Schweiz
Fahrplanwechsel: Nur der Cisalpino macht Ärger
Aktualisiert am 14.12.2008 22 Kommentare
Toni Häne, Leiter des SBB- Verkehrsmanagements.
Artikel zum Thema
«Der Zugverkehr nach dem neuen Fahrplan ist um drei Uhr morgens planmässig gestartet», stellte Toni Häne, der Leiter des SBB- Verkehrsmanagements in Bern fest.
Probleme gab es nur mit den Cisalpino-Zügen. Bei einem Cisalpino aus Italien versagte laut Häne die Neigefunktion. Die SBB setzte ab Brig einen Ersatzzug ein. Ein anderer, ebenfalls verspäteter Cisalpino sollte auf der Linie Mailand-Zürich in Arth-Goldau gewendet werden. Ein weiterer Cisalpino fiel ganz aus.
Zusatzleistung gemeistert
Mit dem Fahrplanwechsel erweitert die SBB ihr Angebot um 5,5 Prozent Zugskilometer. Zwischen Bern und Zürich sowie Lausanne und Genf setzt sie zusätzliche Züge ein. Basel und Zürich sind neu durchgehend im Halbstundentakt verbunden.
Wegen der verspäteten Lieferung der neuen Cisalpino-Züge ETR 610 gilt aber für die Strecke Zürich-Mailand noch ein Übergangsfahrplan. Bei drei der täglich sieben Verbindungen müssen die Passagiere in Lugano umsteigen.
Andreas Meyer zeigte sich gegenüber seinen Mitarbeitern zufrieden mit dem Fahrplanwechsel. Alles habe gut funktioniert -mit Ausnahme des Cisalpino, trotz aller Bemühungen entspreche das aber leider noch der Normalität. Den Prüfstein erwartet die SBB jedoch erst am Montag. Dann setzt der Pendler- und Güterverkehr wieder ein.
Pünktlich wie die Bahn
Auf die Sekunde genau zum vereinbarten Zeitpunkt begrüsste Häne auch Vertreter aus den Regionen zur Sitzung. Sie schalteten sich per Telefonkonferenz nach Bern und berichteten, wie der Wechsel in den verschiedenen Teilen der Schweiz ablief. Cisalpino meldete sich als einzige Stelle nicht direkt in Bern.
Da und dort war es zu kleineren Problemen gekommen: In einzelnen Zügen stimmten die Ansagen noch nicht, die Gleisbelegung im Bahnhof Bern sei «am Anschlag» und im Regionalverkehr sorgten Störungen für Verspätungen. In Lugano informierten die Mitarbeiter von Cisalpino gut über die Probleme mit den Zügen, meldet der Tessiner Vertreter.
In der Westschweiz erschien ein Lokführer nicht zur Arbeit: Ein Regionalzug fiel deshalb aus. Das Zugpersonal sei knapp, sagte Häne dazu. In der Winterjahreszeit seien auch die Lokführer und das Begleitpersonal nicht vor der Grippe gefeit. Auch beim Rollmaterial gibt es laut Häne knappe Ressourcen. 80 Züge umgestellt
Zufrieden zeigte sich der Verantwortliche für den Einsatz der Züge. In den zwei Wochen vor dem Fahrplanwechsel hatte die SBB rund 80 Zugskompositionen verändern müssen - vor allem die neu am Gotthard eingesetzten ICN-Züge mussten dorthin gebracht werden. Jeder Zug verkehrt in der richtigen Komposition.
