Schweiz

Gebetsteppich mit Kompass im Schweizer Hotelzimmer

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 08.08.2012 60 Kommentare

Deutlich weniger Europäer reisen in die Schweiz. Doch mit Gebetsteppich und Kompass in Hotelzimmern oder mit einer «Halal Barbecue Cruise» werden Gäste aus dem arabischen Raum angelockt. Reicht das?

1/4 Populäres Interlaken: Die Zahl arabischer Touristen steigt dort sprunghaft an.
Bild: Béatrice Devènes

   

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Die Schweizer Hotellerie kommt auf keinen grünen Zweig. Im ersten Halbjahr 2012 verzeichnete sie noch 16,8 Millionen Logiernächte – dies sind 643'000 oder 3,7 Prozent weniger als in derselben Zeitspanne 2011.

  • Den stärksten Rückgang verzeichneten Graubünden (-7,6 Prozent), das Wallis (-6,9 Prozent) und das Berner Oberland (-5,7 Prozent).
  • Zugelegt haben hingegen die Regionen Fribourg (+9,9 Prozent) und Basel (+2,2 Prozent).

Die grösste Gruppe der Abwesenden sind die Europäer: Sie sorgten für 782'000 Logiernächte weniger als im ersten Halbjahr 2011 (-11 Prozent). Auch die Zunahmen an asiatischen Touristen – etwa 41 Prozent aus den Golfstaaten und 27 Prozent aus China – können das Minus aus Europa nicht wettmachen. Müsste man also stärker die zahlungskräftigen Gäste aus dem arabischen Raum anwerben und die Angebote auf diese Kundschaft ausrichten?

Gebetsteppich und «Halal Barbecue Cruise»

In Interlaken kommt dies offenbar an. Dort verzeichnet man ein Plus von 1,7 Prozent im ersten Halbjahr 2012. «Der starke Zuwachs aus Asien hat den Rückgang aus Europa kompensiert», sagt Patrizia Pulfer, Sprecherin von Interlaken Tourismus, auf Anfrage. Die Zunahme an Touristen aus den Golfstaaten betrage 95 Prozent, und bei denjenigen aus China 48 Prozent. Besonders vor dem Ramadan, der dieses Jahr am 20. Juli begonnen hat, waren laut Pulfer viele Besucher aus dem arabischen Raum in Interlaken. «Jetzt, während des Fastenmonats, ist es in unseren Strassen viel ruhiger, was die arabischen Gäste betrifft», stellt sie fest. «Aber das wird sich sehr wahrscheinlich wieder ändern, sobald der Ramadan in rund zwei Wochen vorbei ist.»

Um für Touristen aus dem arabischen Raum attraktiv zu sein, offeriert Interlaken Angebote, die auf die Bedürfnisse dieser Kundschaft angepasst sind. Einige Hotels etwa stellen Gebetsteppiche in den Zimmern zur Verfügung. Das Hotel Metropole bietet gar solche mit integriertem Kompass an, damit sich die Gäste während der Gebete nach Mekka ausrichten können. Einmal wöchentlich findet während der Sommersaison zudem eine «Halal Barbecue Cruise» auf dem Brienzersee statt, auf der Essen nach muslimischen Qualitätsstandards serviert wird. Um mehr Besucher in die Region zu holen, bearbeiten Interlaken Tourismus und seine Partner zudem aktiv Märkte wie besagte Golfstaaten, aber auch Indien, China, Südostasien und Europa – neuerdings zusätzlich Skandinavien – sowie die USA und Südamerika.

Dass das regnerische Wetter den arabischen und chinesischen Gästen etwas anhaben könnte, glaubt die Sprecherin von Interlaken Tourismus nicht. «Vor allem die Besucher aus der Wüste schätzen dies immer wieder. Generell sind Touristen aus weiter entfernten Teilen der Welt weniger wetteranfällig, weil sie ihre Schweiz-Reisen zumeist längerfristig buchen.» Doch auch wenn die Zahlen aus Asien erfreulich seien, hoffe man bei Interlaken Tourismus auf den wichtigen Markt Europa.

Drei Viertel der Gäste in Graubünden sind Deutschschweizer und Deutsche

Ein Minus von 7,6 Prozent im ersten Halbjahr 2012: Die Tourismusregion Graubünden wurde schweizweit am stärksten vom Rückgang an Logiernächten getroffen. Bei Graubünden Tourismus ist man nicht überrascht, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Myriam Keller auf Anfrage sagt. «Doch so viel Regenwetter wie im bisherigen Sommer haben wir nicht erwartet.» Weil laut Keller drei Viertel aller Gäste im Bündnerland aus der Deutschschweiz und Deutschland kommen (Anteile 50 respektive 25 Prozent), seien die Logiernächte auch stark vom Wetter abhängig.

Könnte man nicht mit verstärktem Marketing Gäste aus den Golfstaaten, Indien oder China anlocken? «Einzelne Regionen wie Davos oder das Engadin mit St. Moritz sind sicherlich eine Option für arabische, indische und chinesische Touristen», so Keller. «Aber in vielen Teilen des Bündnerlands fänden sie nicht unbedingt das, was sie suchen. Weil sie zudem häufig nur zwei bis drei Tage in der Schweiz blieben, sei eine Marketingoffensive mit der gesamten Region Graubünden wenig sinnvoll in diesen Ländern.»

Trotzdem wolle man nicht mit dem Schicksal hadern. Immerhin sei die Aktion mit den Familienrabatten gut angelaufen. In vielen Bündner Hotels logieren Kinder diesen Sommer und Herbst gratis respektive mit starken Ermässigungen. Weiter läuft in Deutschland eine Kampagne, die einen Ferientyp-Test beinhaltet. Dieser zeigt mit einer Portion Humor, was Graubünden auszeichnet und dass es für die verschiedensten Leute etwas bietet. Beide Aktionen seien erfolgreich, so Keller. Dennoch: «Den Gästerückgang schleckt keine Geiss weg.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.08.2012, 13:34 Uhr

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60 Kommentare

Peter Vogel

08.08.2012, 11:22 Uhr
Melden 228 Empfehlung 0

Da kommen die Gäste nicht mehr, weil man sich dem Islam anbiedert. Die Gästezahl sinkt dadurch natürlich. Doch man macht mit der Islamanbiederung noch weiter. Danach wundert man sich, wenn noch mehr Gäste wegbleiben. Verrückt. Antworten


Hans Rudolf Knecht

08.08.2012, 11:21 Uhr
Melden 213 Empfehlung 0

Als Berner Oberländer und Bürger von Gsteigwiler finde ich den Anblick dieser vermummten Frauen in den Strassen von Interlaken ein sehr störender Anblick!! Für mich ist diese Vermummung ein öffentliches Ärgernis und müsste vom Gesetz geandet werden. Antworten



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