Freiburger Professor will Scharia einführen

Ein Freiburger Professor plädiert für die teilweise Einführung der Scharia. Damit erfreut er vor allem die Befürworter eines Verbots von Minaretten.

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Christian Giordano ist Professor für Sozialanthropologie an der Uni Freiburg und Verfechter eines «Rechtspluralismus». In der Zeitschrift «Tangram» plädiert er für eine teilweise Einführung der Scharia in der Schweiz. Insbesondere im Bereich des Zivil- und Familienrechts sowie in Finanzbelangen soll «kulturellen Eigenheiten Rechnung» getragen werden. Und mithin islamisches Recht gelten – sofern dieses der Verfassung nicht widerspreche.

Gegenüber der «NZZ am Sonntag» hat der 63-Jährige seine Vorstellungen nun präzisiert und erweitert. So sollen Scharia-Gerichte auch bei Körperverletzung zur Anwendung kommen, findet Giordano. Hingegen sei er unschlüssig, ob man das islamische Recht für die Vielehe ebenfalls in Anspruch nehmen könnte.

Kreis kritisiert eigene Zeitschrift

In Expertenkreisen sorgen diese Ausführungen für Ärger. Der abtretende Basler Integrationsbeauftragte Thomas Kessler spricht von einer gefährlichen Relativierung des Rechtsstaates. «Im Übrigen ist es gerade unser verlässliches Rechtssystem, das die Integration fördert», sagt Kessler. Damit tritt er der Behauptung Giordanos entgegen, wonach «die kulturelle Distanz» zwischen Einheimischen und Eingewanderten zu gross sei, um alle über den gleichen Leisten zu schlagen. «Abgesehen davon gibt es schon heute Differenzierungen. Bis zu einem bestimmten Grad tragen die Gerichte dem persönlichen Hintergrund eines Beklagten immer Rechnung.»

Nicht minder unglücklich über Giordanos Essay ist Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Seiner Meinung nach hätte in «Tangram» zumindest eine Gegenmeinung abgedruckt werden sollen. Pikant: Kreis kritisiert damit die eigenen Leute. Denn «Tangram» ist das Publikationsorgan der EKR. So ist Kreis noch im selben Atemzug darum bemüht, die Kirche im Dorf zu lassen. Er erklärt: «Wo gearbeitet wird, passieren nun einmal Fehler.»

Beim Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann verfängt das nicht. «Die Publikation von Giordanos Text zeigt, wie einseitig und gefährlich die Antirassismuskommission agiert.» Wobmann will die Publikation zum Anlass für einen Vorstoss nehmen, um die Abschaffung der EKR zu fordern. Nachdem er und seine Partei mit ebendiesem Anliegen vor Jahresfrist schon einmal gescheitert sind, rechnet er sich dafür freilich wenig Chancen aus.

Schwer nimmt Wobmann das nicht. Als Kopräsident des Initiativkomitees «Gegen den Bau von Minaretten» freut er sich insgeheim gar über den Aufsatz: «Das ist Wasser auf unsere Mühle. Der Fall zeigt, wie fordernd der Islam bereits auftreten kann.»

Versuchsballon eines Einzelnen

Die Minarett-Initiative gelangt voraussichtlich im September zur Abstimmung; derzeit erarbeitet das Initiativkomitee sein Argumentarium. «Selbstverständlich wird darin den Ausführungen von Herrn Giordano gebührend Platz eingeräumt», so Wobmann. Da lässt er sich auch von den Ausführungen von Reinhard Schulze nicht beeindrucken. Für den Islamwissenschaftler an der Uni Bern hinkt Giordano einer Debatte hinterher, die im Rest der westlichen Welt längst abgeschlossen ist. In Kanada etwa sei das Thema in den Neunzigerjahren breit diskutiert worden. Inzwischen seien dort aber alle Vorhaben zur Etablierung islamischer Gerichte vom Tisch. In Schulzes Augen handelt es sich bei Giordanos Text um den rasch entschwindenden Versuchsballon eines Einzelnen.

Für diese These spricht, dass sich Giordanos Aufsatz auf den hinteren Seiten der jüngsten «Tangram»-Ausgabe findet. Bis zu seiner Entdeckung durch die Sonntagspresse sind drei Wochen verstrichen. Gegen Schulzes Annahme könnte indes sprechen, dass die organisierten Muslime den Giordano-Essay wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Allerdings räumt auch Hisham Maizar von der Föderation Islamischer Dachverbände dem Anliegen wenig Chancen ein. «Selbst wenn man sich im Prinzip auf eine Einführung islamischen Rechts einigen sollte», meint er, «würde es Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis man eins ist in der Frage, was unter Scharia zu verstehen ist.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.12.2008, 12:19 Uhr)

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