Flugzeugentführer spricht über geheimen Deal

Bassam Abu Sharif gehörte zu den Flugzeugentführern von 1970, die ein Geheimabkommen zwischen der Schweiz und der PLO erzwangen.

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Die Entführung einer Swissair-Maschine sorgte 1970 für geheime Verhandlungen zwischen dem Bundesrat und der PLO. Einer der Drahtzieher des damaligen Terroraktes sprach in Jericho im Westjordanland mit einem Korrespondenten der «NZZ».

Der 69-jährige Bassam Abu Sharif gehörte damals zur Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Er sei vor Ort der wichtigste Mann gewesen, sagt er. Auf dem Flugfeld in Zerqa, in der jordanischen Wüste, zog er die Fäden. Entführer hatten die Piloten von drei westlichen Flugzeugen gezwungen, dort zu landen.

«Wir haben ihn respektiert»

Den PLO-Mann Farouk Kaddoumi, der mit dem damaligen Bundesrat Pierre Graber verhandelte, kennt Sharif persönlich. Er betont, die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) habe der Volksfront keine Befehle erteilt. Drei Wochen lang verhandelte der Bundesrat mit den Entführern, bis die Geiseln freikamen. Allerdings sprach Kaddoumi, der in Genf mit Graber konferierte, nur mit Arafat. Dieser habe dann mit Sharif gesprochen.

Pierre Graber sei ein ehrlicher und mutiger Mann gewesen. Er habe für das Wohl seiner Bürger gesorgt. «Wir haben ihn dafür respektiert», so Sharif zum «NZZ»-Korrespondenten. Aus Sicht der Volksfront habe sich die Schweiz an der «grossen Verschwörung» gegen die Palästinenser beteiligt und «an den Verbrechen teilgenommen». Fragen über den von einer Bombe verursachten Flugzeugabsturz im Februar 1970 in Würenlingen – also vor dem Abkommen – wich er in dem Gespräch aus.

Die Volksfront hatte 1970 drei Flugzeuge nach Zerqa in die jordanischen Wüste entführt – darunter eine Swissair-Maschine, die von Zürich nach New York unterwegs war, eine britische BOAC und eine amerikanische TWA. Die terroristische Organisation erzwang damit unter anderem die Freilassung von drei in der Schweiz verurteilten Palästinensern. (ij)

(Erstellt: 23.01.2016, 12:36 Uhr)

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