Er gab Göldi und Hamdani ein Gesicht
Von Fabian Renz. Aktualisiert am 25.02.2010 4 Kommentare
Er kommuniziert Freude und Erleichterung: Daniel Graf.
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Daniel Graf ist in diesen Tagen mehr als nur das Sprachrohr von Amnesty International. In der Causa Max Göldi/Rachid Hamdani ist der 37-jährige Historiker beinahe so etwas wie der inoffizielle Sprecher der Schweiz geworden. Denn Graf tut, was die Mitarbeiter des Eidgenössischen Aussendepartements (EDA) aus verhandlungstaktischen Gründen derzeit tunlichst vermeiden: Er spricht. Ohne diplomatische Selbstkasteiung verurteilt er Libyens Diktator Ghadhafi, als dieser die Geisel Max Göldi ins Gefängnis schickt. Er kommuniziert Freude und Erleichterung, als mit dem Freispruch Hamdanis wenigstens ein kleiner Fortschritt erzielt wird. Und: Im Unterschied zu den Behörden liefert er zur Krise Informationen, Hintergründe und Details.
So war es Grafs Organisation, die diese Woche publik machte, dass Göldi im «Vorzeigegefängnis» al-Jeida gefangen gehalten wird. «Wir wollten nicht, dass es hiess, Göldi sitze im Horrorknast Aïn Zara und werde dort womöglich gefoltert.» Es waren auch Graf und seine Crew, die im letzten Jahr das einzige heute kursierende Gemeinschaftsfoto von Göldi und Hamdani veröffentlichten. «Wir haben den Geiseln dadurch ein Gesicht geben können» – mit dem Einverständnis der Betroffenen selbstverständlich. Ohnehin sei zu den Familien der Geiseln im Laufe der Zeit ein Vertrauensverhältnis entstanden: Mit ihnen habe sich Amnesty vor Informierung der Medien stets abgesprochen. Mit dem EDA nicht.
Amnesty ist in Lybien unerwünscht
Die mit Libyen kaum vernetzten Schweizer Medien konnten und können nur froh sein. Amnesty International ist zwar in Ghadhafis Reich unerwünscht und hat darum – offiziell – keine Leute vor Ort. Doch verfügt gerade die Schweizer Amnesty-Sektion über recht gute Kenntnisse des Landes, aus tragischen Gründen: Man stehe in Kontakt mit ehemaligen Asylbewerbern, die aus der Schweiz nach Libyen abgeschoben und dort ins Gefängnis gesteckt worden seien, so Graf. Hinzu kommt ihm zufolge, dass die Amnesty-Zentrale in London über viele Spezialisten verfügt, die sich seit Jahren mit der Situation in der nordafrikanischen Diktatur beschäftigen.
«Eigentlich bin ich in einer absurden Lage», sagt Graf. Hunderte von Leuten, viele ehrenamtlich, leisteten im Hintergrund für Amnesty International die Knochenarbeit. «Mich aber kennt man, weil es als Mediensprecher meine Aufgabe ist, vor der Kamera zu stehen.» Dabei dränge es ihn nicht ins Rampenlicht. Sein innerer Motor sei das Streben nach Gerechtigkeit. Darum hielt er als Kanti-Schüler Mahnwachen vor dem Flüchtlingszentrum in Bülach, nachdem auf das Gebäude Brandanschläge verübt worden waren. Darum ging er später als Sekretär zu den Zürcher Grünen, dann zur Gewerkschaft Comedia, 2008 schliesslich zur Schweizer Sektion von Amnesty International in Zürich.
Stellung nehmen und Fakten einordnen
Auch als Amnesty-Sprecher ist Graf gegenüber Ghadhafis Launen natürlich genauso machtlos wie alle anderen. Dass Max Göldi nun hinter Gitter muss, «hat mich schwer getroffen». Und so wird Graf weiterhin das tun, was er bisher tat: die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten, Stellung nehmen, Fakten einordnen. Und damit fortfahren, der verbliebenen Geisel und ihrer Familie Solidarität auszudrücken: über die von Amnesty lancierte Internetaktion «Kerzen nach Libyen». 16'150 virtuelle Kerzen sind bis gestern Abend entzündet worden. «Bei jeder Einzelnen kann man sehen, woher sie stammt», sagt Graf. Ergriffen und sogar mit etwas Stolz.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.02.2010, 10:51 Uhr
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4 Kommentare
Finde es gut, dass es die Amnesty Int. gibt. Doch es gibt gewisse Leute, wie z.B. Frau Markwalder FDP die gerne ihr Gesicht zur Schau stellt und meint sie sei der Hecht im Wasser, dabei gibt X andere Leute im Fall Lybien die es mehr verdient hätten an die Öffentlichkeit zu treten. Antworten
Gratulation für diesen grossen Einsatz! Die Hamdani / Göldi Geschichte kennen wir einfach viel besser, als all die hunderten von anderen Gefangenen, für die sich Amnesty International täglich einsetzt, oder für die Mütter und Kinder, welche keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben, weil sie diskriminiert werden. Gegen all diese Menschenrechtsverletzungen sollten wir mehr tun. Antworten
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






