«Ein beträchtliches Absturzrisiko»
Von Verena Vonarburg, Bern. Aktualisiert am 09.03.2010 35 Kommentare
«Ich habe die grössten Bedenken»: Claude Longchamp. (Bild: Keystone)
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Herr Longchamp, sind die Grünliberalen eine Modeerscheinung, oder wächst da Nachhaltiges heran?
Im Moment reiten sie auf der Klimawelle mit, und auf die Schweiz bezogen, leben sie von einem Vorschussbonus: Die Grünliberalen sind ein neues Phänomen und attraktiv für die Medien. Zudem stösst die Polarisierung zwischen links und rechts an eine Grenze.
Ist dem so?
Es gibt zwar noch bürgerliche Wähler, die zur SVP wechseln, aber die Polarisierung ist rechts am Auslaufen, links ist sie schon vorbei. Das bringt der Mitte mehr Luft.
In Zürich jagen die Grünliberalen ausgerechnet der CVP Wähler ab.
Das ist ein neues Phänomen: Bislang ging ich davon aus, die Grünliberalen würden auf Kosten der SP, der Grünen und der FDP gewinnen. Mit der CVP wird nun aber die nationale Bündnispartnerin der Grünliberalen zur Konkurrentin.
Und wer ist im Vorteil?
Auf jeden Fall haben die Grünliberalen den Vorteil der Neuen, der Unverbrauchten, während die CVP noch immer mit einem konservativen Image zu kämpfen hat.
Nochmals: Können die Grünliberalen bestehen?
Die Grünliberalen müssen in der Ökologiefrage eine andere Antwort finden als die Grünen selbst. Sie müssen versuchen, Wirtschaft und Umwelt als Werte zu vereinen. Da liegt politisch und ökonomisch tatsächlich einiges drin. Doch ich bin nicht sicher, ob sie die Antworten schon gefunden haben. Kommt hinzu: Sie müssen auch in allen andern politischen Feldern Position beziehen, und da werden sie jeweils von links und rechts zerpflückt.
Werden die Grünliberalen auch die Sieger der eidgenössischen Wahlen 2011?
Das ist möglich. Entscheidend wird aber sein, ob sie für einen demokratischen, kohärenten innerparteilichen Meinungsbildungsprozess eine Parteiorganisation aufbauen können. Da habe ich die grössten Bedenken. Das ist häufig der Stolperstein für die Wellenreiter-Parteien. Die Grünliberalen haben noch keine harte Parteiorganisation, die das Ganze zusammenhält.
Die Erwartungen an die Grünliberalen sind immens.
Es lockt die Chance, in der Mitte ein ausschlaggebender Player zu werden und die CVP auszuhebeln. Die Partei kann aber auch scheitern. Sie hat à la longue ein beträchtliches Absturzrisiko. Erwartungen kippen rasch in Frustration und Vorwürfe.
Wachsen die Grünliberalen zu rasch?
Die Forderung, für die eidgenössischen Wahlen 2011 in möglichst vielen Kantonen anzutreten, wird kommen. Ich zweifle, ob das richtig ist. 2011 kann zum Bumerang werden.
Bei neuen Parteien werden politisch Unbedarfte plötzlich Parlamentarier. Wie das auch die SVP erlebt hat.
Die SVP hat nicht das schlechteste Personal und im Unterschied zu allen anderen Parteien eine professionelle, knallharte Parteischulung. Bei den Grünliberalen muss es einer Handvoll Leuten gelingen, sich auf nationaler Ebene Achtung zu verschaffen.
Sollten sich die Grünliberalen nicht besser auf die Kantone beschränken?
Das bleibt eine Möglichkeit: auf nationaler Ebene mitzuarbeiten und in urbanen Gebieten eine wichtige lokale Kraft zu werden. Das wäre im Moment wohl der bessere Weg, als nationale Ziele anzustreben. Ich traue der Partei den grossen Sprung noch nicht zu, ohne dass es zu erheblichen Enttäuschungen führen wird. Auch die Grünen waren schliesslich während 15 Jahren eine lokale Kraft.
Haben sich die Grünen ihrerseits zu stark links positioniert?
Die Grünen kamen aus einem gemässigt bürgerlichen Spektrum und wurden von den Rotgrünen beherrscht. Sie positionieren sich nicht selten links von der SP. Das hat ihnen Erfolge gebracht. Es ist ihnen aber nicht oder nur beschränkt gelungen, sich für Mitte-Wähler zu öffnen. Hätte sich die Partei geöffnet, so wäre es möglich gewesen, zwei, drei Prozent Wählerstimmen zusätzlich zu holen und somit bundesratsfähig zu werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.03.2010, 08:51 Uhr
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35 Kommentare
Die GLP ist ein Hafen für jene, denen die Freiheit des Denkens, Chancengleichheit und eine florierende, aber ökologisch verträgliche Wirtschaft besonders wichtig sind. Andere Parteien halten Teile dieser Aufzählung entweder für schlecht, sekundär oder opfern sie wie die FDP oft im Interesse zahlungskräftiger Sponsoren. Für 2011 hat die GLP meine Stimme, der Rest vertritt meine Ideale zu wenig. Antworten
Ich freue mich sehr über diesen Abstimmungssonntag und auch, dass die Grün-Liberalen so zulegen konnten. Sie werden ihren Weg steil aufwärts machen und wie Longchamp richtig analysiert: 'Entscheidend wird aber sein, ob sie für einen demokratischen, kohärenten innerparteilichen Meinungsbildungsprozess eine Parteiorganisation aufbauen können.'@Müller und Caduff: ja, vielen Dank für Ihre Weitsicht! Antworten
































