«Es ist aussichtslos, flüchtende Velofahrer anzuhalten»

Bei Unfällen sind Velofahrer häufiger Täter als Opfer. Das belegt eine Statistik der Berner Kantonspolizei. Aber viele Velorowdys entziehen sich den Verkehrskontrollen und flüchten.

Macht sich aus dem Staub: Velofahrer sind unfassbar.

Macht sich aus dem Staub: Velofahrer sind unfassbar.

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Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Autorasern und Velorowdys. «Es ist sehr schwierig, einen Velorowdy anzuhalten, ohne ihn oder andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden», sagt Peter Hirter, Dienstchef Verkehrsdienst bei der Kantonspolizei Bern.

Velorowdys können sich den Konsequenzen ihres rücksichtslosen Verhaltens relativ einfach entziehen. Es liege in der Natur der Sache, dass die Polizei Autoraser besser identifizieren und büssen könne, so Hirter. «Der Verkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Da ist es fast aussichtslos, einen flüchtenden Velofahrer anzuhalten.»

Viele Beschwerden

Die Beschwerden aus der Bevölkerung und auch der Anteil an Unfällen, die von Velofahrern verursacht wurden, haben in den letzten Jahren zugenommen. Im Jahr 2009 wurden in der Stadt Bern über 60 Prozent aller Unfälle, bei denen Velofahrer beteiligt waren, von den Velofahrern selbst verursacht. Das besagt eine Statistik der Kantonspolizei Bern. Radfahrer sind also häufiger Täter als Opfer.

Die Kantonspolizei hat reagiert: In diesem Jahr kam ein neues Kontrollkonzept für den Langsamverkehr zum Einsatz. Zweimal pro Monat hätten während einer Woche intensive Kontrollen stattgefunden, berichtet Hirter. Bei solchen Kontrollen stellen sich uniformierte Polizisten jeweils gut sichtbar an eine Ampel oder eine gefährliche Strassenkreuzung und überprüfen, ob sich die Velofahrer an die Regeln halten. Einige fehlbare Velolenker haben sich den Kontrollen entzogen und im Angesicht der Polizei abgedreht und einen Umweg in Kauf genommen. Dennoch: «Wir haben im Laufe dieses Jahres rund 1600 Velofahrer gebüsst, einige von ihnen wurden verzeigt», so Hirter.

Frustrierte Polizisten

Da es vorher noch keine vergleichbaren Kontrollen gab, ist es schwierig, diese Zahlen in Relation zu setzen. Dass sich aber Velofahrer immer wieder so einfach den Kontrollen entziehen, frustriert die Polizisten. «Anlässlich einer Präventionskampagne wollten wir Gutscheine für Ansteckvelolampen an Radfahrer verteilen, die ohne Licht unterwegs waren. Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu büssen. Trotzdem sind uns viele Velofahrer ausgewichen», sagt Hans-Martin Baumann, der bei der Kantonspolizei Bern für die Verkehrssicherheit zuständig ist.

Um eine Bilanz aus den diesjährigen Kontrollen zu ziehen, sei es jetzt noch zu früh, sagt Hirter. «Wir stellen aber fest, dass wir mit den meisten Leuten, die wir anhalten, gute Gespräche führen.» Zwar gebe es einige Velofahrer, die versuchten, ein überfahrenes Rotlicht mit der Umweltfreundlichkeit ihres Verkehrsmittels zu verteidigen, die meisten würden sich jedoch einsichtig zeigen.

Appell an die Vernunft

Ohne Kontrollen und Repression geht es nicht, ist die Polizei überzeugt. Ihre grössten Anstrengungen gehen in eine andere Richtung. Bei gezielten Kampagnen versuchen die Gesetzeshüter, «den Menschen anzusprechen», wie Baumann sagt. «Die meisten nehmen in verschiedenen Rollen am Verkehr teil. Wenn sie zu Fuss unterwegs sind, ärgern sie sich zum Beispiel über die Velofahrer, wenn sie auf dem Velo unterwegs sind, ärgern sie sich über die Fussgänger.» Die Polizei versucht die Verkehrsteilnehmer schon im Kindergartenalter zu sensibilisieren. «Jeder sollte zuerst bei sich selber schauen, dass er die Verkehrsregeln einhält. Ohne ein gewisses Mass an Rücksicht geht es nicht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.11.2010, 10:14 Uhr

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