Schweiz

«Eine dankbare Zielscheibe»

Ständeratspräsidentin Erika Forster steht wegen des Entscheids gegen eine UBS-PUK massiv in der Kritik. In einem Interview versucht sie, sich zu erklären – unter anderem mit Spitzen gegen den Nationalrat.

Keine Zweifel an der Entscheidung: Erika Forster (l.) nach einem Gespräch mit der Nationalratspräsidentin.

Keine Zweifel an der Entscheidung: Erika Forster (l.) nach einem Gespräch mit der Nationalratspräsidentin.
Bild: Keystone

Der Ton, mit dem Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer den Entscheid des Büros von Erika Forster kommentierte, war für Bundeshausverhältnisse vergleichweise giftig: «Erstaunt und befremdet» habe eine Mehrheit des Nationalratsbüros dies zur Kenntnis genommen, sagte sie vor dem Plenum der grossen Kammer. Die Zeitung «Blick» stellte die «Verhinderer» einer PUK zu den Problemen mit der UBS mit grossen Fotos und Lettern seiner Leserschaft vor – und stellte die Politiker damit quasi an den Pranger.

Doch auch ein Gespräch zwischen Bruderer und Forster brachte keine Einigung. In einem Interview, das am Montag in der «Aargauer Zeitung» erschien, erklärt Forster ihre unnachgiebige Haltung – und wehrt sich gegen die Kritik auch mit Gegenkritik. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass es vielen Nationalräten nicht nur um Transparenz, sondern um die eigenen Profilierung geht», zitiert die Zeitung, «es sind also keineswegs nur hehre Motive, die hinter der ganzen Aufregung stecken.»

Zur Sache kaum etwas Neues

Zur Reaktion von Mitgliedern des Ständeratsbüros auf die öffentliche Erklärung von Pascale Bruderer sagt Forster, die Worte seien auf Unverständnis gestossen. «Sie waren verärgert über den Ton», so die FDP-Politikerin. Zur Sache selbst ist in dem Gespräch wenig Neues zu erfahren. Forster sperrt sich demnach nicht gegen eine PUK, sondern will nur nicht entscheiden, solange der Schlussbericht der bereits tätigen Geschäftsprüfungskommission GPK nicht vorliege.

Auf die Nachfrage, dass von deren Arbeit bislang nur eine Art Inhaltsverzeichnis mit wenig Substanz vorliege, erwidert Forster: «Ich staune, wie man anhand eines Inhaltsverzeichnisses feststellen will, was die GPK bisher geleistet hat und was nicht.» Und auf die Kritik, dass von der Kommission bisher keine UBS-Mitarbeiter angehört wurden, antwortet Forster ausweichend. Für sie, so die Politikerin, sei es wichtig, dass die GPK die Geschäftsprüfungsdelegation eingeschaltet habe, die auch Zeugen einvernehmen könne. Zentral sei das Versprechen, bis Ende Mai einen umfassenden Schlussbericht vorzulegen. «Darauf vertraue ich», so die Liberale.

«Sachlich richtig, aber unpopulär»

Im Nationalrat, so erklärt Forster weiter, wolle man die Resultate der GPK nicht abwarten; möglicherweise traue man ihr dort keine befriedigenden Resultate zu. Den Vorwürfen gegen ihr eigenes Büro begegnet sie in diesem Zusammenhang mit einer Retourkutsche an die grosse Kammer: «Vielleicht hat man seitens des Nationalrats die falschen Leute in die Kommission gewählt» – eine Anmerkung, die bei der Klärung der offenen Fragen so wenig weiterhilft wie die Polemik, der sich die Präsidentin des Ständerats selbst ausgesetzt sieht.

So bleiben die Fronten verhärtet und die Positionen starr und unverändert: «Unser Entscheid ist sachlich richtig», beharrt Forster und ordnete Kritik an ihrer Person im Anschluss umfassend auf simple Weise ein. Der Entschluss sei «aber unpopulär, und deshalb bin ich eine dankbare Zielscheibe». (raa)

Erstellt: 15.03.2010, 09:18 Uhr

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17 Kommentare

babs widmer

15.03.2010, 17:36 Uhr
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«Vielleicht hat man seitens des Nationalrats die falschen Leute in die Kommission gewählt» vielleicht könnte sie auch einmal ihre eigene wahl hinterfragen. Antworten


Bruno Bänninger

15.03.2010, 17:14 Uhr
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Die kluge Antwort auf die Frage PUK oder nicht, wäre gewesen, wenn der Ständerat und der Nationalrat gemeinsam ermöglicht hätten, die GPK SOFORT in eine PUK umzuwandeln. Das wäre die effizeinteste Lösung gewesen. Antworten


Paul Amstalden

15.03.2010, 15:32 Uhr
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@weber:Bürger&Politiker in "Führungspositionen" denken und handeln aus der "Vogelperspektive" heraus, gefangen in ihrem Denk- und Handlungsmuster. Leider agieren sie etwas abgehoben, deshalb wächst der Vertrauensverlust in die Politik. Es wäre schade, wenn sich unsere halbdirekte Demokratie wegen Intransparenz "mafiosiziert"... das ist nur schön, wenn man die richtigen Freunde hat.->Transparenz!? Antworten


weber philip

15.03.2010, 14:58 Uhr
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Frau Forster sieht es richtig, die PUK ist ein Ausnahmeinstrument unserer Demokratie und nicht ein Massnahme, die Wahlkampfgelder von unprofilierten Nationalräten sparen hilft. Sachliche Entscheidungen erschweren die Polarisierung und deren mediale Ausbeutung, das ist ein wichtiger Grund für die Aufgeregtheit an den lauten, aber ergebnislos agierenden Polen und in den Parteigremien. Antworten


