten Mal für die Regierung kandidierte, gelang ihm ein Achtungserfolg. Am Sonntag zog er gleich noch am unbeliebten freisinnigen Finanzdirektor Adrian Ballmer vorbei und warf im Vorbeigehen den SVP-Vertreter Jörg Krähenbühl aus der Regierung. Rebers Erfolg habe auch damit zu tun, sagt der Basler Politberater Manfred Messmer, «dass viele Wählerinnen und Wähler von der jetzigen Regierung genug hatten». Zum Beispiel hat die bürgerliche Mehrheit in ihrem antriebslosen Wahlkampf nie sagen wollen, wo genau sie sparen will. Sie führte exakt dieselbe Kampagne wie bei der letzten Wahl und machte den Eindruck, sie wolle am liebsten still bestätigt werden.
Diesen Reigen der Machtverwöhnten hat Isaac Reber gestört. Dabei ist er als hartnäckiger, aber nicht als kämpferischer Typ aufgefallen. Politiker, Journalisten und Lobbyisten beschreiben ihn als unaufgeregt, kompetent und zuverlässig. Kein Blender, kein Aufgeregter, eher der berechenbare Typ – und auch der berechnende. Letzteres merke man daran, hört man im Baselbiet, dass Isaac Reber immer kontrollierter wirkte, je erfolgreicher er war. Früher lachte es noch aus ihm heraus, heute überlegt er sich jede Antwort genau. Früher trug er Pullover, im Wahlkampf Anzug und Krawatte. Seinen Wahlkampf hat er zusammen mit seinem wirtschaftsnahen Berater Klaus Kirchmayr detailliert geplant und ist auch als Erster mit seinen vielen Plakaten aufgefallen. Statt die Regierenden persönlich anzugreifen, bot er sich als besonnene Alternative an.
«Wirtschaft und Umwelt verbinden»
Obwohl sich Reber als Grüner versteht, politisiert er grünliberal oder wie er es formuliert: «pragmatisch und konstruktiv». Auf den Plakaten liess er das Parteilogo weg und platzierte den wenig angriffigen Slogan «Wirtschaft und Umwelt verbinden». Was für ihn heisst, dass sich alles rechnen muss, auch der Umweltschutz. Zum Beispiel unterstützt Reber den Ausbau des öffentlichen Verkehrs nur dann, wenn es sich auch finanzieren lässt. Damit harmoniert er mit seiner Kantonalpartei, und sie ist mit dieser Haltung gut gefahren. Vor acht Jahren legten die Grünen von 5 auf 8 Sitze zu, vor vier Jahren von 8 auf 11 und am Sonntag auf 12; damit haben sie die CVP überholt. So unaufgeregt sich der Gewählte gibt, der sehr gerne Schach spielt, so gross ist sein politischer Ehrgeiz. Und so gross sind auch die Erwartungen an seine Politik. Von ihm erwartet der Kanton, dass er so glaubwürdig mitregiert, wie er als Parlamentarier politisiert hat. Also besser als seine neuen Kollegen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.03.2011, 00:40 Uhr
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