Schweiz
Energy-Kuhhandel treibt Konzessionsvergabe ad absurdum
Aktualisiert am 06.11.2009 32 Kommentare
David Vonplon.
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Vor allem die jüngeren Radiohörer dürfen sich freuen: Obwohl das Departement Leuenberger ihm die Konzession verweigert hat, bleibt Radio Energy auf Sendung. Möglich macht dies ein Kuhhandel zwischen Ringier und Giuseppe Scaglione: Das Medienhaus, Mehrheitseignerin von Energy, kauft dem Radiounternehmer die Konzession für Radio Monte Carlo (RMC) ab. Nun muss nur noch das Uvek dem Deal zustimmen. Tut es das, ist dies der erste Fall von einem reinem Konzessionshandel in der Deutschschweizer Radiogeschichte. Bisher wechselten nur funktionierende Radiostationen ihren Besitzer.
Für Ringier ist der Deal eine glückliche Fügung: Denn damit kann der Medienkonzern in letzter Sekunde ein Debakel abwenden. Ohne neue UKW-Frequenz hätte Energy Ende Jahr seinen Sendebetrieb einstellen müssen. 60 Mitarbeiter hätten ihren Job verloren, 277'000 Hörer ihren Sender. Energy darf nun aber ohne Unterbruch auf der bisherhigen Frequenz weitersenden, da RMC diese geerbt hätte.
Derweil dürfen sich Radiomann Scaglione sowie seine italienischen Investoren im Hintergrund die Hände reiben: Sie haben hoch gepokert und nun den Jackpot eingefahren. Der Verkauf der Konzession für Radio Monte Carlo spült ihnen dem Vernehmen nach zwischen drei und fünf Millionen Franken in die Kasse, bevor er richtig auf Sendung gegangen ist. Die Radiostation wäre frühestens im kommenden Frühling erstmals über den Äther gelaufen.
Konkurrent Roger Schawinski vermutet, dass Scaglione den Ausgang des Verfahrens vor Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der anderen Zürcher Konzessionen bewusst abgewartet hat, um dann mit dem Verkauf an den Verlierer einen risikolosen Millionengewinn zu erzielen. Der Radio 1-Chef argumentiert, dass jeder Sender mit der Annahme der Konzession eine Betriebspflicht übernehme. Und diese habe RMC auch ein ganzes Jahr nach Konzessionserteilung nicht erfüllt.
Unabhängig davon, ob Schawinski recht hat, der Kuhhandel unterstreicht ein weiteres Mal, wie unsinnig die Konzessionsvergabe des Bundes ist: Da wird ein zweijähriges, äusserst aufwändiges Verfahren betrieben, in welchem die Radiobetreiber das Blaue vom Himmel versprechen. Und das alles nur, damit später die unterlegene Radiostation ihre Konzession einem Konkurrenten wieder abkauft – und damit alles beim Alten bleibt. Die Vergabe der Konzession geschah im Raum Zürich ausdrücklich, um die Meinungsvielfalt in der Radiolandschaft zu stärken: Nicht zuletzt deswegen hat der Ringier-Konzern für sein Radio Energy keine Konzession erhalten. Mit dem Kuhhandel wird der Entscheid Leuenbergers, der vom Bundesverwaltungsgericht ausdrücklich gestützt wurde, nun wieder ausgehebelt.
Das Uvek ist deshalb gut beraten, bei der Anhörung des Deals von Ringier und Scaglione genau hinzuhören. Letztlich aber werden die Behörden auch aus politischen Gründen nicht darum herum kommen, dem Konzessionshandel grünes Licht zu erteilen. Denn auch dem Uvek dürfte es lieber sein, nicht als Totengräberin des zweitgrössten Privatradios der Schweiz in die Geschichte einzugehen. Das ändert aber nichts daran, dass die Beamten von Medienminister Moritz Leuenberger über die Bücher gehen müssen.
