Schweiz

Fisch aus Vietnam, Kräuter aus Afrika

Aktualisiert am 04.01.2011 29 Kommentare

Die Schweizer Bauern haben heute auf einem speziell gelegenen Hof davor gewarnt, dass die Schweiz sich nicht mehr selber mit Nahrungsmitteln versorgen könnte.

Warnte insbesondere vor Abkommen mit der WTO und der EU: Hansjörg Walter.

Warnte insbesondere vor Abkommen mit der WTO und der EU: Hansjörg Walter.
Bild: Keystone

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) will sich dafür einsetzen, dass auch in Zukunft mehr als die Hälfte der Lebensmittel aus einheimischer Produktion stammt. Für den SBV ist das auch ein Gebot der Fairness gegenüber ärmeren Ländern.

Die Schweiz verfüge seit Jahren über einen recht stabilen Versorgungsgrad von rund 60 Prozent, sagte SBV-Präsident Hansjörg Walter am Dienstag an der Neujahrs-Medienkonferenz in Bern. Das sei in erster Linie agrarpolitischen Massnahmen wie den Direktzahlungen und dem Grenzschutz zu verdanken.

Zehn Fussballfelder pro Tag

Doch die Ernährungssouveränität gerate zusehends unter Druck. Der Boden werde knapp, wenn jeden Tag Kulturland in der Grösse von zehn Fussballfeldern verloren gehe. Auch der Produktionsfaktor Wasser sei nicht beliebig verfügbar. Treibstoff, Pflanzenschutzmittel und Dünger müssten schon heute vorwiegend importiert werden.

Dass das Essen in der Schweiz knapp werden könnte, glaubt der Bauernverband zwar nicht. Dank ihrer hohen Kaufkraft könne die Schweiz das inländische Angebot nach Belieben mit Importen ergänzen. Doch so verliere sie ihre Unabhängigkeit und verhalte sich unsolidarisch gegenüber ärmeren Ländern.

Zwar sprachen sich die eidgenössischen Räte letztes Jahr dafür aus, den Selbstversorgungsgrad von mindestens 60 Prozent zu schützen. Sie überwiesen zwei entsprechende Vorstösse. Doch die Politik muss nun nach Ansicht des SBV beweisen, dass dies nicht bloss ein Lippenbekenntnis war.

Der Bauernverband warnt insbesondere vor Abkommen mit der WTO und der EU. Die Schweizer Landwirtschaft müsste sich dann auf wenige, strategisch günstige Erzeugnisse wie Milch und Käse beschränken. Die Grundversorgung würde hauptsächlich mit ausländischen Produkten abgedeckt.

Kritik an Zickzackpolitik

Die Schweiz müsse einen bewussten Entscheid zugunsten ihrer Unabhängigkeit fällen, betonte SBV-Direktor Jacques Bourgeois. Die heutige Zickzackpolitik des Bundes sei wenig hilfreich. Sie strebe einerseits eine internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Bauern an und lege anderseits immer mehr Einschränkungen fest.

Gefragt seien vielmehr politische Anstrengungen zum Schutz der fruchtbaren Böden und der knappen Ressource Wasser. Zudem müsse etwa bei den Futtermitteln die Abhängigkeit vom Ausland abnehmen.

Wachsender Siedlungsdruck

Für seine Neujahrs-Medienkonferenz wählte der SBV dieses Jahr den Bauernhof der Familie Zehnder bei Brünnen im Westen der Stadt Bern. Hier sei der Siedlungsdruck deutlich spürbar, sagte Verbandspräsident Walter.

Der 1869 weitab der Stadt erstellte Hof wurde nach und nach von der Autobahn, der Eisenbahn, dem Coop-Verteilzentrum, der Toblerone- Fabrik und nun dem Einkaufszentrum Westside bedrängt. Dort können die Konsumenten heute jederzeit Himbeeren aus aller Welt kaufen, Fisch aus Vietnam, Früchte aus Neuseeland und Kräuter aus Afrika, wie SBV-Präsident Walter sagte.

Doch all diese Produkte seien mit Unsicherheit verbunden, denn der Konsument wisse nicht, wie sie entstanden seien. Auch deshalb lohne sich der Einsatz des Bauernverbandes für die Ernährungssouvernität der Schweiz. (sam/sda)

Erstellt: 04.01.2011, 13:26 Uhr

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29 Kommentare

René Müller

04.01.2011, 18:54 Uhr
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@Manfred Grieshaber. Danke, danke, danke.Erlebe genau das in Benin,Togo,Ghana. An die Bauern:Wieviele Metgereien, Spezereien, Bäckereien, Restaurants, Haushaltgeschäfte usw. sind in den letzten 10 Jahren eingegangen? Wer hat da geschrien? Nur durch die längst fällige Güterzusammenlegungen seit ihr Lebensfähig. Unter 40 Hektaren sollte kein Flachlandbetrieb mehr subventioniert werden. Antworten


felix keller

04.01.2011, 13:55 Uhr
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Weshalb muss ein Land autark sein? Eine Stadt oder ein Dorf kann sich auch nicht selbst versorgen. Das kann nur (oder fast) ein Bauernhof. Was für die Lebensmittel gilt, kann man im übrigen auch auf die Energieversorgung anwenden . Antworten



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