Facebook-Sperre ist eine Farce

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 23.09.2009

Seit einer Woche hat die Bundesbehörde Facebook für Tausende von Bundesangestellten gesperrt. Doch viel taugt die Sperre nicht: Ein Trick macht die Runde, wie man sie mit gerade mal drei Mausklicks umgehen kann.

Mit wenigen Klicks: Bundesangestellte sind eins, zwei wieder auf der gesperrten Facebook-Seite.

Mit wenigen Klicks: Bundesangestellte sind eins, zwei wieder auf der gesperrten Facebook-Seite.
Bild: Keystone

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«Bald lachen wir darüber»

Dem Facebook-Verbot nichts abgewinnen kann Hans Müller, Generalsekretär des Personalverbandes des Bundes: «Damit erreicht man nichts.» Facebook sei nicht mehr als eine weitere neue Form der gesellschaftlichen Kommunikation, an die sich einige ältere Herren beim Bund halt zuerst noch gewöhnen müssten. Als er 1993 im eidgenössischen Personalamt gearbeitet habe, sei dort plötzlich der Internetzugriff verboten worden. Nur wenig später habe man über dieses Verbot nur noch gelacht. So werde es auch mit dem Facebook gehen, so Müller. Er wisse, dass Facebook die Informatik des Bundes gar nicht so stark belaste, wie oft behauptet werde. Lediglich 3 Prozent der beim Bund insgesamt heruntergeladenen Datenmenge stamme von Facebook. Damit liegt Müller nicht weit neben der Schätzung von Claudio Frigerio, Sprecher des Bundesamtes für Informatik. Die von Facebook heruntergeladene Datenmenge habe allerhöchstens 5 Prozent der gesamten heruntergeladenen Datenmenge entsprochen. In den Medien sei zum Teil von 25 Prozent die Rede gewesen. Das sei falsch. Die 25 Prozent hätten sich lediglich auf die 200 meistbesuchten Sites bezogen.

Dennoch bezeichnet Bundespräsident Hans-Rudolf Merz die Menge der heruntergeladenen Daten gestern als Hauptgrund für die Facebook-Sperre. Dass sich das Bundespersonal durch Facebook übermässig ablenken liess, glaubt er nicht: Er gehe davon aus, dass die durch das Verbot zurückgewonnene Arbeitszeit vernachlässigbar klein sei, sagte er in der Fragestunde des Nationalrates.

Theoretisch können Tausende von Bundesangestellten seit einer Woche die beliebte Internet-Plattform Facebook am Arbeitsplatz nicht mehr besuchen. Der Bund hat das soziale Netzwerk gesperrt, weil bekannt wurde, dass die Angestellten täglich Unmengen von Daten von dieser Plattform herunterladen.

Viel taugt die Sperre allerdings nicht, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben. Bundesangestellte haben bereits herausgefunden, wie man sie mit minimalem Aufwand umgehen kann: Es gibt spezielle Websites zum Umgehen der Sperre. Man öffne eine solche Seite im Internetbrowser, tippe die Adresse von Facebook in einem dafür vorgesehenen Feld ein, bestätige mit «ok» – und schon ist man trotz Verriegelung wieder bei den Freunden auf Facebook. Ein Beispiel für eine solche Entsperrseite ist www.ktunnel.com.

Die Informatiker des Bundes könnten diese Umgehungsseite zwar auch einfach sperren. Das Problem ist, dass es Tausende solcher Umgehungsseiten gibt – und täglich werden neue aufgeschaltet. Im Internet gibt es sogar Listen, auf welchen stets die aktuellsten Umgehungsseiten aufgeführt werden. Eine solche ist auf der Website proxy.org aufgeschaltet.

Warnung fruchtete nicht

«Wir kennen die Problematik», sagt Claudio Frigerio, Sprecher des Bundesamtes für Informatik (BIT). Ihm bleibt nicht viel anderes übrig, als zu warnen: «Wer trotz Sperre während der Arbeit auf Facebook geht, verletzt seine Dienstpflicht.» Werde jemand erwischt, müsse er entsprechende Konsequenzen tragen: Sanktionen bis hin zu einer fristlosen Entlassung.

Wenn die Bundesangestellten die Warnung ebenso ernst nehmen wie den Appell vor zwei Monaten, wird die Sperre längerfristig wenig nützen. Als im Mai nämlich bekannt wurde, dass Facebook von den Bundesangestellten übermässig genutzt wird, hatten die Generalsekretäre der Departemente an die Vernunft der Bundesangestellten appelliert.

Bei Zugriffen auf Facebook sei Mass zu halten, weil die Datenmengen, die heruntergeladen werden, das EDV-Netz des Bundes belasteten. Genützt hat der Appell nichts: Gemäss Recherchen wurden nach dem Aufruf gar noch mehr Megabits von Facebook auf die Computer des Bundes heruntergeladen. BIT-Sprecher Frigerio bestätigt dies.

Post: Sperre wirksamer

Nicht nur der Bund, sondern auch die Post und die UBS haben Facebook für ihre Angestellten gesperrt. Die Post scheint ihre Sperre besser im Griff zu haben. Gemäss Angaben an diese Zeitung gelangen Postangestellte über die Umgehungsseite ktunnel.com nicht auf Facebook. Netzwerkspezialisten sagen aber: Auch bei der Post gelange man auf Facebook, man müsse nur eine neuere Umgehungsseite wählen.

Post-Sprecher Mariano Masserini bestätigt, dass auch die Facebook-Hürde der Post überwindbar ist: Es gebe immer noch vereinzelt Angestellte, welche sie umgehen. Masserini: «Grundsätzlich haben wir nichts gegen die Internetnutzung. Wichtig ist für uns einfach, dass die private Nutzung das Geschäft der Post zu keiner Zeit gefährdet.» Er beteuert: «Wir haben festgestellt, dass die Facebook-Sperre im Allgemeinen sehr wirksam ist.» Die Frage ist, wie lange. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.09.2009, 10:27 Uhr

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