Empfindliche Einbussen für Schützen
Von Gregor Poletti. Aktualisiert am 04.01.2011 47 Kommentare
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Schützenvereine
Vor 1996 gab es für Militärdienstpflichtige die Zwangsmitgliedschaft in einem Schützenverein. Über 500'000 Wehrmänner schossen das «Obligatorische» und ermöglichten dank ihren Mitgliederbeiträgen den unzähligen Vereinen ein prächtiges Leben: Fast jede Gemeinde unterhielt einen Schützenstand. Inzwischen ist nicht nur diese Pflicht gefallen, auch die Armeereformen haben Spuren hinterlassen: Viele Schützenvereine mussten bereits fusionieren, Schützenstände wurden unrentabel und mussten zudem wegen verschärfter Lärmvorschriften geschlossen werden. Auch in der Region Bern: So wurde jüngst der Betrieb im Schiessstand Stalden in der Gemeinde Konolfingen endgültig eingestellt.
Ueli Maurer
Verteidigungsminister Ueli Maurer geht davon aus, dass Frauen eher für die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» sind, weil sie nicht mit Waffen umzugehen wissen. Dies sagte er in einem Interview mit den «Zürcher Regionalzeitungen». «Sie kennen die Waffe nicht», sagte Maurer. Er zweifle allerdings an der These, wonach die Frauen die Initiative grundsätzlich anders beurteilen als die Männer. «Dass hier ein grosser Geschlechtergraben besteht, stimmt nicht. Waffen bedeuten auch Schutz und Sicherheit», sagte der 60-Jährige. Für Maurer bedeutet die Initiative «eine Geringschätzung des Bürgers». Hunderttausende Familien hätten bewiesen, dass sie mit der Waffe verantwortungsvoll umgehen könnten. sda
Der Vorsteher des Verteidigungsdepartementes VBS, Ueli Maurer, hat eine neue Flanke im Kampf gegen die Waffen-Initiative eröffnet. In einem Interview mit den «Zürcher Regionalzeitungen» stellt er das «Obligatorische» zur Disposition. Die Armeewaffe müsse zu Hause aufbewahrt werden, damit das «Obligatorische» geschossen werden könne: «Man setzt sich einmal im Jahr mit der Waffe auseinander.» Mit den kurzen Ausbildungszeiten sei man darauf angewiesen, dass ein gewisses Know-how erhalten bleibe. Nur ist im Text der Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» nirgends davon die Rede, dass das «Obligatorische» abgeschafft werden solle.
Logistisch unmöglich
Trotzdem ist auch Dora Andres, Präsidentin des Schweizerischen Schiesssportverbandes (SSV), überzeugt, dass mit der Annahme der Initiative die Durchführung des «Obligatorischen» praktisch verunmöglicht würde: «Dies wäre nicht nur logistisch nicht mehr zu bewältigen, auch das Vertrauen in den Soldaten würde mit der Zwangsabgabe der Ordonnanzwaffe unnötig geschwächt.» Dem widerspricht der grüne Nationalrat Joe Lang (ZG), Mitglied des Initiativkomitees «Für den Schutz vor Waffengewalt» auf Anfrage vehement: «Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, vom Durchführen des «Obligatorischen» während der Wiederholungskurse bis hin zur Abgabe eines unpersönlichen Gewehrs für diese Dienstpflicht.» Dass die Bundesübung, wie das «Obligatorische» im Militärjargon korrekt heisst, mit der eigenen Waffe erfüllt werden müsse, tut Lang in das Reich der Ideologien ab: «Hier wirkt der Mythos nach, die persönliche Waffe sei die Braut des Soldaten.» Für den Zuger Parlamentarier dient das «Obligatorische» vor allem dazu, die Schützenvereine finanziell zu unterstützen.
10 Millionen Bundesmanna
Tatsächlich investiert der Bund und damit der Steuerzahler jährlich an die 10 Millionen Franken ins ausserdienstliche Schiesswesen. Allein für das «Obligatorische» zahlt der Staat 20 Franken pro Pflichtschütze. Bei fast 170'000 Armeeangehörigen, welche das «Obligatorische» erfüllen müssen, sind dies über 3 Millionen Franken für die Vereine und den Dachverband. Finanziell unterstützt werden die Vereine auch für Jungschützen und für Teilnehmer des Feldschiessens. Zudem erhalten sie Beiträge für Verwaltungs- und Betriebskosten sowie für den Versicherungsschutz.
Da erstaunt es nicht, dass die Schützenvereine diese Bundessubvention um jeden Preis verteidigen und den Support von Bundesrat Ueli Maurer begrüssen. Dora Andres bestreitet indes, dass es sich bei der erklecklichen Summe um eine Subvention handelt: «Wir haben mit dem VBS einen Dienstleistungsvertrag, schliesslich ist das Durchführen des ‹Obligatorischen› für die Vereine auch mit einem Aufwand verbunden.» Die Präsidentin der über 3000 Schiessvereine muss aber einräumen, dass das Bundesgeld sehr wohl mithilft, die Anlagen besser auszulasten, und die Entschädigung des Bundes ein Beitrag an die Betriebskosten ist: «Sollte diese Aufgabe wegfallen, müssten die ganzen Betriebskosten auf die Mitglieder der Vereine überwälzt werden.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.01.2011, 13:01 Uhr
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47 Kommentare
Das Obligatorische ist ein alter Zopf, der abgeschafft werden sollte. Umso besser, dass man damit auch noch 10 Millionen Franken sparen kann. Unglaublich, wie viel Geld beim Schiessen in die Luft verballert wird, die Umwelt wird mit Blei belastet und die Gegend mit Lärm beschallt... Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