Erstellt: 06.11.2009, 15:57 Uhr
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32 Kommentare
Irgendwie kommt mir diese ganze Story doch seeehr bekannt vor. Natürlich nicht 1:1 ... doch man schiele auf Basel.....auf Radio Basel One das mal der Basler Zeitung gehörte ...auf Radio Basel, das bei der Konzessionsvergabe leer ausgegangen ist. Antworten
@Daniel Landwehr 2. Teil. Jawoll, der Markt hat gewonnen. Das zweitgrösste schweizer Privatradio darf weiterbestehen und wird nicht einem radiotechnischen Nischenprodukt geopfert. Ich selbst, wie auch über 200'000 andere NRY-Hörer wollen keine andauernde Berieselung mit Informationen im Radio. Diese holen wir uns entweder im Internet oder in den Printmedien. Musik ist das Zauberwort. Antworten
@D. Landwehr..Korruption? Entschuldigen sie bitte, aber wer tatsächlich der Meinung sein sollte, ein Handel zwischen zwei Privaten könne "Korruption" sein, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Korruption ist nur im Zusammenhang mit staatlich hoheitlichem Handeln möglich. Wenn schon juristische termini technici, dann bitte richtig angewendet. Oder sind sie korrupt, wenn ich ihnen mein velo verkaufe? Antworten
Konzession verkaufen??? für die ein Nachweis erbracht werden musste? Wenn ich eine Prüfung, Lizenz oder was auch immer bestanden habe (Fahrausweis, etc) kann ich meine Bestätigung auch nicht verkaufen! Jeder muss selber bestehen oder bleibt draussen. Damit wird zukünftigen Spekulationen und 'Schwarzhandel' die Tür geöffnet. Antworten
Schon ein schlechtes Spiel wie man die Öffentlichkeit an der Nase herum führt. Ein Monsieur Schawinski kriegt zu einem Spottpreis Radio Tropic wo im Hintergrund beim UVEK bereits vor Ausschreibung die Fäden gespannt waren dass dieser zu 100% eine Konzession erhält. Herr Schwawinski wird wohl kaum mehrere Millionen auf den Tisch legen ohne diese Garantie. Antworten
Ich bin masslos enttäuscht. RMC ist mein absoluter Lieblingssender und mit Spannung habe ich darauf gewartet, auch im Auto RMC hören zu können. Stattdessen bleibt Radion NRJ auf Sendung, dessen Sprüche mit der immer gleichen Musik einfach nur nerven! Übrigens: genau wie auch R24 und R1. Was soll ich jetzt nur hören? Für Jazz-/Funk-/Club-Music gibts eben nur RMC. Antworten
Mir ist es ein Rätsel wie ein Herr Scaglione zwei Lizenzen für neue Nischen-Sender erhält, deren Hörerzahlen sich in den höchstens fünfstelligen Bereichen ansiedeln werden, und das äusserst erfolgreiche etablierte Energy gleichzeitig die Lizenz verliert. Herr Scaglione hat damals bei der Lizenzeingabe garantiert schon den Braten gerochen und ist nun über Nacht zum Milionär geworden - clever... Antworten
Eine oberpeinliche Affäre, die auch nicht besser wird, wenn gebetsmühlenartig vom "armen" NRJ" und vom "bösen" Leuenberger gepredigt wird. Ist es eigentlich mit Schmerzen verbunden, sich ZUERST zu informieren, und erst ANSCHLIESSEND seine Meinung hier kundzutun?? Herr Baumgartner und alle anderen; die Privaten WOLLTEN diesen Wettbewerb, das Uwek hat ihn UMGESETZT und Ringier/NRJ war SCHLAMPIG. Antworten
@Jorge Gomez: Eine gute und vielseitige Praktikumsstelle im Medienbereich zu finden ist nicht einfach und ist in vielen Fällen (z.B. zur Zulassung an eine Fachhochschule) zwingend erforderlich. Es ist also sehr wohl angebracht, hier von 60 Stellen zu sprechen. Stelle bleibt Stelle. Die freie Marktwirtschaft hat gesiegt - und Leuenberger mag ich den Seitenhieb gönnen. Ein wunderbarer Tag! Antworten
