Eltern der ermordeten Manuela bangen um Spendengelder
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 17.03.2010 2 Kommentare
Die 17-jährige Manuela Riedo aus Hinterkappelen wurde am 8.Oktober 2007 im irischen Galway vergewaltigt und ermordet. Vor einem Jahr, am 21. März 2009, verurteilten die Richter ihren Mörder zu lebenslanger Haft. Nach der Verhandlung in Dublin kehrten Manuelas Eltern Arlette und Hans-Peter Riedo nach Hinterkappelen zurück. Wenige Tage später erhielten sie einen Anruf des Iren Brendan McGuinness. Dieser besitzt und führt in Basel ein Pub. Er lud Riedos ein, mit ihm im Andenken an die Ermordete die Manuela-Riedo-Foundation zu gründen. Die Mission der Stiftung soll es sein, Vergewaltigungsopfer und deren Familien in ganz Europa zu unterstützen. «Brendan sagte uns, er wolle mit dem Engagement zeigen, dass es auch gute Iren gibt», sagt Arlette Riedo.
Die Stiftung mit Sitz in Basel wurde im Juli gegründet. Als Stifter ist McGuinness eingetragen, im Stiftungsrat sitzen zudem das Ehepaar Riedo und ein weiterer Berner. McGuinness ist der Verwalter, er hat sämtliche Unterlagen und ist auch der Ansprechpartner für die Bank. Das erweist sich nun als Nachteil.
James Blunt kam nicht
Als erste Aktion veranstaltete McGuinness am 25. Juli ein Benefizkonzert. Zuerst wollte er mit grosser Kelle anrichten: Als Veranstaltungsorte standen die Postfinance-Arena und das St.-Jakobs-Stadion sowie grosse Top Acts wie James Blunt zur Diskussion. Doch der Ire musste schnell zurückbuchstabieren, der Vorverkauf lief nur mässig. Kein Wunder: «Zwei Wochen vor dem Event hatte er noch kein einziges Plakat gedruckt», sagt Arlette Riedo. Da seien bei ihr und ihrem Mann erste Zweifel an seiner Verlässlichkeit aufgekommen. Auf eigene Rechnung liessen Riedos die Plakate kurzerhand in Bümpliz drucken, und sie sorgten für den Vertrieb.
Im kleinen Rahmen war das Benefizkonzert ein Erfolg. Es fand schliesslich im Pub selber statt, 500 Leute aus der Schweiz und dem Ausland waren dort. Sie zahlten 110 bis 150 Franken Eintritt, konsumierten Getränke und füllten den Spendenkorb, an den Manuelas Foto geheftet war. Alleine vom Anlass in Basel müssten mindestens 100'000 Franken aufs Stiftungskonto geflossen sein, rechnet Arlette Riedo vor. Gemäss einem Artikel des «Blick» spendete zudem die Brauerei Feldschlösschen 230'000 Franken. Doch gemäss Riedo befinden sich ganze 4300 Franken auf dem Konto: 2000 stammen von Manuelas Grossmutter, der Rest sind Einzelspenden, auch von Einwohnern aus Hinterkappelen. Die anderen über 300'000 Franken habe Brendan McGuinness nie auf das Stiftungskonto eingezahlt, sagen Riedos. «Wir wollen wissen, wo das Geld geblieben ist», sagt Arlette Riedo. Seit Monaten scheitere aber jegliche Kontaktaufnahme mit McGuinness, auch für diese Zeitung war er gestern nicht zu erreichen.
Seit August nicht gesehen
Dies obschon sein Pub regulär geöffnet und der Wirt gemäss Nachbarn jeweils persönlich anwesend ist. Wo das Geld abgeblieben ist, wissen Riedos nicht: «Seit August haben wir Brendan nicht mehr gesehen.»
Sie möchten eigentlich seit Monaten anfangen, den Stiftungszweck umzusetzen und entsprechende Projekte für Frauen zu unterstützen. Doch: «Uns sind die Hände gebunden», sagt Arlette Riedo. Denn beim Basler Pubbesitzer laufen alle Fäden zusammen. Um dies zu ändern, braucht es die Unterschriften aller vier Stiftungsräte, also auch von McGuinness selber. Ohne ihn geht nichts.
Von dieser Zeitung auf den Fall angesprochen, wird jetzt die Eidgenössische Stiftungsaufsicht (ESA) aktiv. «Wir werden uns an die Stiftung wenden und auf Grund der Medienberichte Auskünfte verlangen», sagt Sprecherin Katja Zürcher. Riedos warten das Resultat dieser Intervention ab. Einen Anwalt wollen sie vorerst nicht einschalten. Auf der Homepage des McGuinness Pub sind zwei Fotos von Manuela aufgeschaltet. Darüber steht «Manuela R.I.P» – Manuela, ruhe in Frieden. Gerade dies wünschen sich ihre Eltern auch. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.03.2010, 14:53 Uhr
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2 Kommentare
Als hätten die Riedos nicht schon einen unglaublichen Schicksalsschlag erlitten - nun auch noch das! Manchmal fragt man sich, was ein Mensch überhaupt alles aushält (oder aushalten muss). Meine grosse Anteilnahme. Und hoffentlich sperrt man diesen Verbrecher für lange Zeit ein - sofern es sich dann wirklich herausstellt, dass er mit dem Geld ab ist. Antworten
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