«Es ist mir wichtig, dass mich Rolf Erb im Gerichtssaal sieht»
Interview: Pia Wertheimer. Aktualisiert am 31.01.2012 23 Kommentare
Thomas Buomberger, Autor des Buches «Die Erb-Pleite». (Bild: zvg)
Zur Person
Thomas Buomberger, promovierter Historiker, arbeitete während fast vierzehn Jahren als Redaktor beim Schweizer Fernsehen. Daneben drehte er verschiedene Dokumentarfilme und schrieb Bücher zu zeitgeschichtlichen Themen. Er portraitierte beispielsweise den Industriellen und Kunstsammler Emil G. Bührle. Der 59-jährige Winterthurer nahm 2004 sein Werk «Die Erb-Pleite» in Angriff, an dem er rund sechs Monate schrieb. (pia)
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Herr Buomberger, Sie sind Autor eines Buches mit dem Titel «Die Erb-Pleite». Darin thematisieren Sie den Aufstieg und den Zusammenbruch des Erb-Imperiums. Einer der Protagonisten ist Rolf Erb, der derzeit vor dem Winterthurer Bezirksgericht steht. In welcher Beziehung stehen Sie zu ihm?
Wir besuchten von 1959 bis 1962 im Schulhaus Tössfeld in Winterthur gemeinsam die 1. bis 3. Klasse. Dann zog Rolf Erb mit seiner Familie weg.
Wie nahmen Sie Rolf Erb als Schüler wahr?
Ich hatte als Kind nur wenig Kontakt zu ihm. Sofern ich mich erinnere, war er ein mittelmässiger Schüler, ein Einzelgänger.
Wurde er von den anderen Kindern gehänselt?
Nein, daran erinnere ich mich nicht. Mir blieb aber, dass er stets viel Geld im Sack hatte. Oft hatte der 7-Jährige eine Hunderternote dabei. Damit lud er andere Kinder ein, sich beim Beck mit Süssigkeiten zu bedienen.
Hatten Sie später nochmals Kontakt zu Rolf Erb?
Ich habe vor etwa 30 Jahren einen Occasionswagen in einer seiner Garagen gekauft. Als ich nach dem Zusammenbruch des Erb-Konzerns für eine Artikelserie in der «SonntagsZeitung» recherchierte, rief ich Rolf mehrmals an, um mich mit ihm darüber zu unterhalten. Er pflegte nach kurzer Zeit schon das Telefon aufzuhängen mit den Worten «ich kenne Sie nicht».
Rolf Erb bestreitet, Sie zu kennen, und Personen aus dem näheren Umkreis von Rolf Erb stellen den Wahrheitsgehalt Ihres Buches zumindest teilweise in Frage. Kritiker werfen Ihnen vor, nichtautorisierte Zitate publiziert zu haben. Sie sprechen von einem Rachefeldzug. Wie erklären Sie sich das?
Das macht für mich keinen Sinn. Ich habe jedes Zitat den entsprechenden Personen vorgelegt und autorisieren lassen. Zudem nahm ein ausgewiesener Medienrechtler vor der Publikation das Werk unter die Lupe. Ich wüsste nicht, warum ich Rache üben sollte, ich hatte fünfzig Jahre lang keinen Kontakt mit Rolf Erb und war ihm gegenüber ziemlich indifferent – schliesslich hat er mir nie etwas zu Leide getan.
Was hat Sie bewogen, die Geschichte der Erb-Pleite in rund 200 Seiten niederzuschreiben?
Aufgrund meiner Recherchen für die Artikelreihe in der «SonntagsZeitung» hatte ich viel zum Teil auch vertrauliches Material zusammengetragen und interessante Kontakte geknüpft. Es reizte mich, das wirtschaftliche und persönliche Drama aufzuarbeiten.
Wohnen Sie dem Prozess bei?
Ich war vergangene Woche in den Ferien, darum bisher nicht. Morgen Mittwoch werde ich mich aber in den Gerichtssaal begeben. Es ist mir wichtig, dass mich Rolf Erb sieht.
Warum?
Es hat mich im Laufe der Jahre zunehmend geärgert, dass er sich mir verweigert hat. Ich hatte ihm mehrmals ein Gespräch angeboten, um seine Sicht der Dinge darzustellen, aber er nahm diese Gelegenheit nie wahr. Er hat zudem mehrmals mit juristischen Schritten versucht, Publikationen über ihn zu behindern. Ich will ihm zeigen, dass ich mich bis heute nicht habe unterkriegen lassen.
Ist es eine Genugtuung, dass sich Rolf Erb nun vor Gericht verantworten muss?
Nein. Es geht mir weder um Schadenfreude noch um Genugtuung. Völlig pragmatisch finde ich, dass, wenn er ein Verbrechen begangen hat, er dafür bestraft werden muss. Trotzdem hat es auch einige Dinge, die mich aufregen.
Zum Beispiel?
Dass ein Mann, der sich derart grossen Geldforderungen gegenübersieht, nach wie vor in einem Schloss wohnt. Ich finde das sehr stossend.
Ist diese Gerichtsverhandlung das letzte Kapitel der Erb-Saga?
Nein, das glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass entweder Rolf Erb oder die Staatsanwaltschaft den Fall an die nächste Instanz weiterzieht. Vermutlich wird diese Geschichte noch jahrelang dauern.
Stoff für eine Fortsetzung Ihres Buches. Ist ein zweiter Band über die Erbs geplant?
Nein. Das habe ich nicht geplant. Ich werde die Sache aber weiterverfolgen und darüber berichten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.01.2012, 15:13 Uhr
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23 Kommentare
es hat ihn geärgert, dass herr erb sich ihm entzogen hat. ihm dem ich-will-dir-nur-gutes-autor. es ist nun mal das recht jedes menschen, dass man sich nicht mit jedem über seine persönlichen sachen unterhalten muss. auch wenn daraus ein, in diesem moment, unvollständiges buch heraus gekommen ist. keine bösen absichten. ha. das ist ja lustig. wahrscheinlich bekam er kein weggli damals. Antworten
"Es hat mich im Laufe der Jahre zunehmend geärgert, dass er sich mir verweigert hat." Was soll das? Ich will Erb nicht in Schutz nehmen, aber hat ein ungefragt tätiger Autor das Recht, jemanden zu zwingen, sich an den Recherchen für ein kommerzielles Buch zu beteiligen? Wohl nicht. Es gibt zu viele selbsternannte "Spezialisten", die Bücher schreiben. Antworten
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