«Eine Geburt ist zehn Mal teurer als eine Abtreibung»
Von Fabienne Riklin. Aktualisiert am 26.01.2010
Seit der Abstimmung über die Fristenregelung von 2002 werden Frauen für eine Abtreibung nicht mehr bestraft: Für dieses Ziel hat Anne-Marie Rey ehemalige Co-Präsidentin der Vereinigung für Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs mehr als dreissig Jahre lang gekämpft. (Bild: Keystone)
Umfrage
Sollen Frauen, die ihre Schwangerschaft mit einer Abtreibung beenden lassen, dafür selber bezahlen? Dies fordert eine Volksinitiative.
Ja
Nein
1471 Stimmen
Links
Artikel zum Thema
- Schluss mit bezahlten Abtreibungen?
- «Abtreibungen selber berappen»: SVP-Politiker drängt Frauen zur Geburt
Stichworte
Info-Box
In der Schweiz sollen Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlt werden. Initianten der Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» sind die Nationalräte Peter Föhn (SVP, SZ) und Elvira Bader (CVP, SO). Mit «Blick auf die Gesundheitskosten» und aus «moralischer und ethischer Sicht» wolle er das Volk entscheiden lassen, ob eine Abtreibung von der Grundversicherung gedeckt werden solle oder nicht, sagte Föhn zur «SonntagsZeitung».
Er hatte bereits letztes Jahr mit einer Motion im Parlament dasselbe Anliegen vorgebracht. Der Bundesrat lehnte es ab; die Kostenübernahme für Abbrüche sei restriktiv ausgestaltet und gerechtfertigt. 2008 wurden rund 10'800 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt.
Frau Rey, SVP-Nationalrat Peter Föhn will mit einer Initiative erreichen, dass Frauen ihre Abtreibung selber zahlen müssen. Was halten Sie davon?
Dieses Vorgehen ist völlig daneben. Für mich ist das eine ideologische Zwängerei. Mit Kosten sparen hat das nichts zu tun.
Wie viel kostet heute eine Abtreibung?
Rund 600 Franken kostet eine Abtreibung in den ersten sieben Wochen, später bis 1500 Franken. Eine Geburt ist zehn Mal teuer.
Die Initianten argumentieren damit, dass der Anteil an Schwangerschaftsabrüchen abnehmen würde.
Das stimmt nicht. Die Frauen, die es sich leisten können, würden den Eingriff selber zahlen und die Ärmeren könnten ihn sich nicht mehr leisten und würden vielleicht selber an sich Hand anlegen. Mit schwerwiegenden, manchmal tödlichen Folgen.
Wer steckt Ihrer Ansicht nach hinter der Initiative?
Dahinter steckt ziemlich sicher die fundamentalistische Organisation Mamma.ch (früher «Mutter und Kind»). Diese hat letztes Jahr bei den Mitgliedern Befragungen durchgeführt, ob eine Initiative gewünscht wird.
2002 stimmte das Schweizer Stimmvolk mit grosser Mehrheit für die Fristenregelung, hat diese Änderung überhaupt eine Chance?
72 Prozent sagten damals Ja. Die Vorlage enthielt auch die Kostendeckung durch die Krankenversicherung. Herr Föhn scheint das Stimmvolk nicht ernst zu nehmen.
Hat die Initiative Ihrer Erwartung nach eine Chance?
Ich bin überzeugt, dass eine Mehrheit der Parteien, wie auch Mitglieder aus der SVP dagegen sind, dass die Frauen die Abtreibungskosten selber bezahlen müssen. Ich glaube auch die Ärztegesellschaft wird sich dagegenstellen.
Warum treiben Frauen heute ab?
Es gibt verschiedenen Gründe. Partnerschafts- und Finanzprobleme spielen eine wichtige Rolle. Aber über 50 Prozent der Abtreibungen sind auf ein Versagen der Verhütung zurückzuführen. Und eine Frau, die verhütet hat, will ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht einfach wegen eines geplatzten Kondoms aufgeben.
Seit der Einführung der Fristenregelung im Jahre 2002 ist der Schwangerschaftsabbruch bis in die zwölfte Woche und danach bei medizinischen Gründen legal. Ist Abtreibung heute noch ein Tabu?
Ja, viele Frauen fürchten sich noch darüber zu sprechen. Dies ist aber nicht erstaunlich, werden sie doch von Abtreibungsgegnern als Schlampen oder Mörderinnen beschimpft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.01.2010, 14:35 Uhr
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