Armin Köppel

15.03.2010, 11:47 Uhr
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Es geht vermutlich um Zeitgewinn, um schlussendlich eine PUK als "nicht mehr sinnvoll und notwendig und sowieso zu teuer und nicht zukunftsgerichtet usw." zu verhindern. Oh du liebe FDP, wirtschaftverbandelt und voller Eigeninteressen - schlimm scheint mir besonders, dss die noch an Ihre Argumente im Interesse der Bürger glauben, so stellt man sich dann gerne als Sündenbock dar. Beschämend! Antworten


Wolfgang Sidler

15.03.2010, 11:28 Uhr
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Forster hat offenbar vergessen, wie katastrophal die GPK in der Angelegenheit Blocher "gearbeitet" hat. Erst eine breit abgestützte PUK mit mehr Vollmachten dürfte Licht ins Dunkel bringen. Das passt natürlich der FDP-Forster gar nicht. Antworten


Werner Wittmann

15.03.2010, 11:05 Uhr
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Mit Recht will der NR die Resultate der GPK nicht abwarten, denn eine PUK hat mehr Befugnisse, Möglichkeiten und mehr Macht. Zudem kann die GPK heute praktisch noch keine klärende Resultate vorweisen, und sie wird es auch aus verschiedenen Gründen auch später nicht können. Darum ist es unbedingt nötig, dass sich eine PUK der Sache annimmt, damit die echte Wahrheit endlich ans Licht kommt. Antworten


Fred Büchi

15.03.2010, 10:51 Uhr
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Die Betonköpfe werden eher früher als später von der Realität eingeholt und schaffen sich schneller ab als sie glauben. Antworten


rudolf thoma

15.03.2010, 10:50 Uhr
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Sie, Frau Forster, soll sich nicht erklären, sie soll "subito" zurücktreten, das wäre das einzig Richtige! Antworten


Jürg Schmid

15.03.2010, 10:24 Uhr
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Ständeräte sollten in niemandes Dienst stehen. Dass die FDP von der staatstragenden zur Banker-tragenden Partei verkommen ist, ist bekannt. Aber das ist nicht die Schuld von Frau Forster. Sie hat, soweit man als St.Galler ihren politischen Weg verfolgt, stets eine objektive und unabhängige Haltung eingenommen. Mehr Fragezeichen gibt es eher zu Lombardi CVP/TI. Antworten


Carlo Schnydrig

15.03.2010, 10:22 Uhr
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Es ist feststellbar, traurig und verwerflich, dass in den politischen Gremien länger je mehr Politiker ohne eigene Meinung gewünscht und gewählt werden, die wie Schachfiguren hin und her geschoben werden können. Den diesbezüglichen Drahtziehern ist in den nächsten Wahlen unbedingt der Riegel zu schieben. "Filz wird in unserer Gesellschaft nicht mehr geduldet und hat auch keinen Platz mehr!!!" Antworten


Beat Gerola

15.03.2010, 10:06 Uhr
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Diese Politik zeigt, dass wir Schweizer uns von Berlusconis Ansichten in Italien gar nicht viel unterscheiden. Wann dürfen wir endlich die Wahrheit dieser Geschichte (UBS) erfahren? Antworten


juerg kuoni

15.03.2010, 10:02 Uhr
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Bravo Frau Forster, machen Sie weiter so. SP und SVP wollen keine Loesung. Ihnen geht es um reinen Populismus! Ausserdem fehlt es Frau Bruderer am Respekt vor den Institutionen. Sie ist halt noch jung. Antworten


Urs Falk

15.03.2010, 09:56 Uhr
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Der Entscheid des Büros des Ständerats mag formal in Ordnung sein, politisch ist es Demokratieverweigerung. Antworten


Andreas Zimmermann

15.03.2010, 09:43 Uhr
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Ich bin Frau Forster dankbar, dass sie durch ihren Entscheid den populistischen Parlamentarieren die Bühne eine PUK verwehrt hat, die zur Sache nichts neues bringen wird, ausser unnötige Kosten. Antworten


Emrah Erken

15.03.2010, 09:43 Uhr
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In unserem Zweikammersystem ist es völlig unproblematisch, wenn die eine Parlamentskammer eine andere Entscheidung trifft als die andere und somit eine Vorlage zum Fall bringt. Allerdings muss dieser Entscheid von einer Kammer gefällt werden und nicht vom Büro einer Kammer. Die Blockierung eines Geschäfts einer Parlamentskammer durch das BÜRO der anderen ist staatspolitisch höchst bedenklich. Antworten


Walter Kunz

15.03.2010, 09:41 Uhr
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In wessen Diensten stehen unsere Ständeräte in ihrer Dienstzeit eigentlich? Antworten



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