Frauen kämpfen für die Waffen im Schrank
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 24.04.2009 15 Kommentare
Dora Andres (Bild: Keystone)
Die Schützen rüsten zur Abwehrschlacht. 1,5 Millionen Franken will der Schweizer Schiesssportverband (SSV) aufwenden, um die Initiative «Schutz vor Waffengewalt» zu bekämpfen. Abgestimmt wird voraussichtlich im Frühjahr 2011. Das Begehren will Armeewaffen aus dem Haushalt verbannen und ein zentrales Waffenregister einführen. Der SSV füllt seine Kriegskasse mit einem sogenannten Schützenbatzen: Während dreier Jahren zahlen die 75'000 lizenzierten SSV-Schützen jeweils fünf Franken ein. Und die Waffenlobby fordert dazu auf, Kriminalstatistiken und Studien zum Waffenmissbrauch öffentlich infrage zu stellen, da diese meist falsch seien. «Das Volk soll entwaffnet werden – es geht um die Wurst», ruft Pro Tell seine Mitglieder zum Kampf auf.
«Mich fasziniert der Schiesssport»
An vorderster Front kämpfen zwei erfahrene Politikerinnen für die Waffe im Schrank. Erstens die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer. Sie amtet noch bis am Samstag als SSV-Präsidentin. Die 2006 an die Verbandsspitze gewählte SVP-Frau tritt aber vor Ablauf ihrer Amtsperiode zurück. Der Grund: Die konservative Basis verwarf Fuhrers Reformideen für mehr Professionalität in der Verbandsspitze und im Wettkampfbereich.
Und zweitens die frühere Berner Regierungsrätin Dora Andres. Die ehemalige Polizei- und Militärdirektorin möchte Fuhrers Nachfolgerin werden und tritt gegen den Urner Sicherheitsdirektor Josef Dittli (FDP) an. Dora Andres, die einst als erste Frau ihrer Region den Jungschützenkurs besucht hatte, ist begeisterte Schützin: «Mich fasziniert der Schiesssport.» Die Wahlchancen der Freisinnigen sind intakt, da sie den starken Berner Kantonalverband im Rücken hat und eine für das SSV-Präsidium unerlässliche Bedingung erfüllt: Andres tritt wie Fuhrer als entschiedene Gegnerin der Initiative gegen Waffengewalt auf.
«Dafür bin ich nicht zuständig»
Die Zürcher Regierungsrätin hatte im März der «Südostschweiz am Sonntag» erklärt: «Ich habe Bedenken, wenn die Armee unseren Soldaten die Waffe nicht mehr nach Haus gibt.» Auf die Frage, ob sie im Ernst noch eine militärische Notwendigkeit für die Waffe im Schrank sehe, sagte Fuhrer: «Das kann ich in meiner Funktion nicht beurteilen.» Ähnlich argumentiert Andres: «Wenn wir dem Soldaten die Waffe wegnehmen, ist das ein erster Schritt zur Entmündigung des Bürgers.» Weshalb aber die Waffe zu Hause gelagert werden müsse, kann auch sie nicht sagen: «Dafür bin ich nicht zuständig. Da bin ich keine Spezialistin.»
Neben Fuhrer und Andres kämpfen bemerkenswert viele Politikerinnen dafür, dass die Männer ihre Dienstwaffen weiterhin zu Hause aufbewahren müssen. Und greifen dabei zu ebenso bemerkenswerten Argumenten. So sagte die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger in der Märzsession, auch sie wolle Waffengewalt verhindern. Das gelinge aber «nicht durch das Wegsperren von Waffen, sondern durch das Vermitteln von Werten. Wenn wir wirklich etwas tun wollen, müssen wir in unserer Gesellschaft den Sinn des Lebens wieder ins Zentrum stellen.»
Auch Corina Eichenberger (FDP, AG) tendierte zum Philosophischen: «Die Lagerung der Waffen im Zeughaus ist keine nachhaltige und grundlegende Lösung des Problems der Gewaltanwendung und der Gewaltexzesse in unserer Gesellschaft.» Knapper hielt sich Ursula Haller (BDP, BE), die sagte, sie habe schlicht «Mühe mit der generellen Forderung, dass die Waffe ins Zeughaus gehöre».
Kämpferische Militärdirektorinnen
In den Kantonen ziehen derweil die Militärdirektorinnen gegen die Initiative ins Feld. Ein Ja hätte für die Schützen schwerwiegende Folgen, warnte Karin Keller-Sutter (FDP) die St. Galler Schützen. Und Barbara Janom Steiner (BDP) sagte vor Bündner Schützen, «ein Verbot der Heimabgabe der Dienstwaffe stellt das Milizsystem der Schweizer Armee in Frage».
Wenig erfreut über diese prominenten weiblichen Gegenstimmen sind die Initiantinnen – betonen sie doch stets, die Heimabgabe der Waffe stelle besonders für Frauen eine Gefahr dar. «Es gibt weder ein logisches noch ein plausibles Argument für die Waffe im Schrank», sagt Anita Fetz (SP, BS). Dass sich nun auch Frauen für die Heimabgabe aussprechen, beunruhigt sie aber nicht sonderlich. «Noch nie haben mich so viel Frauen unterstützt wie bei dieser Initiative», sagt Fetz. Daran änderten auch jene Frauen nichts, die nun von den Gegnern «bewusst in Stellung gebracht werden». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.04.2009, 22:06 Uhr
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15 Kommentare
Beschränkte Leute findet man überall aber besonders gehäuft kommen sie in konservativen Kreisen vor – den Beweis sehen wir in diesem Artikel: Da wird soviel Aufwand betrieben um etwas zu Verteidigen das schon seit Jahrzehnten völlig sinnlos ist. Lächerlich auch der Satz über die "Entmündigung des Bürgers" – ganz so als gäbe es in konservativen Kreisen das Wort "Demokratie" gar nicht. Antworten
Armeewaffen haben in Privatwohnungen nichts zu suchen. Als das Prinzip eingeführt wurde, waren es andere Waffen und andere Verhältnisse - z.B. dauerte es viel länger, bis die Milizsoldaten informiert und transportiert wurden. Handgranaten werden doch auch nicht zu Hause aufbewahrt. Auch die sogenannten Sportschützen müssen ihre Waffen abgeben, da ein Missbrauch nie ausgeschlossen werden kann. Antworten
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