Einsiedeln verweigert Einbürgerung

75-jährig, seit 39 Jahren in der Gemeinde – und trotzdem kein Schweizer Pass. Was Einsiedeln am Einbürgerungsgesuch des ETH-Professors aus Kalifornien bemängelt.

Verweigert einem 75-jährigen Amerikaner den roten Pass: Einsiedeln. (Archivbild)

Verweigert einem 75-jährigen Amerikaner den roten Pass: Einsiedeln. (Archivbild) Bild: Keystone

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Einem pensionierten ETH-Professor bleibt der Schweizer Pass verwehrt, obschon er seit 39 Jahren in der Gemeinde Einsiedeln wohnt. Die Bezirksversammlung hat am Montag ein Einbürgerungsgesuch des 75-jährigen Amerikaners abgelehnt. Er sei zu wenig integriert, hiess es.

Die Versammlung folgte damit dem Antrag des Bezirksrats. Der Entscheid fiel nach einer rund halbstündigen Diskussion mit klarem Mehr, wie Landschreiber Peter Eberle am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Zog in Einsiedeln drei Kinder gross

Der Kalifornier lebt seit 1975 im Einsiedler Ortsteil Gross, ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und ist Mitglied eines lokalen Tennis- und eines Segelclubs. Der Chemieingenieur lehrte und forschte während gut 30 Jahren an der ETH Zürich, verfasste Lehrbücher und gründete einen Weiterbildungskurs.

Die Prüfung über die Grundkenntnisse der Schweiz hatte der Mann mit gutem Leumund, geordneten finanziellen Verhältnissen und ausreichenden Deutschkenntnissen bestanden. Nach Einschätzung der Einbürgerungskommission kennt er die kommunalen Verhältnisse aber nicht gut genug.

Behörde: Lücken in Geografie und Politik

Die Kommission wirft dem Professor mangelnde Kenntnisse in Schwyzer und Einsiedler Geografie und Politik vor. Sie vermutet, dass sich der Antragsteller vor allem wegen persönlicher Vorteile und Sicherheiten einbürgern lassen will.

Er habe beim Einbürgerungsgespräch weder die sechs Ortschaften des Bezirks vollständig aufzählen noch Namen von Freunden und Bekannten in Einsiedeln nennen können, schreibt der Bezirksrat. Auch aktuelle politische Themen im Ort seien ihm nicht bekannt gewesen.

3600 Franken Verwaltungsgebühr

Der Kalifornier hingegen erklärte laut Bezirk, er fühle sich seit langem in der Schweiz zuhause, habe unter anderem an der ETH viel für die Ausbildung junger Schweizer geleistet und in Einsiedeln drei Kinder aufgezogen. Er kritisierte die Behörde, sie habe sich nicht wirklich interessiert, etwas über ihn herauszufinden.

Der Ausländer muss trotz negativem Bescheid 3600 Franken Verwaltungsgebühr bezahlen. Den Entscheid der Bezirksgemeinde kann der Betroffene innert zehn Tagen beim Schwyzer Verwaltungsgericht anfechten. (chk/sda)

Erstellt: 14.10.2014, 05:22 Uhr

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