Schweiz

Exit will nicht zur Beratungsstelle für alle Suizidwilligen werden

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 15.12.2008 1 Kommentar

Die Sterbehilfeorganisation Exit bietet weiterhin keine unbegleiteten Suizide an. Sie sucht aber vermehrt das Gespräch mit Personen, die nach Suizidmethoden fragen.

Mehr Schusswaffen, mehr Suizide

1794 Menschen haben sich 2007 in der Schweiz das Leben genommen. Gegen 500 taten dies laut dem Strafrechtler Martin Killias mit Schusswaffen, wovon 300 Armeewaffen einsetzten. Regelmässig wird über das Verhältnis von Schusswaffenverbreitung und Suizidrate diskutiert. Eine Studie* aus den USA zeigt nun einen klaren Zusammenhang auf.

Demnach ist das Suizid-Risiko in Haushalten mit Waffen klar höher als in solchen ohne. Die Forscher stellten Staaten mit hoher Schusswaffendichte (47 Prozent der Haushalte mit Waffen) Staaten mit wenig Waffen (15 Prozent) gegenüber. Bevölkerungszahl und Beobachtungsdauer (2001 bis 2005) waren in beiden Gruppen gleich. In Staaten mit vielen Waffen kam es zu total 25'749 Suiziden, wovon 16'577 mit Schusswaffen. Staaten mit wenig Waffen verzeichneten 13'516 Suizide, wovon 4239 mit Schusswaffen.

Die Studie zeigt zudem, dass eine suizidale Handlung sehr oft impulsiv erfolgt. 24 Prozent der Patienten mit einem missglückten Suizid gaben in der Befragung an, dass zwischen dem Entschluss zum Suizid und der Tat weniger als fünf Minuten verstrichen. Bei 70 Prozent betrug die Zeitspanne weniger als eine Stunde. (daf)

* Miller/Hemenway: Guns & Suicide in the US. New Engl J Medicine, 04.09.08.

Der Bundesrat schätzt die Anzahl der Suizidversuche auf bis zu 67'000 pro Jahr. Stellt man dieser Zahl die Ziffer vollendeter Suizide entgegen (siehe Kasten), wird klar: Die meisten Suizidversuche misslingen. Auch wenn es sich bei der Mehrzahl der Versuche um Hilfeschreie und nicht um Handlungen mit tatsächlicher Todesabsicht handelt, sind die Folgen oft tragisch: Es kommt zu Verstümmelungen und lebenslangen Pflegefällen. Der Publizist Peter Holenstein verfasste 2003 im Auftrag von Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli eine Arbeit zu den Folgekosten des Suizidgeschehens. Er kam zum Schluss, dass misslungene Suizide jährlich Kosten von 2,3 Milliarden Franken verursachen.

Exit-intern eine umstrittene Frage

Gewaltsame Suizide und Suizidversuche werden auch von Personen begangen, welche die Sterbehilfeorganisation Exit abweisen mussten. Dabei handelt es sich um Personen, die keine Sterbebegleitung wollten oder die nicht derart krank waren, dass sie von einem Arzt das Sterbemittel Natrium-Pentobarbital (NaP) verschrieben bekamen. «Es kommt vor, dass sich Leute, denen wir nicht helfen konnten, vor den Zug werfen oder von einer Brücke springen», sagt Bernhard Sutter von Exit. Deshalb wurde innerhalb der Sterbehilfeorganisation rege diskutiert, ob Exit auch reine Suizidberatung anbieten soll.

Wie Exit nun auf ihrer Homepage mitteilt, lehnt der Vorstand eine solche Beratung ab. Gleichzeitig will die Organisation jedoch vertieft das Gespräch mit Personen suchen, die keine Sterbebegleitung wünschen oder keinen Arzt finden, der ihnen NaP verschreibt. Das Gespräch soll der Suizidprävention und der Verhinderung gewaltsamer Suizide dienen. «Wir zeigen Alternativen zum Suizid auf und schildern nochmals die Vorteile einer Begleitung. Wir raten immer von unbegleitetem Suizid ab», sagt Sutter.

Sollte die Person trotzdem nach konkreten Suizidmethoden fragen, könne Exit nicht weiterhelfen – und höchstens auf einschlägige Publikationen verweisen, in denen sanfte Suizidmethoden beschrieben werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2008, 23:41 Uhr

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1 Kommentar

Max Tschiet

16.12.2008, 07:30 Uhr
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1/6 aller Suizide werden mit Armeewaffen begangen. Dann kosten die misslungenen Suizide mit Armeewaffen rein rechnerisch CHF 380'000'000. Dafür kann man ziemlich viele sichere Waffenschränke fürs Zeughaus kaufen, es bleibt noch was für die Suizidberatung von Armeeangehörigen übrig und ein paar Schützenhäuser kann man auch noch renovieren. Tradition ist sehr teuer - und kostet zudem Leben. Antworten




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