«Ganze Männer machen Teilzeitkarriere»

Der Anteil Teilzeit arbeitender Männer in der Schweiz soll bis 2020 von derzeit rund 13 auf 20 Prozent steigen. Eine Stellenbörse und Kampagnen wurden dafür speziell entwickelt.

«Wir wollen Teilzeitarbeit bei Männern zur selbstverständlichen Karriereoption machen»: Markus Theunert. (24. Juli 2012)

«Wir wollen Teilzeitarbeit bei Männern zur selbstverständlichen Karriereoption machen»: Markus Theunert. (24. Juli 2012) Bild: Keystone

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Der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen (männer.ch) hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Männer, die nicht 100 Prozent arbeiten, auf einen Fünftel zu steigern. Um es zu erreichen, hat der Verband zusammen mit dem Bund eine Sensibilisierungskampagne gestartet.

Eine erste repräsentative Untersuchung des Kantons St. Gallen im vergangenen Jahr ergab, dass 9 von 10 Männern gerne Teilzeit arbeiten und dafür sogar Lohneinbussen in Kauf nehmen würden. Die Realität sieht jedoch anders aus: Nur rund 13 Prozent aller Männer und knapp 10 Prozent der Väter von kleinen Kindern wagen den Schritt in die Teilzeitarbeit.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit bestehe offenbar ein breiter Graben, sagte Markus Theunert, Präsident von «männer.ch», heute Dienstag vor den Medien in Zürich. Die Ursache dafür sieht der ehemalige Männerbeauftragte des Kantons Zürich nicht primär bei den Unternehmen. In vielen Firmen gehörten Teilzeitstellen heute zur Firmenkultur.

Angst vor den «schrägen Blicken der Kollegen»

Haupthindernis sei die Angst der Männer vor einem Karriereknick und den «schrägen Blicken der Kollegen». Notwendig sei deshalb ein gesellschaftliches Umdenken. «Es gilt aufzuräumen mit negativen Vorurteilen, dass Teilzeitmänner weniger produktiv und leistungsorientiert seien.» Teilzeitarbeit müsse zur «selbstverständlichen Karriereoption» werden.

«Der Teilzeitmann – Ganze Männer machen Teilzeitkarriere», heisst denn auch sinnigerweise die Kampagne, die «männer.ch» in der deutschen Schweiz lanciert. Das Projekt ist auf 18 Monate befristet und wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) mit 350'000 Franken mitfinanziert. 150'000 Franken steuert «männer.ch» bei.

Männern Mut machen

In erster Linie gehe es darum, Männern Mut zu machen, den Schritt in die Teilzeitarbeit zu wagen, sagte Andy Keel, einer der beiden Projektleiter. Wichtig sei dabei der gleichstellungspolitische Aspekt. Der moderne Mann sei heute viel stärker auch in der Familienarbeit gefordert. «Wir wollen zeigen, dass es geht und wie es geht.»

Keel hatte 2008 die Plattform www.teilzeitkarriere.ch gegründet, auf der alle in der Schweiz online angebotenen Teilzeitstellen abgerufen werden können. Das Projekt «Der Teilzeitmann» sei nun der logische nächste Schritt, Teilzeitarbeit in der Schweiz salonfähig zu machen, erklärte der Projektleiter.

Die Kampagne, die über verschiedenste Online-Kanäle wie Facebook oder Twitter in die Öffentlichkeit getragen werden soll, basiert auf sechs Vorbild-Männern. Sie erklären, weshalb sie Teilzeit arbeiten, wie sie ein Teilpensum erreicht haben und welche Erfahrungen sie mit Teilzeitarbeit machen.

Unternehmen für Teilzeitarbeit sensibilisieren

Über www.teilzeitmann.ch vermittelt «männer.ch» zudem vertiefte Informationen zum Thema. So können Männer mehr über Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfahren, und sie finden darauf auch Checklisten für den Start ins Teilzeitleben.

Zusätzlich sollen Unternehmen in der Deutschschweiz im nächsten Jahr mit einer Wanderkampagne für Teilzeitarbeit sensibilisiert werden. Neben lebensgrossen Faltwänden mit Testimonials von Vorzeige-Teilzeitmännern werden Unternehmen auch Veranstaltungen inklusive «Mittagessen aus der Tüte» und Vorträgen angeboten.

«Mit der Kampagne sollen Teilzeitmänner ein Gesicht erhalten und als Vorbilder wirken», erklärte Jürg Wiler, der zweite Projektleiter im Jobsharing. Teilzeitarbeit verbessere nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie sei auch für die Unternehmen betriebswirtschaftlich rentabel. (rub/sda)

(Erstellt: 06.11.2012, 11:30 Uhr)

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