Frau Bundesrat

Muriel Zeender Berset ist dreifache Mutter und eine ehrgeizige Wissenschaftlerin. Was Freunde über sie erzählen.

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Gestern stand sie plötzlich im Scheinwerferlicht: Muriel Zeender Berset, mit dunkelblauem Mantel, schwarzen Stiefeln und bordeauxrotem Halstuch. Kein Zweifel, Muriel Zeender ist nach Babette Deiss (mit dem Tattoo), der selbstbewussten Roswitha Merz und neben der adretten Friedrun Burkhalter ein neues Highlight in der schweizerischen VIP-Szene.

Viel ist nicht bekannt über die Freiburgerin, die mit 39 die bisher jüngste Bundesratsgattin in der Schweiz ist. Bei den Bundesratsgatten hält Lukas Metzler, 34-jährig bei der Wahl im Jahr 1999, den Jugendrekord. Der jüngste Bundesrat der Schweiz, Numa Droz (1875 gewählt im Alter von 31 Jahren), war nicht verheiratet.

«Kommunikativ und enthusiastisch»

Wer ist sie, die smart lächelnde Muriel Zeender, die seit Mittwochmittag mit «Frau Bundesrat» angesprochen, aber lieber Muriel genannt wird? Sie hat nicht nur drei Kinder, sondern auch einen Lehrauftrag an der Universität Lausanne, wo sie ein Semester lang während zweier Lektionen pro Woche Daniele Maggetti vertritt. Maggetti kennt Zeender seit deren Studienzeit an der Neuenburger Universität, und auch bei Literaturprojekten haben sie sich immer wieder getroffen. «Sie ist sehr kommunikativ und enthusiastisch», sagt Maggetti, «und sehr engagiert für die Literatur.»

Zeender hat kürzlich ein Buch publiziert, «Ecrire entre les langues», welches das Kernthema ihrer wissenschaftlichen Arbeit betrifft: die Mehrsprachigkeit in der französischsprachigen Literatur der Schweiz, insbesondere das literarische Schreiben in einer anderen als der ursprünglich gelernten Muttersprache. Das Buch ist eine Neuauflage ihrer Dissertation von 2007. Daneben hat sie beim Nationalfonds-Projekt mit dem komplizierten Namen «Hybridisierungs- und Universalisierungstendenzen in der deutsch- und französischsprachigen Literatur der Schweiz» mitgearbeitet.

«Typisches Nach-68er-Paar»

Als hochqualifizierte und ambitionierte Literaturwissenschaftlerin bezeichnet Daniel Rothenbühler, Germanist und Literaturkritiker aus Köniz, seine Kollegin Muriel Zeender. Er kennt sie von Projekten wie dem Einsitz in der Programmkommission der Solothurner Literaturtage. Charakterlich beschreibt er sie als «erfrischend offen, unkompliziert und zugänglich»; im Beruf sei sie beharrlich, auf die wissenschaftliche Tätigkeit habe sie immer sehr viel Wert gelegt. «Alain und Muriel sind das typische Paar der jüngeren Nach-68er-Generation: mit partnerschaftlicher Arbeitsteilung im Haus und im Beruf.» Bei Besuchen im Hause Berset im freiburgischen Belfaux habe er gestaunt, sagt Rothenbühler, wie selbstverständlich sich Alain Berset um die Kinder und den Haushalt gekümmert habe, während er mit Muriel Zeender eine Besprechung hatte.

Künftig wird das nicht mehr so einfach sein, selbstverständlich schon gar nicht. Zeenders Engagement an der Uni Lausanne läuft zwar Ende Januar aus, daneben unterrichtet sie Französisch an einer deutschsprachigen Schule. Sie hoffe, ihr Mann werde weiterhin einen festen Platz pro Woche für die Familie reservieren, sagte Zeender gestern hoffnungsvoll im Schweizer Fernsehen. Und sie fügte hinzu: «Ich weiss, oder auch nicht, wie belastend so ein Bundesratsamt ist.» Immerhin ist Belfaux nur 45 Auto- oder 34 Zugminuten von Bern entfernt. Bundesrat Alain Berset wird also, sofern er nicht gerade als Aussenminister im Ausland weilt, als einer der wenigen Bundesräte daheim übernachten können. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.12.2011, 13:37 Uhr)

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