Schweiz

FDP-Vizepräsidentin: «Wir brauchen Pelli nicht»

Von Erika Burri und Verena Vonarburg, Bern. Aktualisiert am 12.08.2009 27 Kommentare

Die Bundesratskandidatur von FDP-Chef Pelli sorgt in der Partei für Ärger: Die Partei habe genügend gute Kandidaten. Pelli zeigt kein Verständnis für die Kritik.

«Wir brauchen Pelli nicht»: Ständerätin und FDP-Vizepräsidentin Isabelle Moret.

«Wir brauchen Pelli nicht»: Ständerätin und FDP-Vizepräsidentin Isabelle Moret. (Bild: Keystone)

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Offizieller Kandidat ist er nicht, aber seine Tessiner FDP wünscht ihn als Bundesratskandidaten der FDP. Mit dieser Ankündigung hat FDP-Chef Fulvio Pelli ausgerechnet in der eigenen Partei etliche vor den Kopf gestossen.

«Wir haben vier gute offizielle Kandidaten. Wenn die Situation bleibt, wie sie heute ist, brauchen wir Pelli nicht», sagt Isabelle Moret. Für die Nationalrätin und FDP-Vizepräsidentin war zwar immer klar, dass sich Pelli als «Ultima Ratio» zur Verfügung stellen würde – dann, wenn der FDP Gefahr droht. «Im Moment besteht aber keine Gefahr, dass wir mit unseren Kandidaten den Bundesratssitz nicht erfolgreich verteidigen können.»

Egerszegi: Pelli ist zu alt

Auch die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi ist nicht einverstanden mit dem Weg, den Pelli eingeschlagen hat. «Stellen Sie sich vor, Pelli wäre eine Frau. Dann würde man ihn als wankelmütig bezeichnen», sagt die Ständerätin. Sie ziehe es vor, wenn Leute mit offenen Karten spielen. Schliesslich wisse man, dass Pelli Bundesrat werden wolle.

Der Tessiner war 2003 bereits einmal offizieller Bundesratskandidat, als es um die Nachfolge von Kaspar Villiger ging. Er scheiterte aber bereits an der Fraktion. Nun hält ihn Egerszegi für zu alt. «Er ist 58, und er selber hat gesagt, er wolle, dass sich der Bundesrat verjünge.» Wie Moret findet auch Egerszegi, dass sich zumindest zwei der offiziellen Kandidaten gut als Bundesräte eignen: Pascal Broulis und Didier Burkhalter.

«Ich laviere nicht, meine Botschaft ist klar»

Pelli selbst hält nichts von der internen Kritik: «Ich laviere nicht, meine Botschaft ist klar. Die Fraktion ist frei, ob sie mich nominieren will oder nicht.» Dieselben Personen, «die sich nun verärgert zeigen, hätten sich sicher mehr geärgert, wenn die Tessiner Kantonalpartei nicht Stellung bezogen und formell korrekt ihren Anspruch geltend gemacht hätte». Will heissen: Wenn Pelli möglicherweise am Ende über Nacht noch als Kandidat ins Rennen gestiegen wäre. Die Tessiner hätten «dasselbe Recht wie alle anderen Kantonalparteien auch», so Pelli weiter.

Pelli sieht im Vorgehen seiner Tessiner auch keine Desavouierung der anderen offiziellen Kandidaten. «Davon kann keine Rede sein. Starke Kandidaten brauchen sich nicht zu fürchten.» Die FDP wird laut Pelli noch diese Woche klären, wie sie vorgehen will. Auch ob Pelli weiter Mitglied jener Gruppe bleibt, welche die Bundesratskandidaten evaluiert.

Die Irritationen Pelli betreffend besagen noch nichts darüber, wie die Chancen für ihn stehen, von der Fraktion nominiert zu werden.

Mit wem gegen Schwaller?

Der Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker hält das Vorgehen der Tessiner Kantonalpartei für eine «recht unglückliche Geschichte». Pelli solle klar sagen, «ob er will oder nicht». Trotzdem hält Büttiker seinen FDP-Präsidenten für eine «gute mögliche Lösung» – vor allem, wenn CVP-Fraktionschef Urs Schwaller morgen wohl seine Kandidatur bekannt gibt. Kommt Schwaller, plädiert Büttiker gar für eine Einerkandidatur der FDP. Pelli sei unter den Kandidaten derjenige, der Schwaller am besten die Stirn bieten könne, sagt auch der Waadtländer Nationalrat Claude Ruey.

Die «Schattenkandidatur» lasse sich durch die speziellen Umstände rechtfertigen: Schliesslich greife die CVP den FDP-Sitz an. Und ob Pelli oder ein anderer – Hauptsache ist für den Romand, dass jemand aus der lateinischen Schweiz Bundesrat wird. Denn: «Urs Schwaller ist bis in die Fingerspitzen ein Deutschschweizer.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2009, 15:09 Uhr

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27 Kommentare

Ernst Boller

12.08.2009, 11:00 Uhr
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Aus den reichlich gewundenen Äusserungen von Herrn Pelli entnehme ich, dass er schon gern BR werden möchte. Wenn er nicht klar sagen kann, ob ihn das Amt interessiert oder nicht, taugt er auch nicht dafür. Antworten


Urs Keller

12.08.2009, 15:05 Uhr
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Szenario „ Fusion“ ist noch interessant, nehmen wir an, die Bundesversammlung wählt Schwaller zum Bundesrat, anschliessend fusioniert die BDP mit der CVP = (BVP), dann haben die halblinken mit der BVP 3 Bundesräte in der Regierung. Ist das Darbellay’s Traum oder seine geheime Strategie. Richtigerweise, das geben sogar die meisten CVP Anhänger zu, hat die CVP gemäss Wähleranteil nur ein Anrecht auf einen BR Antworten



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