Elitepolizist macht steile Karriere – trotz Vorstrafe

Der Beamte Ulrich Knecht (Name geändert) ging bei einer Verhaftung heftig zur Sache und wurde dafür bestraft. Heute ist er Chefinstruktor und Dozent. Er ist kein Einzelfall bei der Luzerner Kapo.

In der Kritik: Die Luzerner Polizei (hier eine Patrouille im März 2010 in Udlingenswil).

In der Kritik: Die Luzerner Polizei (hier eine Patrouille im März 2010 in Udlingenswil). Bild: Pius Amrein (Neue LZ)

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Eines kann man dem Luzerner Elitepolizisten Ulrich Knecht nicht vorwerfen: dass er keine Ahnung hätte, wenn er jüngere Kollegen in die Herausforderungen der Polizeiarbeit einführt. In taktischen Ausbildungen bei der Kantonspolizei Luzern geht es auch um die Verhältnismässigkeit bei Einsätzen. Und damit hat Knecht, der sogar als Dozent an der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch LU lehrt, Erfahrung. Durchaus einschlägige Erfahrung, denn der Schützeninstruktor weiss auch, wie es nicht geht. Beispielsweise so, wie am 3. Oktober 2008, an der kleinen Emme in Littau LU.

Gegen Mitternacht verhaftete Ulrich Knecht mit Kollegen und mit einem Polizeihund zwei Brüder. Der eine der Brüder hatte Diesel von einer Baustelle klauen wollen. Es war ein Fall von geringer Schwere, wie sich an den juristischen Folgen zeigt: Der eine Verhaftete, ein damals 26-Jähriger Deutscher, wurde wegen geringfügigen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt – zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen à 80 Franken. Die Busse betrug 100 Franken. Die Untersuchung gegen den zweiten Verhafteten wurde gar eingestellt. Der Staat übernahm die Verfahrenskosten.

Würgespuren am Hals

Weit weniger glimpflich kam Ulrich Knecht davon: Das Amtsstatthalteramt Luzern sprach ihn wegen mehrfachen Amtsmissbrauchs und wegen Tätlichkeiten schuldig. Der Elitepolizist wurde zu 70 Tagessätzen à 160 Franken verurteilt. Die Summe bei ihm fiel also 28-mal höher aus als jene des kleinen Diebes. Zudem kassierte Knecht eine Busse von 1000 Franken. Auch Verfahrenskosten von 1000 Franken musste er berappen.

Knecht hatte gemäss Informationen, die dem TA vorliegen, bei der Verhaftungsaktion massiv Gewalt angewendet. Der Dieb war allem Anschein nach bereits in Handschellen gelegt gewesen, als er Opfer des Polizisten wurde. Er wurde so schwer verletzt, dass sich die Tat nicht vertuschen liess. Die Rede ist von Würgemalen am Hals. Im Strafverfahren gegen Knecht zeigte zudem ein anderer Polizist, der vor Ort gewesen war, Zivilcourage. Er belastete seinen gewalttätigen Dienstkollegen.

Zwei weitere Fälle

Der Karriere des Beschuldigten tat dies keinen Abbruch. Gemäss Informationen, die bereits vor Monaten auch der zuständigen Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli zugekommen sein sollen, stieg Knecht trotz des laufenden Verfahrens zum stellvertretenden Chef eines Ausbildungsbereichs bei der Kantonspolizei auf. Nur Tage nach der Beförderung kam es zum Schuldspruch. Knecht akzeptierte die bedingte Strafe mit Probezeit von zwei Jahren.

Seither soll der Vorbestrafte erneut befördert worden sein: zum Chef der Instruktion. Knecht nimmt auch eine Führungsposition im Schützendetachement «Habicht» ein. Weder die Luzerner Kantonspolizei noch das Justiz- und Sicherheitsdepartement wollten sich gestern zum Fall äussern. Sie haben für heute Mittwoch kurzfristig eine Medienkonferenz einberufen.

Regierungsrätin Schärli (SP) und Polizeikommandant Beat Hensler stehen seit einer Woche in der Kritik. Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens hatte zwei andere Fälle enthüllt, in denen Luzerner Polizisten trotz Übergriffsvorwürfen Karriere machten. Ein Kadermann, der in der Eliteeinheit «Luchs» eine Führungsposition innehat, hatte gemäss detaillierten Aussagen von Nachbarn an Heiligabend 2010 seine Freundin verprügelt. 14 Monate danach wurde er befördert.

Gewalt- und Sexvorwürfe

Ein anderer hochrangiger Polizist soll eine ihm unterstellte Mitarbeiterin sexuell genötigt haben. In beiden Fällen kam es zu keinen externen Untersuchungen. Der Vorwurf körperlicher Gewalt durch den einen Polizisten wurde intern abgeklärt. Ein Administrativverfahren wegen der Sexualdelikte läuft noch. Die Luzerner Behörden wollten gestern nicht sagen, ob es nun auch im Fall Knecht eine zusätzliche Untersuchung gibt. Der Polizist selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Polizeiexperte Markus Mohler hatte in der «Rundschau» betont, es sei äusserst wichtig, dass derartige Vorwürfe an Polizisten von externen und damit unabhängigen Fachleuten untersucht werden. Dies war in Luzern nicht der Fall: Die Frau, die der «Luchs»-Polizist vermutlich mit Fusstritten verletzt hatte, hatten nächste Dienstkollegen einvernommen. Danach verzichtete sie auf eine Anzeige. Der Kadermann ist erst jetzt, dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall, vom Dienst suspendiert worden.

Justizdirektorin Schärli war vor rund einem halben Jahr über die Fälle informiert worden. Polizeikommandant Hensler hat die Beförderungen direkt zu verantworten. Der Personalverband der Luzerner Polizei fordert eine Aufarbeitung – etwa durch eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK). (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 03.07.2013, 06:44 Uhr)

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