«Eine generelle Praxisgebühr schiesst über das Ziel hinaus»
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 14.05.2009 6 Kommentare
«Der Prämienaufschlag kommt in einem sehr dummen Moment.»: Stefan Meierhans, Preisüberwacher. (Bild: Keystone)
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Die Versicherten müssen bald 10 Prozent mehr für ihre Krankenkasse bezahlen. Ist das für den Preisüberwacher zumutbar?
Zumutbar oder nicht ist wohl nicht die richtige Frage. Wir alle konsumieren Gesundheitsleistungen. Und wer konsumiert, muss wohl oder übel die Rechnung dafür bezahlen. Darum müssen wir uns dringend über die Preise und die Menge der medizinischen Leistungen unterhalten.
Haben die Politik und Sie selber die Entwicklung verschlafen? Man hat von Ihnen dazu bisher wenig gehört.
Der Preisüberwacher macht seit Jahren Druck auf die Medikamentenpreise. Zudem überprüfen wir regelmässig die Arzt- und Spitaltarife und konnten so zu namhaften Einsparungen beitragen.
Macht Bundesrat Couchepin denn genug?
Ich hoffe, dass auch er seine Möglichkeiten noch konsequent ausschöpft und die Preise für Medikamente und medizinische Hilfsmittel per Verordnung senkt. Die Krankenkassen sprechen von einem Sparpotenzial von 360 Millionen Franken allein bei den Medikamenten – ein dreistelliger Millionenbetrag liegt also drin.
Bisher zielen die Vorschläge vor allem darauf ab, die Patienten stärker zur Kasse zu bitten. Ist das der richtige Weg?
In der Schweiz ist die Selbstbeteiligung der Patienten im Vergleich zu anderen Ländern schon sehr hoch. Irgendwann verstehen es die Leute nicht mehr, dass sie einerseits immer höhere Prämien zahlen und andererseits dem Arzt noch 30 Franken bar auf die Hand legen müssen. Diese generelle Praxisgebühr schiesst aus meiner Sicht über das Ziel hinaus. Umso mehr, als sie die Gefahr birgt, dass ärmere Menschen den Arztbesuch aufschieben und die Behandlung dann letztlich teurer wird.
Man sollte die Idee also schnell wieder vergessen?
Nein. Wenn man sie sinnvoll einsetzt, ist eine solche Gebühr durchaus vertretbar. Ich schlage einen Mittelweg vor: Die Gebühr soll nur bezahlen, wer direkt zum teuren Spezialisten oder ins Spitalambulatorium geht. Wer sich zuerst an den Hausarzt wendet, dem bleibt sie erspart. Darüber hinaus müsste man das Anreizsystem generell überdenken.
Inwiefern?
Etwa, indem man das Entschädigungssystem für Ärzte ändert. Sie verdienen heute umso besser, je mehr sie behandeln. Stattdessen könnte man die Ärzte mit einer Kopfpauschale pro Versicherten entschädigen. Zahlreiche Studien belegen, dass mit solchen Systemen zwischen 10 und 30 Prozent der Kosten gespart werden können.
Der Arzt würde also gewissermassen zu einem Gesundheitsbeamten?
Ich würde eher von einem Gesundheitsmanager sprechen. Denn mit einer solchen Kopfpauschale hätte der Arzt das Interesse, haushälterisch mit den Mitteln umzugehen. Er würde nicht unbedingt die maximale Behandlung wählen, sondern die optimale. Es wäre gewissermassen das Pendant zu den Fallpauschalen im Spital.
So droht doch das System ins Gegenteil zu kippen: Die Ärzte behandeln eher zu wenig, weil so am meisten für sie übrig bleibt.
Diese Gefahr muss durch eine begleitende Qualitätssicherung behoben werden. Wichtig ist darum, dass diese Pauschale auch die Genesungsphase abdeckt. Das gibt Spielraum, um solche Entwicklungen zu verhindern.
Derzeit vergeht kein Tag, ohne dass irgendwo eine neue Sparidee auftaucht. Glauben Sie, dass davon letztlich etwas übrig bleibt?
Ja. Ich denke, allen Beteiligten ist bewusst, dass es fünf vor zwölf ist und dass man nun Lösungen finden muss. Gute Chancen hat wohl insbesondere die Aufstockung der Prämienverbilligung um 200 Millionen Franken.
Ist das nicht reine «Pflästerlipolitik»?
Gesundheitspolitisch bringt die Aufstockung nichts, weil damit ja nur das Symptom bekämpft wird. Trotzdem glaube ich, dass sie heute volkswirtschaftlich richtig ist. Denn der Prämienaufschlag kommt in einem sehr dummen Moment. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage sind wir darauf angewiesen, dass der private Konsum der Leute robust bleibt. Und da sollte man ihnen nicht Geld entziehen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.05.2009, 22:49 Uhr
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6 Kommentare
Heureka und Chapeau. Unabhängig muss man sein, ist scheinbar auch als CVP'ler möglich. Warum muss jeder im System ein Haus, zwei Ferienwohnungen, drei Autos etc. haben. Es wird hier ganz klar gelabt, aber keine Spur von Sozialkompetenz. Weder politisch, und das von links bis rechts, noch auf Leistungserbringerstuffe. Aber eben Milliardengeschäft!!! Antworten
Ich habe vom Arzt letzthin ein Rezept für ein Medi das CHF 3.50 kostet, erhalten. Wenn ich damit in die Apotheke gerannt wäre, wäre die Pauschale der Apotheke noch drauf gekommen und auch bei der Krankenkasse wären Administrationskosten angefallen. Mein Vorschlag daher. Medikamente die weniger als CHF 50.- kosten und voraussichtlich nur 1x verschrieben werden soll der Patient selber bar bezahlen. Antworten
































