Expats haben grosse Mühe, sich zu integrieren

Eine Studie zeigt, dass Expats in der Schweiz zwar sehr gut verdienen, aber nicht leicht neue Freunde finden.

Das Bildungsangebot in der Schweiz wird von ausländischen Fachkräften geschätzt, doch die Expats bleiben oft unter sich: Schüler an der Zurich International School in Adliswil.

Das Bildungsangebot in der Schweiz wird von ausländischen Fachkräften geschätzt, doch die Expats bleiben oft unter sich: Schüler an der Zurich International School in Adliswil. Bild: Keystone

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Die Schweiz steht für «money in the mountains» und «a stunning environment combined with the amazing skiing, fondue and chocolate» – also für Geld in den Bergen, eine atemberaubende Landschaft mit erstaunlichem Skifahren, Fondue und Schokolade. So jedenfalls lautet der klischeebeladene Kurzbefund der eben veröffentlichen Umfrage «The Expat Explorer». Sie wird jährlich, mittlerweile zum siebten Mal, im Auftrag der britischen Grossbank HSBC durchgeführt. Zwischen April und Mai 2014 wurden fast 9300 Expats aus über 100 Ländern, die vorübergehend als Führungs- oder Fachkraft im Ausland leben, nach ihrem Wohlbefinden befragt. Dabei bewerteten sie die Wirtschaft, Lebensqualität, das Bildungssystem sowie die Lebenshaltungskosten ihres Gastlandes – insgesamt waren es 34 Länder.

Wie in unzähligen anderen Länderrankings schneidet die Schweiz einmal mehr ausgezeichnet ab: Auf Platz 1 vor Singapur (2), China (3), Deutschland (4), Bahrain (5) und weit vor der europäischen Konkurrenz wie Belgien (20), Frankreich (23), Spanien (24), Irland (25) oder dem zweitletztplatzierten Grossbritannien (33).

Wie immer liegt der Teufel im Detail. So sind zwar 87 Prozent der in der Schweiz befragten Expats mit dem Zustand der Wirtschaft zufrieden, und 85 Prozent verdienen hierzulande mehr als in der Heimat – schliesslich liegt bei knapp einem Fünftel das jährliche Einkommen über 200'000 Franken. Und dank der schönen Landschaft wohnen in der Schweiz die sportlichsten Expats überhaupt. Doch bei anderen, vor allem nicht monetären Kriterien liegt die Schweiz teilweise weit abgeschlagen auf den hintersten Rängen: Freunde finden (34, letzter Platz), soziales Leben (33), Anpassung an die neue Kultur (29) oder Integration am Wohnort (28).

Liegt es am Beruf?

Warum dem so ist, wird in der Studie nicht explizit begründet. Es könnte einerseits am allgemein hohen Arbeitspensum, den eher reservierten Einheimischen oder aber auch an der mangelnden Integrationsbereitschaft der Expats liegen – ein Vorwurf, der immer wieder öffentlich geäussert wird. Andererseits könnten in der Schweiz weniger soziale Expats leben. Denn im Nachbarland Deutschland (12) gelingt die Integration mehr als doppelt so gut als in der Schweiz (26). Ähnlich gut angenommen fühlen sich die Expats in Irland (14) oder Russland (15). Am besten klappt es offenbar in Taiwan (1), Italien (5), Japan (6) oder Frankreich (8). Ein Indiz für die Unterschiede könnte die Berufstätigkeit sein. Während in die Schweiz vor allem ausländische Banker und Versicherungsleute kommen, sind es in Deutschland Internetspezialisten und Leute aus kreativen Branchen (Medien und Marketing). In Frankreich dominieren Berufstä- tige aus der Gastro-, Hotellerie- und Freizeitbranche.

Ebenfalls sehr unzufrieden sind die Expats mit den sehr hohen Kosten der Kinderbetreuung (Platz 36). Ausserdem könnten die Schweizer Kinder offener sein («more outgoing»). Insgesamt müssen also auch unsere Expats feststellen, dass Geld allein nicht glücklich macht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.10.2014, 23:13 Uhr

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