Schweiz

Empörung trieb Muslime schon mal auf die Strasse

Aktualisiert am 11.12.2009

Schweizer Muslime werden morgen Nachmittag in Bern gegen das Minarett-Verbot demonstrieren. Es ist nicht die erste Muslim-Demo vor dem Bundeshaus. Und: Die Kundgebung ist unter den Muslimen nicht unumstritten.

1/3 Am 11. Februar 2006 gab es bereits eine Kundgebung von Muslimen auf dem Berner Bundesplatz.
Keystone

   

Nach der Abstimmung über die Minarett-Verbotsinitiative gehen die Schweizer Moslems in die Offensive. Einige rufen zu Protesten auf, andere setzen auf Aufklärungsarbeit im Hintergrund. Auf einen öffentlichen Auftritt setzt der Islamische Zentralrat Schweiz. Er hat für Samstagnachmittag zu einer Demonstration auf dem Bundesplatz in Bern aufgerufen. Die Kundgebung wird um 14 Uhr beginnen. Die Veranstalter erwarten bis zu 1000 Teilnehmende. Die Berner Muslim-Demo sorgte in den letzten Tagen für Gesprächsstoff, weil der radikale Konvertit Pierre Vogel alias Abu Hamza als Redner vorgesehen war. Gestern verfügten aber die Bundesbehörden ein Einreiseverbot gegen den 31-jährigen Ex-Boxer aus Deutschland.

Der Islamische Zentralrat ist in der muslimischen Gemeinschaft nicht unumstritten. Es handle sich um eine Minderheit innerhalb der muslimischen Gemeindschaft, sagte Farhad Afshar, Präsident der Koordination der islamischen Organisationen (COIS). Die grossen islamischen Organisationen seien dazu nicht eingeladen worden. Der Kundgebungsaufruf könnte aber auf ein bedeutendes Echo stossen, da viele Moslems nach dem Ja zum Minarettverbot entrüstet seien.

Friedlicher Protest im Februar 2006

Entrüstet waren viele Muslime auch vor ein paar Jahren, nachdem eine dänische Zeitung Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Am Nachmittag des 11. Februar 2006 protestierten auf dem Bundesplatz in Bern etwa 1000 Menschen mit Transparenten sowie in Reden und Gebeten gegen die Verunglimpfung Mohammeds. Zur Kundgebung aufgerufen hatte eine Vereinigung von Muslimen aus Biel. Die friedlich verlaufene Demonstration war in der muslimischen Gemeinschaft umstritten gewesen. COIS-Präsident Afshar bezeichnete sie als falsche Antwort. Wichtiger seien das Gespräch und der Dialog.

(vin)

Erstellt: 11.12.2009, 14:55 Uhr

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