Fünfzig Jahre, die die Schweiz veränderten
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 06.01.2010 102 Kommentare
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Das Buch
Klaus C. Ewald, Gregor Klaus: Die ausgewechselte Landschaft. Vom Umgang der Schweiz mit ihrer wichtigsten natürlichen Ressource. 752 Seiten. 78 Franken.
Wer seinem Nachwuchs die blühenden Wiesen zeigen will, auf denen er als Kind Fangen spielte, muss heute Fotos zur Hand nehmen: Meist gibt es die Wiesen nicht mehr – dafür prangt eine Wohnsiedlung mit Parkplätzen an den ehemals vertrauten Orten. Das Antlitz der Schweiz hat sich in den letzten 50 Jahren dramatisch verändert; das Mittelland ist durch unkontrollierte Bauerei unansehnlich und gesichtslos geworden.
Ein Siedlungsbrei, der sich über Dutzende von Kilometern erstreckt. Und jede Sekunde wird ein weiterer Quadratmeter Boden verbaut. «Hält diese Bauwut an, ist in 380 Jahren die gesamte Kulturfläche der Schweiz zubetoniert», sagt Klaus Ewald, emeritierter ETH-Professor für Landschaftspflege, Natur- und Landschaftsschutz gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
«Die ausgewechselte Landschaft»
Zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Gregor Klaus hat er das Buch «Die ausgewechselte Landschaft» geschrieben – Hunderte Fotos und Grafiken dokumentieren, wie unzählige Wälder, Seen und Wiesen in den letzten 200 Jahren Schaufel und Bagger zum Opfer fielen. «Ein Armutszeugnis», findet Ewald. So wurden alleine zwischen 1972 und 2001 rund 6300 Kilometer Strassen gelegt, 56 Prozent aller Bauten entstanden erst nach 1991.
In der Schweiz gebe es im Umgang mit dem knappen Boden die «Tendenz, alles zu Geld zu machen und alles, was nicht zu Geld gemacht werden kann, zu beseitigen». Wachstum und Wohlstand hätten die Schweiz um ihre Wohnlichkeit gebracht. Das Buch kommt zur richtigen Zeit: Bald wohnen acht Millionen Menschen in der Schweiz, vor hundert Jahren waren es halb so viel; die Debatte um die Grenzen des Bevölkerungswachstums (und der Einwanderung) läuft. Lösungsansätze sind gefragt, damit das «Häusermeer» (Ewald) die Agrarlandschaft nicht vollständig überflutet.
Weniger pendeln, verdichtet bauen
Für Klaus Ewald ist klar: «Der Zersiedelung könnte ein Riegel geschoben werden, wenn die Leute am gleichen Ort wohnen und arbeiten würden.» Er plädiert auch für verdichtetes Bauen. Auf ehemaligen Industriegeländen müssten Wohnungen gebaut werden. Das grösste Problem sieht er in der Gemeindeautonomie: «Obwohl das Raumplanungsgesetz vorschreibt, die Landschaft zu schützen, baut jede Gemeinde, wie sie will.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.01.2010, 11:35 Uhr
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