Frauenmehrheit auf dünner Basis – kommt das gut?
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 14.07.2010 29 Kommentare
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Frauenquoten in europäischen Regierungen (in Prozent)
Finnland 55
Spanien 50
Island 50
Schweden 45
Schweiz 43
Dänemark 42
Österreich 36
Frankreich 33
Deutschland 31
Italien 22
Irland 20
Portugal 13
Griechenland 11
Quelle: EU-Kommission, Stand Herbst 2009
Quasi auf der Überholspur erobern die Frauen den Bundesrat. Mussten sie mit der Abwahl von Elisabeth Kopp 1989 sogar nochmals einen Rückschlag hinnehmen – vier Jahre ohne Frau im Bundesrat – ging es danach rasch aufwärts. Jetzt winkt bald eine Fünfervertretung. Fünf von sieben Regierungssitzen, das ist eine Quote von über 70 Prozent und wäre damit Europarekord. Am nächsten kommen Finnland (11 von 20 – 55 Prozent), Spanien (9 von 18) und Island (6 von 12).
Eine Frauenvertretung von 70 Prozent in der Exekutive und das mit einer entsprechenden Vertretung von rund 30 Prozent im Nationalrat respektive 20 Prozent im Ständerat sowie vorwiegend Minderheiten in den Kantonsregierungen. Ist das nicht eine zu dünne Basis, ein zu kleiner Pool für die Auswahl der Kandidatinnen? Oder gibt es auch in der Politik den Uruguay-Effekt – starke Leute bei vergleichsweise kleiner Auswahl? Das relativ kleine Land hatte sich an der Fussball-WM an die Weltspitze gespielt.
Die relativ gesehen dünne Basis bei den Frauen ist derzeit kein Problem, meint Politologe Michael Hermann. «Früher war das allerdings anders, denn die Wahlen von Frau Kopp oder auch von Frau Metzler hatten sich ja nicht direkt aufgedrängt», so Hermann. Im Gegensatz dazu könne man ja von den Frauen, die jetzt im Gespräch sind, behaupten, dass sie es definitiv ihres Leistungsausweises wegen sind. Dass aber die kleinere Vertretung der Frauen in den Parlamenten und in den Kantonsregierungen für künftige Bundesratswahlen wieder zum Problem werden könnte, will Hermann nicht ausschliessen: Dann nämlich, wenn man unbedingt Frauen will, aber keine geeigneten hat.
Eine «einmalige Phase»
Kathy Riklin freut sich grundsätzlich auf die absehbare Frauenmehrheit im Bundesrat, ist aber gleichzeitig skeptisch. «Gewisse Männer, die eine Frauenmehrheit im Bundesrat vordergründig goutieren, werden dann hintenrum wieder auf die Bundesrätinnen losgehen», befürchtet die Zürcher CVP-Nationalrätin.
Riklin glaubt aber auch, dass die mögliche Fünfervertretung eine «einmalige Phase» sei, die sich dann wieder einpendeln werde. Und auch sie ist überzeugt, «es stehen derzeit einfach zwei sehr gute Kandidatinnen zur Verfügung». Und damit meint sie die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga und die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter. Das zeige, dass auch bei kleinerer Basis sehr gute Köpfe zur Verfügung stehen, so Riklin.
Männer wollen nicht offen reden
Auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli glaubt nicht, dass die vergleichsweise dünne Basis für die Frauen zum Problem werden könnte. Schliesslich nehme der Anteil der Frauen in den Parlamenten ja ständig zu. Vielmehr würden sich Frauen bei ihm melden, die mit einer Frauenmehrheit im Bundesrat ein Problem hätten. «Ich werde oft von Frauen angesprochen, die sagen, man solle das auf gar keinen Fall zulassen, das gebe einen Riesenknatsch», so der Zürcher Politiker.
Einer möglichen Fünfervertretung im Bundesrat sehen einige bürgerliche Politiker mit gemischten Gefühlen entgegen. Ein FDP-Nationalrat, der nicht beim Namen genannt werden will, meint dazu, über das Thema wolle kaum jemand offen reden. Nun, ihnen bleiben jetzt noch einige Monate, sich in die Debatte einzumischen. Das ist das Gute am frühzeitig angekündigten Rücktritt von Moritz Leuenberger. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.07.2010, 13:04 Uhr
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29 Kommentare
Find' ich super! Ich verspreche mir echt mehr von den Frauen im Bundesrat: sie sind es, die heute die Führungspersönlichkeiten stellen statt der Männer. Heute profitieren wir von der Sachkompetenz der EWS, der Bewahrung der CH-Interessen durch MCR und der Vermittlung durch DL. Die Männer hingegen sind zu einem guten Teil leider zu Marionetten der Parteifunktionäre und der Medien mutiert. Antworten
Dieses Thema ist sowas von abgelutscht. Es geht um die Skills und nicht um das Geschlecht. Immer dieser Gender-Kampf.. ist wirklich nicht mehr aktuell.. zudem ist die Analyse bezüglich Motivation "Einstieg in die Politik" mehr als an den Haaren herbeigezogen... Antworten
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