Ob der Fahrplan einwandfrei funktioniert, zeigt sich erst Mitte Januar. Dann wird jede neue Einsatztour der Züge durchlaufen sein. In den nächsten Tagen will die SBB genau beobachten, wie die Fahrgäste die neuen Abfahrtszeiten nutzen. Entsprechend wollen sie- soweit möglich - die Züge verlängern oder verkürzen. (bru/sda/)
Erstellt: 14.12.2008, 13:44 Uhr
WRITE A COMMENT
22 Kommentare
Der Cisalpino ist ein Italienisches Produkt mit Schweizer Pflichtenheft, das konnte nur schief gehen, nun müssen wir damit leben und weiterhin im ersten Wagen das Klopapier mitlaufen lassen, im zweiten unsere Bedürfnisse verrichten und im dritten die Hände waschen. Wem es nicht passt; Swiss hat täglich vier Flüge zwischen Zürich und Lugano und sogar deren fünf nach Milano. Antworten
Die Cisalpino AG ist eine Tochtergesellschaft der Trenitalia SpA und der SBB AG. Die Anteile werden zu gleichen Teilen gehalten. Cisalpino betreibt sämtliche internationalen Zug-Verbindungen zwischen Italien und der Schweiz. Auf dem Streckennetz mit 76 Destinationen werden jährlich 6,4 Mio. km zurückgelegt. Dabei werden pro Jahr 12 Millionen Passagiere transportiert. Der Hauptsitz von Cisalpino Antworten
Man stellt sich unter dem Cisalpino den eleganten Pendolino vor, doch meistens sind es aus alten SBB-Wagen zusammengestellte Geisterkompositionen, wie gestern Abend. Mindestens 30 Minuten Verspätung, keine Anschlüsse, doch freundliches Personal. Bis zur Eröffnung des Basistunnels bleibt die Nord-Südachse ein Stiefkind der SBB. Tessiner Parlamentarier/innen ziehen in Limousinen dem Zügli vorbei. Antworten
Cisalpino ist ein gemeinsames Tochterunternehmen der SBB und der Trenitalia. Daher ist auch naheliegend, das italienische Züge zum Einsatz kommen (auch die Nachfolger ETR 610 kommen aus Italien). Beim TGV Lyria (Unternehmung der SBB und SNCF) werden ja auch französische TGV und keine deutschen ICE oder japanische Shinkansen eingesetzt. Hier spielen auch politische Interessen mit. Antworten
@Meier: Die Cisalpino werden von Alstom hergestellt und somit aus Frankreich. Diese Firma stellt auch TGV her. Bei Fragen wenden Sie sich an Unternehmensleitung Patrick Kron. Ich freue mich auf dem FS ETR610.Durch die Einführung der Pendolino-Züge konnte etwa die Reisezeit zwischen Zürich und Mailand um nahezu eine Stunde verringert werden (32 Minuten durch schnellere Kurvenfahrt)! Antworten
Hat schon jemand die Frage aufgeworfen, wieso die SBB nach jahrelangen Problemen nochmals neue Schrottzüge in Italien bestellt hat und nun nicht termingerecht erhält? Muss der Lieferant für die Verzögerung bezahlen? Ist bei der Bestellvergabe alles mit rechten Dingen zugegangen? Dass sich jemand bereichert haben könnte, ist ja in der Schweiz wahrscheinlich gar nicht möglich.Wir sind doch besser! Antworten
Cisalpino macht Probleme! Wundert mich das noch? Der Gotthard (wie auch Lötschberg) sind nun mal Bahntechnisch gesehen "Paradestrecken" nicht in Hinsicht auf Geschwindigkeit, nein sondern auf Zuverlässigkeit und Höchstbeanspruchung der Fahrzeuge. Hat ein reiner Triebwagenzug überhaupt was am Gotthard zu suchen?? Ich denke nein. Bei der NEAT sollte dies dann eher möglich sein! Antworten
Und was hat der Cisalpino mit dem Fahrplanwechsel zu tun???? Das dieser Zug nicht wirklich ideal unterwegs ist wissen wir alle, und dass die italienische Küche auch besseres zu bieten hat auch, aber nochmals, was hat der Cisalpino mit dem Fahrplanwechsel zu tun???? Antworten
Die Cisalpinos, d.h. deren chronischen Defekte und Ausfälle waren der Grund weshalb wir nun mit dem Auto nach Italien fahren! Ein kompletter Unsinn. Doch mit dem Auto haben wir die Hälfte der Reisezeit und keinen Ärger. Wieso wird in Zeiten von Klimadiskussionen solch ein Schrott produziert? Kann sich da die Schweiz nicht zurückziehen? Ohne die absurd unpraktischen Neigezüge war die Reise schöner. Antworten
Der Cisalpino ist doch mittlerweile ein Kulturbestandteil! Er dient der Entschleunigung des hektischen Alltagslebens und verbreitet ungeahnte Dosen von Italianita! Man muss sich bald schon wundern, dass er nicht mit einem speziellen Zuschlag bedacht wird (Heilverzögerungszuschlag? Oder umgangssprachlicher: Bremsprämie?) Antworten
... wiese schmeisst die SBB dieses widerlich untaugliche Produkt aus italienischer Kueche wie den Cisalpino nicht aus dem Fahrplan ... dieses Italo-Produkt sorgt seit Jahren nur fuer Probleme ... ist die SBB so blind oder sind ihnen nur die Haende gebunden ??? Antworten



Samuel Meyer
Die Wehklagen der SBB nerven und sind selbstverschuldet. Bei der Beschaffung wäre Mehrsystemvariante des bewährten ICN eine Option gewesen. Die SBB hat sich für den unerprobten Cisalpino entschieden und dabei den Untergang der Rollmaterialproduktion in Pratteln in Kauf genommen. Zu jenem Zeitpunkt waren die qualitativen Probleme mit dem Vorgängermodell schon hinlänglich bekannt. Antworten