Experten zweifeln an Qualität der Hundekurse
Wer nach dem 1. September 2008 einen Hund gekauft hat, muss mit dem Tier bis Anfang September 2010 einen Erziehungskurs absolvieren. Dies schreibt die neue Tierschutzverordnung vor. Mittlerweile gibt es über 800 zugelassene Kursleiter.
Die zuständigen Stellen geben daher zumindest teilweise Entwarnung: Landesweit gebe es genügend Kursangebote, sagt Marcel Falk, Sprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET), auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Pro Jahr müssten rund 40'000 bis 50'000 Hunde mit einem neuen Frauchen oder Herrchen die Kurse besuchen.
«Zu wenig Wissen und Erfahrung»
Dass es genug Kursleiter gibt, findet zwar auch die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG). «Das Problem ist aber, dass auch Leute mit zu wenig Wissen und Erfahrung Kurse geben», sagt Verena Ammann. Sie ist bei der SKG für die Ausbildung verantwortlich. Hier Abhilfe zu schaffen, sei Sache des BVET. Zu Gunsten der Menge seien bei der Qualität Abstriche gemacht worden, kritisiert Ammann. «Ich bin nicht sicher, ob die Hundehalter selbst gute von schlechten Anbietern unterscheiden können oder ob manche den günstigsten Weg suchen, um an das Papier zu kommen.»
Julika Fitzi, zuständig für Hunde beim Schweizer Tierschutz (STS), ist zufrieden: «Mit den Ausbildner-Kursen ist es zügig vorangegangen.» In der Übergangszeit seien noch Kompromisse gemacht worden. Die Sorge, dass es zu wenig Kursleiter gebe oder grosse Verbände den Markt beherrschen würden, habe sich nicht bewahrheitet, sagt Fitzi. Die Konkurrenz erlaube es, schwarze Schafe zu verdrängen. Bei Hundehaltern funktioniere die Mund-zu-Mund-Propaganda gut.
Praktisches Training mit dem Kauf
Dass die Kurspflicht jemanden davon abhalten könnte, sich einen Hund anzuschaffen, schliesst Fitzi zwar nicht aus. Das Kursobligatorium - selbst für den winzigsten Hund - hält sie aber für sinnvoll. «Wenn jemand den Kurs nicht machen will, ist es wohl besser, er verzichtet auf das Tier.»
Die neue Tierschutzverordnung schreibt für alle, die sich nach dem 1. September 2008 einen Hund angeschafft haben, je mindestens vier Stunden Theorie und Praxis vor, den so genannten Sachkundenachweis.
Die Kurse müssen in einer zweijährigen Übergangszeit bis September 2010 absolviert werden. Wird der Hund nach dem 1. Januar 2010 gekauft, muss der Theoriekurs vor dem Kauf absolviert werden und das praktische Training danach, zusammen mit dem Tier. In der Schweiz leben nach Angaben des BVET etwas mehr als 400'000 Hunde. (vin/sda/)
Erstellt: 30.12.2009, 10:37 Uhr




