Ende des Bluewin-Chats: Perverse suchen sich Opfer anderswo
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 19.05.2009
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«Der Entscheid lag schon länger in der Luft», sagt Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack. Das Telekom-Unternehmen hat die Konsequenzen gezogen und den umstrittenen Bluewin-Chat eingestellt, nachdem immer wieder Minderjährige belästigt wurden. Einen eigentlichen Auslöser habe es dazu nicht gegeben, sagt Ziesack, obwohl wiederholt User das Einstellen des Chats verlangten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).
Wann der Chat genau abgeschaltet wird, steht noch nicht fest. Warum nicht per sofort? «Wir wollen unsere Kunden nicht vor den Kopf stossen. Ausserdem möchten wir ihnen genügend Zeit geben, damit geknüpfte Chat-Kontakte nicht von heute auf morgen unterbrochen werden», sagt die Sprecherin.
«Problem nicht gelöst»
Das Abschalten des umstrittenen Chats ist ein Teilerfolg im Kampf gegen Belästiger und Pädophile im Internet – könnte man denken. CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer, die sich für den Kinderschutz im Netz einsetzt, ist trotzdem nicht zufrieden: «Das Gesamtproblem ist damit nicht gelöst», sagt die Politikerin. Sie befürchtet, dass die Belästiger nun in Chats abwandern, die weniger überwacht werden. Das befürchtet man auch bei der Schweizerischen Kriminalprävention, zumal theoretisch jeder einen solchen Chat betreiben kann.
«Vielleicht ein Weckruf»
«Die Schliessung des Bluewin-Chat ist sicherlich nicht die beste Idee, vielleicht aber ein Weckruf für Erziehungsberechtigte», glaubt der Schulsozialarbeiter Patrice Emch, der mit der Gruppe «Jugend Online» Kurse zum Thema Kinder und Internet anbietet.
Doch auch er befürchtet, dass die Perversen und Pädophilen eines Chats sich andere Plattformen suchen werden. «Die Moderatoren sind in jedem grösseren Chat überfordert», so Emch. «Bis dato ist uns kein Chat bekannt, der ein zu 100 Prozent funktionierendes System anwendet, um solche Gespräche auszuschliessen.»
Tatsächlich verlieren sich die Fäden hinter anderen Schweizer Chats schnell im Nirgendwo. Zum Beispiel im Falle Swisstalk.ch: Das Unternehmen Community Engineering GmbH, das den Chat betreibt, ist zwar im Handelsregister eingetragen, jedoch ohne Kontaktangaben. Der Geschäftsführer ist telefonisch nicht zu erreichen.
Verlagerung in Community-Portale?
Noch grösser ist jedoch die Befürchtung, dass Pädophile und Belästiger nun vermehrt bei Community-Portalen wie Facebook oder dem bei Jugendlichen sehr beliebten Netlog ihr Unwesen treiben. Zumal die sozialen Netzerke dem öffentlichen Chat längst den Rang abgelaufen haben.
Doch immerhin: Der Zugang ist hier im Vergleich zu Chats erschwert. Eine Registrierung ist Pflicht und mit Usern chatten kann nur, wer von ihnen als Freund akzeptiert wurde. Experten erachten es darum bei Portalen wie Facebook als schwieriger, sich komplett zu tarnen. Auch sei die Chance geringer, dass Kinder mit Fremden in Kontakt kommen.
Ungefährlich sind die Portale deswegen noch lange nicht: «Das Ansehen eines Benutzers steigt mit der Anzahl Freunde», weiss Patrice Emch. «Es kann also sein, dass so ziemliche jede Freundschaftsanfrage angenommen wird.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2009, 12:18 Uhr
Schweiz
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






