Schweiz

«Es dauert ja zwei Wochen, bis die Impfung wirkt»

Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 19.11.2009 27 Kommentare

Der Zürcher Virologe Werner Wunderli nimmt Stellung zum ersten Todesopfer durch die Schweinegrippe in der Schweiz. Und sagt auch, was eine infizierte Mutter tun kann.

Wirkt nicht sofort: Schweinegrippe-Impfung.

Wirkt nicht sofort: Schweinegrippe-Impfung.
Bild: Keystone

Herr Wunderli, auch wenn der Todesfall in Baselland ein spezieller ist, geht vom H1N1-Virus für Babys und Kleinkinder eine höhere Gefahr aus, als für Menschen anderer Altersgruppen?
Generell ist das jüngere Alterssegment (unter zwei Jahren) mehr gefährdet als andere. Diese Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Zudem ist ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebaut. Es gilt aber, dass auch bei einer saisonalen Grippe die Kleinkinder zu der Risikogruppe zählen.

Warum ist das so?
Bei Komplikationen – zum Beispiel einer Lungenentzündung – wird es schwierig. Wenn die Patienten beatmet werden müssen, ist das Intubieren schwierig, weil die Atemwege noch klein sind

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Todesfall in Baselland erfuhren?
Der tragische Fall zeigt uns, dass für Risikogruppen wirklich eine erhöhte Gefahr besteht. Die Schweinegrippe ist nicht so harmlos, wie es manchmal tönte. Da die Zahl der Erkrankungen ständig ansteigt, hatte ich erwartet, dass es einmal zu einem Todesfall kommen wird.

Wo liegt denn genau die Gefahr einer Ansteckung mit der Schweinegrippe?
Eine Ansteckung mit dem H1N1-Virus hat eine unangenehme Eigenschaft. Wenn es zu einer Komplikation kommt, also einer Lungenentzündung, ist diese dann häufig viralen Ursprungs. Und diese kann man – im Gegensatz zur bakteriellen Infektion – nicht behandeln, also die Ursache direkt bekämpfen. Man kann dann nur Symptome behandeln.

Was ist zu beachten im Zusammenhang mit Babys und der Schweinegrippe?
Natürlich ist es am besten, wenn kleine Kinder die Schweinegrippe nicht erwischen. Gefahr entsteht zum Beispiel, wenn die Mutter sich infiziert. Dann sollte man sich überlegen, ab temporäre Abschirmung sinnvoll wäre. Oder auch ein Mundschutz für die Mutter für die Zeit wo sie den Virus ausscheidet.

Wie lange müsste das gehen?
Die Ausscheidung beginnt ungefähr einen Tag vor dem Auftreten der Symptome und dauert dann rund sechs bis acht Tage.

Sollten Ihrer Meinung nach alle Kinder ab sechs Monaten bis zu einem gewissen Alter geimpft werden?
Sicher sollten Kinder, die gesundheitliche Probleme haben, geimpft werden. Bei den Gesunden kann man sich das fragen. Zudem dauert es ja zwei Wochen, bis die Impfung wirksam wird.

Wie werden Kleinkinder denn jetzt behandelt?
Das ist abhängig vom Verlauf der Erkrankung. In der Regel gleich, wie bei saisonalen Grippeinfektionen. Oft kommt ja die Behandlung mit Tamiflu zu spät.

Was sagen Sie zu dem Fall, wo eine Frau nach der Schweinegrippe-Impfung eine Totgeburt erlitten hat?
Wir neigen dazu, sofort einen Zusammenhang zu konstruieren. Die Totgeburt muss aber nicht Folge der Impfung sein. Das wird erst eine Untersuchung zeigen. Wir müssen die Resultate abwarten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.11.2009, 12:35 Uhr

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27 Kommentare

Jürg Schmid

19.11.2009, 09:14 Uhr
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Swissmedic braucht im Normalfall fast Jahre um ein Medikament zuzulassen. Hier ging es vergleichsweise im Eilzug. Ist das der Grund warum sich Hersteller, Behörden und Aerzte sich von jeder Verantwortung entbinden lassen indem sie vom Patienten eine schriftliche Erklärung verlangen? Antworten


Daniel Graf

19.11.2009, 09:08 Uhr
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@Florian Löwensberg: Sind Sie bei der Behörde beschäftigt, die diesen Impfskandal verursacht hat? Das wär die einzige logische Erklärung, warum Sie diese unglaublichen Behörden-Schlampereien auf eine Nicht-EU Mitgliedschaft zurückführen... Antworten



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