Ex-Flick-Manager nahm sich in Zürich das Leben

Eberhard von Brauchitsch und seine Ehefrau sind mithilfe der Sterbehilfeorganisation Exit aus dem Leben geschieden. Aus Deutschland kommt Kritik.

Hat sich gemeinsam mit seiner Frau für den Suizid entschieden: Eberhard von Brauchitsch.

Hat sich gemeinsam mit seiner Frau für den Suizid entschieden: Eberhard von Brauchitsch.

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Der ehemalige Industrieberater Eberhard von Brauchitsch und seine Frau Helga haben den Freitod gewählt. Das bestätigte deren Tochter Bettina von Brauchitsch dem deutschen Nachrichtenmagazin «Focus». «Mit fortschreitender Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes haben meine Eltern diesen Schritt in Erwägung gezogen und dann zum für sie geeigneten Zeitpunkt diesen Schritt getan.»

Ihre Mutter habe an stark fortgeschrittenem Parkinson gelitten, ihr Vater an einem Emphysem, einer Überblähung der Lunge. «Meine Eltern haben ihren Lebensweg mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam verlebt und somit für sich entschieden, auch den letzten Weg gemeinsam zu gehen.» Das Ehepaar ist laut «Focus» am 7. September in Zürich gestorben. Die Sterbehilfeorganisation Exit hat es dabei begleitet.

Neue «Kunden» werben

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisiert die Vorgehensweise von Exit. Vorstand Eugen Brysch rügte am Sonntag: «Der Wettbewerb Schweizer Suizidorganisationen um Auflagenstärke und Einschaltquoten ist unerträglich.» So versuchten die Tötungshelfer, durch Prominente eine Öffentlichkeit herzustellen. Die Schweiz sei nicht in der Lage, «dieser medialen Eskalation ein Ende zu bereiten». Gehe es den Sterbehelfern doch darum, neue «Kunden» zu werben. Brysch betonte, eine solche Tötungsbegleitung sei keine Fortführung der menschenwürdigen Sterbebegleitung. Die Folgen seien schwerwiegend. So sei bekannt, dass Suizide neue Suizide nach sich zögen.

Exit wehrt sich gegen gegen Kritik. «Die Hospiz-Stiftung täte gut daran, sich zuerst über die tatsächlichen Verhältnisse in der Schweiz zu informieren, bevor sie unqualifizierte Äusserungen macht», sagte der Vizepräsident des Sterbehilfevereins Exit, Bernhard Sutter, der Nachrichtenagentur dapd.

Exit: «Benötigen keine Aufmerksamkeit»

Sutter verwies darauf, dass Exit in konkreten Einzelfällen, wie alle anderen medizinischen Einrichtungen in der Schweiz, keine Auskünfte erteilen dürfe. Seine Organisation habe pro Jahr mehr Anfragen, als sie tatsächlich bewältigen könne, und benötige daher keine Aufmerksamkeit. «Da es in der Schweiz verboten ist, mit Sterbehilfe Geld zu verdienen, gibt es auch keinen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Sterbehilfeorganisationen», fügte Sutter hinzu.

Auf den Vorwurf Bryschs, den Sterbehelfern gehe es darum, neue «Kunden» für ihr Geschäftsangebot zu werben, entgegnete Sutter: «Exit hat keine Kunden, sondern ist ein Selbsthilfeverein: Mitglieder helfen anderen Mitgliedern.» Begleitungen für Mitglieder seien gratis. Sutter verwies darauf, dass sein Verein nur Menschen helfe, die einen Wohnsitz in der Schweiz hätten.

Nach eigenen Angaben hat die Organisation in der deutschsprachigen Schweiz 53'000 Mitglieder und erhält jährlich rund 1500 Anfragen für eine Freitodbegleitung. Davon würden rund 350 bewilligt, von denen jährlich 200 erfolgten.

Bekannter Manager

Der verstorbene Brauchitsch galt in den 1970er und 1980er Jahren als einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Er beriet Unternehmen wie Krupp oder Henkel, war Generalbevollmächtigter des Axel-Springer-Verlages und geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Flick-Konzerns. In den 1980er Jahren wurden verdeckte Spenden des Flick-Konzerns an Politiker und Parteien bekannt. Der Konzern erhoffte sich im Gegenzug für die Geldzuwendungen von der Bundesregierung eine Steuerbefreiung in Millionenhöhe im Zusammenhang mit einem milliardenschweren Aktiengeschäft. Brauchitsch war damals bei Flick für die Lobby-Arbeit zuständig, die Geldgeschenke an die Politik nannte er «Landschaftspflege». (oku/dapd)

(Erstellt: 12.09.2010, 18:12 Uhr)

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