Ein senkrechter Schweizer

Von Ueli Bachmann. Aktualisiert am 08.12.2009

Anian Liebrand, der Chef der Luzerner Jungen SVP, will Ausländern den Schweizer Pass verwehren.

Anian Liebrand.

Anian Liebrand.

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Der Mainstream der Linken an der Kantonsschule Beromünster und das ständige Anschwärzen der SVP und seines Vorbildes Christoph Blocher haben ihn genervt. Also trat er mit 16 der Jungen SVP bei. Seine Eltern sind Lehrer - tolerant, offen und eher links stehend, wie die Mutter sagt. Ihnen passte das Engagement nicht. Sie wünschten sich mehr politische Zurückhaltung bei ihrem Sohn.

Doch Zurückhaltung ist nicht Sache von Anian Liebrand. Der Zwanzigjährige, der meist ein Käppi mit Schweizer Kreuz trägt, hat vor kurzem die Wirtschaftsmittelschule abgeschlossen und absolviert nun die Rekrutenschule. Von seiner Partei wird er als Senkrechtstarter gefeiert. Ausserhalb der SVP gilt er als militant agierender Hardliner, wie eine regionale Zeitung die «schillerndste Figur der Luzerner Politik» beschrieb. Nationalrat ist er noch nicht, dazu ist er mit 20 etwas gar jung. Aber der Präsident der Jungen SVP Luzern hat das Zeug, wie ein Bastien Girod von den Grünen in der Politkarriere durchzustarten: beredt, selbstsicher und engagiert. Natürlich mit einer ganz anderen politischen Zielrichtung.

Erstmals aufgefallen ist Anian Liebrand als Koordinator für die erfolgreiche Kampagne gegen einen 20-Millionen-Beitrag des Kantons Luzern an die Fusionskosten von Luzern und Littau. Das hat ihm auch das Amt des PR-Chefs der SVP Luzern eingetragen. Es ist nur eine von rund einem Dutzend Funktionen und Mitgliedschaften des umtriebigen Jung-Politikers, der auch die Internetsite der Partei betreut und sich gerne in Blogs Schreibduelle mit Widersachern liefert.

Alles nur Jugendsünde

Ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit rückte Liebrand mit provokanten Stellungnahmen etwa zum Holocaust-Gedenktag an einer Luzerner Kantonsschule, an der nicht «die einzigartige Schweizer Geschichte» gelehrt werde, sondern «den Schweizern eine Mitschuld untergejubelt wird», wie er in einem Mail kritisiert. Er schrieb «Raser köpfen» auf ein Plakat zur Annahme einer Busseninitiative, oder er setzte auf ein anderes Plakat ein Minarett anstelle des Wasserturms neben die Kapellbrücke.

Das alles trug dem Jungpolitiker heftigste Proteste ein. Doch beim Lieblingsthema seiner Partei, den Einbürgerungen, setzte er noch eins drauf. Liebrand, der gegen Überfremdung wettert und die Schweizer Identität «in den Grundmauern gefährdet» sieht, verschickte im August an Gesinnungsgenossen Musterbriefe mit Anleitungen, wie Ausländern der Schweizer Pass verwehrt werden kann. Bei den inzwischen auch vom parteiunabhängigen Informationskomitee verbreiteten Musterbriefen müssen nur noch die Namen der Gesuchsteller eingesetzt werden. Die Ablehnungsgründe liefert Liebrand gleich mit: keine Integration oder wenig gesellschaftliche Aktivitäten, mangelnde, machohafte, kulturfremde Strukturen, oder: unanständiges, unflätiges sowie gewaltbereites und Gewalt verherrlichendes Verhalten. Aus den Argumenten sollen jene ausgewählt werden, die zutreffen, liess Liebrand wissen.

Nun hat er eine Klage des Vereins Second@sPlus wegen Rassendiskriminierung am Hals. Beeindrucken lässt er sich davon nicht. Provokation gehöre zur Politik, sagt Liebrand, der das politische Geschäft zum Beruf machen und nach der Rekrutenschule ein entsprechendes Studium aufnehmen will. Vielleicht, so sinniert seine Mutter, sei das bei ihrem Sohn alles nur Jugendsünde und Revolte. Wenn er dann mal fest im Leben stehe, werde das wohl anders. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2009, 08:17 Uhr

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