«Das ist für mich sicher keine heikle Situation»
Interview: Hubert Mooser. Aktualisiert am 08.02.2012 23 Kommentare
Er vertritt die Grünen im Bankrat der ZKB: Thomas Heilmann, Mitbegründer der Alternativen Bank. (Bild: Rotpunktverlag)
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Sie waren Mitbegründer der Alternativen Bank. Heute gehören Sie dem Bankrat eines Geldinstitutes an, dem von den US-Steuerbehörden vorgeworfen wird, es helfe US-Kunden bei der Hinterziehung von Steuergeldern. Ist das für einen Grünen nicht problematisch?
Es ist mir bisher nicht bekannt, dass eine US-Behörde der ZKB vorgeworfen hätte, sie hätte US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen. US-Behörden wollen bisher lediglich Auskünfte über das US-Geschäft.
Die ZKB gehört aber zu jenen elf Banken, deren Namen im Zusammenhang mit dem Steuerstreit mit den USA genannt werden. Ist das nicht heikel für einen Vertreter der Grünen, zumal Ihre Partei das Verhalten der Banken kritisiert?
Es ist vielleicht eine heikle Situation für jene Banken, die in solche Geschichten involviert sind. Aber sicher nicht für mich persönlich.
Haben Sie als Bankrat von den Geschäften in den USA gewusst?
Selbstverständlich wurden wir über das US-Geschäft informiert und vor allem auch darüber, dass man dort ausgestiegen ist. Und zwar schon 2008. Den Rest hat man jetzt erledigt. Hier geht es aber nicht um Steuerhinterziehung. Es geht um Leute, die vielleicht in der Schweiz noch ein Dritte-Säule-Konto haben, die aber in den USA leben. Nicht jeder Amerikaner, der in der Schweiz ein Konto besitzt, ist ein Steuerhinterzieher.
Trotzdem machen die Amerikaner Druck auch gegen die ZKB.
Es gibt keine formelle Untersuchung und schon gar keine Anklage.
Haben Sie sich intern selber vergewissert, dass die Vorwürfe haltlos sind?
Man ist sich bei der ZKB sehr bewusst, was das bedeutet und wie sich die Rechtslage entwickelt hat. Und man hat entsprechend darauf reagiert.
Und Sie machen sich keine Sorgen, dass noch etwas auf die ZKB zukommen könnte?
Man macht sich immer Sorgen. Es ist aber auch schwierig, abzuschätzen, was auf die ZKB zukommen kann. Die ZKB ist nicht vergleichbar mit der Bank Wegelin.
Das nicht. Aber wenn man liest, dass die Amerikaner sich als Nächstes angeblich die Basler Kantonalbank vorknöpfen wollen, dann zeigt das: Auch Staatsbanken sind nicht über jeden Verdacht erhaben.
Ich weiss nicht, was die BKB gemacht hat. Ich weiss aber, was bei uns Sache ist. Ich selber bin für eine konsequente Weissgeldstrategie. Seit dem Jahre 2008 ist das auch die offizielle Politik der ZKB.
Und der Bankrat war über alle Schritte stets informiert?
Ja. Aber selbstverständlich kennen wir keine Namen von Kunden. Wir wurden regelmässig informiert, wie sich diese Sache entwickelt. Das ist ein ständiges Thema an den Bankratssitzungen.
Werden an diesen Sitzungen die Erklärungen der Geschäftsleitung abgenickt oder wird da auch kontrovers diskutiert?
Es gibt heute in der Bank weitgehend einen Konsens darüber, dass man nichts mit Steuerhinterziehung zu tun haben will. Das könnte sich eine ZKB gar nicht leisten. Selbst diejenigen, die früher vielleicht anderer Meinung waren, sehen heute ein, dass eine solche Geschäftspolitik wie bei der Bank Wegelin in die Katastrophe führt.
Was suchen die Amerikaner dann bei der ZKB?
Die stochern in der Vergangenheit herum. Die Amerikaner interessiert es nicht, wie die Situation heute ist. Man konnte in der Presse lesen, dass sie den E-Mail-Verkehr der Banken der letzten 10 Jahre einsehen wollen.
Und da hat die ZKB nichts zu befürchten?
Ich glaube nicht. Es gehörte nie zum Geschäft der ZKB, Dienstleistungen anzubieten, mit denen man Gelder vor dem Fiskus verstecken kann. Eine formelle Geschäftseinheit Private Banking gibt es bei der ZKB auch erst seit 2008. Dabei stand von allem Anfang an fest, dass man sich länderkonform verhalten will.
Fordern die Grünen Schweiz keine Erklärung von Ihnen?
Natürlich. Grüne und SP versuchen, im Bankrat die Vorstellungen ihrer Parteien umzusetzen – soweit dies möglich ist. Die Vertreter von SP und Grünen sind jedoch in der Minderheit. Wir haben aber zum Beispiel ein umfassendes Nachhaltigkeits-Reporting bei der ZKB. Hier haben die Grünen und auch die SP etwas erreichen können.
Und wenn die US-Steuerbehörden am Ende trotzdem noch ein Haar in der ZKB-Suppe finden würden?
Wenn plötzlich Fälle zum Vorschein kämen, dann hätte das Konsequenzen für die betroffenen Leute. Sie hätten dann gegen Verhaltensrichtlinien verstossen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.02.2012, 15:07 Uhr
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23 Kommentare
Immer diese Vetterliwirtschaft. In einen Bankrat gehören kompetente Leute aus der Wirtschaft und nicht irgendwelche Politiker, die einfach ihr Netzwerk für ihr eigenes Portemonnai missbrauchen. Der Verwaltungsrat der UBS in 2008 war ja gleich und man hat ja gesehen, was es gebracht hat...... Antworten
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