Es wurde schlussendlich nur korrigiert, was korrigiert werden musste. Der Staat muss mir bestimmt nicht vorschreiben und empfehlen, was ich hören soll. Bilden kann ich mich mit Büchern und gut recherchierenden Zeitungen - für die Musik/Unterhaltung. Energy hat Erfolg - und die über 50 Mitarbeitenden verdienen diese Konzession - Dank sei dem "Kuhhandel"! Antworten
Wenn mit den Konzessionen eh nur gehandelt wird, frage ich mich, wieso Verkauft der Bund die Konzession nicht direkt an den Meistbietenden. Mit den Einnahmen kann der Bund die allseits so geliebte Billag dicht gemacht werden, ohne dass finanzielle Einbussen entstehen. Die freie Meinungsbildung müsste der Patei von Genosse Leuenberger ja auch nur ein Dorn im Auge sein. Antworten
Scaglione und seine italienischen Investoren. In was haben die denn investiert? In Endlosbänder mit den immer gleichen Songs und den nervenden Spots seit zwei Jahren. Und in ein sog. Konzept, das von Leuenberger als glaubwürdig taxiert wurde. Dafür dürfen sie jetzt kassieren. Die Millionen sollte der Bund einsacken, was zwar unschön, aber wenigstens ehrlich wäre. Antworten
Immer wieder ist von 60 Mitarbeitern die Rede, dabei wird aber nicht erwähnt (von NRJ wohl bewusst nicht), dass es sich dabei um etliche Praktikantenstellen handelt und wohl nur etwa 20 Mitarbeiter wohl eine Vollzeitstelle haben. Nicht, dass ich NRJ die Rettung der Jobs nicht gönnen mag, aber es macht doch einen Unterschied. Ansonsten ist dem Kommentar nichts mehr hinzuzufügen. Einfach lächerlich. Antworten
Ernstens freue ich mich für "meinen" Sender und die Mitarbeiter. Zweitens ärgere ich mich, dass man diese schändliche Konzessionsvergabe nicht sofort abschafft und sich Hr. Leuenberger nicht bei allen Bürgern dieses Landes entschuldigt. Eine überteuerte Bilag, völlig sureale Entscheidungen von selbsernannten Experten bei der Konzessionvergabe - Wie soll das mit dem UVEK noch weitergehen? Antworten
Ein Kompliment an die Belegschaft, dass sie so fest um Ihren Arbeitsplatz gekämpft haben, dass BLICK jetzt Millionen dafür bezahlt. Einmal mehr eine schallende Ohrfeige für Leuenberger! Moritz, tritt doch endlich einmal ab, wir brauchen solche sozialistische Bevormungungen (siehe Tankstellenshop Regelung) wirklich überhaupt nicht! Antworten
RMC ist eine Fiktion und ein Gespenst auf den Kabelnetzen. Man sollte nun von Seite des Bundes sehr genau erklären, wer und aus welchen Gründen diese Konzession erteilt hat. Die Namen sind bekannt, die Interessenbindungen ebenso. Das Schmierentheater bezahlt man letztlich mit der Zwangskonzession. Antworten
Das UVEK soll diesen Verkauf einfach durchwinken und keinesfalls "genau hinhören", wie es der Schreiber fordert. Der verantwortungslose und unverständliche staatliche Eingriff in ein funktionierendes Radio wurde glücklicherweise vom Markt korrigiert. Ich fühle mich in meinen fundamentalen politischen Ansichten bestätigt: Je mehr staatliches Wursteln, weniger nachvollziehbarer die Entscheide. Antworten
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Stefan Jost
@Paul Sock: Super Idee, ich bin dabei. Wir entwerfen z.B. ein Konzept "Radio Integration" mit Sendungen in den Sprachen aller relevanten Ausländergruppen in der Schweiz. Für unsere vorbildlichen Integrationsbemühungen erhalten wir dann garantiert eine Frequenz-Lizenz, welche wir dann dem Meistbietenden verkaufen ;-) Antworten