Ex-Milliardär Erb erhebt schwere Vorwürfe gegen Firmen-Sanierer
Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 18.01.2012 26 Kommentare
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«Die Erb-Gruppe ist im Winter 2003 zusammengebrochen, angeblich weil sie wegen Investitionen in Immobilien und Devisenspekulationen überschuldet gewesen sei und ihre Bankkredite nicht habe zurückbezahlen können. Dies ist unzutreffend», das teilt Rolf Erb heute Abend mit. Er wehrt sich in einer persönlichen Erklärung an die Medien gegen eine «Vorverurteilung».
Dem Milliarden-Pleitier, der im Schloss Eugensberg im thurgauischen Salenstein wohnt, wirft die Staatsanwaltschaft gewerbsmässigen Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung vor. Der Beginn der Gerichtsverhandlung ist auf Montag 23. Januar angesetzt. Im Strafprozess könne aber eine angemessene und effiziente Vertretung durch einen amtlichen Verteidiger nicht gewährleistet werden, teilt der Angeschuldigte mit. Darum wechselt er seinen Pflichtverteidiger Adrian Klemm gegen die Zürcher Rechtsanwälte Vera Delnon und Bernhard Rüdy aus. Die Finanzierung der erbetenen Verteidiger werde von privater Seite sichergestellt. «Das Geld stammt von der Familie der Lebenspartnerin von Rolf Erb», heisst es bei den Verteidigern auf Anfrage.
«Ich galt als Krimineller»
In der persönlichen Erklärung geht Erb mit dem Sanierer Hans Ziegler hart ins Gericht: «Die Erb-Gruppe ging unter, weil der als CEO angestellte Hans Ziegler am 12. November 2003, lediglich 14 Tage nach Arbeitsbeginn, aufgrund einer ebenfalls in nur 14 Tagen angefertigten Schnellanalyse die UBS und Credit Suisse völlig falsch informierte.» Nach den Darstellungen des Angeschuldigten drehte die UBS daraufhin umgehend den Finanzhahn zu und kündigte alle Kredite. «Das war das Ende der Erb-Gruppe.» Am 5. Dezember 2003 informierte Hans Ziegler die Presse. Nach seinen Angaben fehlten 400 Millionen Franken in der Kasse des Familienimperiums.
«Hans Ziegler deutete an, dass dieser Betrag von der Familie Erb in die eigenen Taschen abgezweigt worden sei», teilt Rolf Erb nun mit. Damit sei das Vertrauen sämtlicher Banken in die Erb-Gruppe vollends zerstört worden. «Und ich galt als Krimineller.» Heute stehe fest, dass diese Behauptung eine aus der Luft gegriffene Unterstellung gewesen sei und dass kein einziger Franken in die Taschen der Familie Erb floss.
«Völlig einseitige Untersuchung»
Die Staatsanwaltschaft habe deshalb während Jahren nach den angeblich verschwundenen 400 Millionen Franken geforscht. «Mein Telefon und dasjenige meines Bruders und meiner Lebenspartnerin wurden während längerer Zeit abgehört, die E-Mails wurden mitgelesen und wir wurden bei allen möglichen Gelegenheiten beschattet», so die Schilderung von Rolf Erb. Erst seit sich dies als erfolglos abgezeichnete, werfe die Staatsanwaltschaft ihm Betrug, Falschbeurkundung und Gläubigerschädigung vor. «Neu ging es jetzt nicht mehr um 400 Millionen Franken, sondern um meinen Lohn und den sozialen Status, den ich mir angeblich habe erhalten wollen.»
Die logische Konsequenz «nach der völlig einseitigen und teilweise mit unakzeptablen Mitteln geführten Untersuchung der Staatsanwaltschaft und nach den ersten Erfahrungen mit den Gerichten» ist für den Angeschuldigten, den Ersatz seines Verteidigers. Den neu mandatierten Rechtsvertretern werden ein Strafrechtler und ein Buchhaltungsexperten zur Seite stehen. Rolf Erb ist überzeugt, damit «doch zu einem fairen Verfahren und einer ebenso fairen Beurteilung meines Falles durch das Gericht zu kommen». Er sei sicher, dass sich die Dinge nun so entwickeln würden. «Und dass ich endlich meine Unschuld vor einem objektiven und unbeeinflussten Gericht beweisen kann.»
Hans Ziegler wollte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet keine Stellung zu dem laufenden Verfahren nehmen. Weder die Staatsanwaltschaft noch das Bezirksgericht Winterthur waren heute Dienstagabend erreichbar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 18:47 Uhr
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