Familiengericht soll über Trennungen entscheiden

Gehen Eltern getrennte Wege, sollen geschulte Richter über die Zukunft der Familie entscheiden. Dafür setzen sich Väterverbände ein – notfalls per Volksinitiative.

Zeit mit dem eigenen Kind verbringen: Das wollen Väter meist auch nach einer Trennung von der Mutter. (Symbolbild)

Zeit mit dem eigenen Kind verbringen: Das wollen Väter meist auch nach einer Trennung von der Mutter. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Väter- und Elternorganisationen aller Landesteile fordern, dass ein neues Gericht über Trennungen entscheidet. Sie treiben deshalb die Einführung eines sogenannten Familiengerichts voran, berichtet die «Schweiz am Sonntag». In den nächsten Wochen und Monaten will eine Taskforce das Familiengericht in die öffentliche Debatte einbringen – über die Medien oder mithilfe von Parlamentariern.

Erste Gespräche wurden bereits geführt. «Wir überlegen uns verschiedene Varianten», sagt Oliver Hunziker, Präsident des Dachverbands für gemeinsame Elternschaft, «auch eine Volksinitiative ist denkbar.» Dabei kämen nur Richter zum Einsatz, die speziell auf Familienrecht, Mediation und Psychologie geschult sind. «Es ist etwas komplett anderes, wenn ein Richter über einen Diebstahl oder einen Grundstückstreit entscheidet als über die Zukunft einer Familie», sagt Hunziker. «Der Beschluss ist viel emotionaler und einschneidender für Eltern und Kinder.»

Vorbild aus Deutschland

Neben einem eigens geschulten Richter würden am neuen Gericht alle Parteien unter einem Dach vereint: Richter, Anwälte, Sozialarbeiter, Psychologen und forensische Gutachter. «Dann ist auch die Zuständigkeit geklärt», sagt Hunziker. Statt bei verschiedenen Ämtern, die parallel an einem Fall arbeiten, läge die Entscheidungsgewalt beim Familiengericht.

Das Vorbild stammt aus dem deutschen Cochem, einem 5000-Seelen-Dorf in Rheinland-Pfalz. Ein Familienrichter initiierte das Modell bereits 1992. Seither findet es weltweit Nachahmer. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zielt in erster Linie darauf, einen langwierigen Sorge- und Umgangsrechtsstreit zu verhindern. «Wenn alle Parteien gemeinsam nach einer Einigung suchen – ohne Beschuldigungen – findet man in der Regel bessere Lösungen», sagt Hunziker. Davon würden besonders die Kinder profitieren.

Eine Vorstufe des Familiengerichts gibt es bereits im Kanton Aargau. Dort arbeiten Juristen ebenfalls mit Psychologen und Sozialarbeitern zusammen. Die Entscheidungsgewalt geht aber weniger weit als im deutschen Modell. Unterstützt wird Hunziker unter anderem vom Verein für elterliche Verantwortung oder der Selbsthilfeorganisation «Mannschafft». (mlr)

(Erstellt: 13.03.2016, 09:56 Uhr)

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