Schweiz

«Geiseln werden lange brauchen, sich zu erholen»

Aktualisiert am 03.09.2009

Zwar können sich die beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer frei im Land bewegen. Doch Sicherheitskräfte folgen ihnen auf Schritt und Tritt, das Land ist zu ihrem Gefängnis geworden.

Max Göldis «Gefängnis»: Die Schweizer Botschaft in Tripolis.

Max Göldis «Gefängnis»: Die Schweizer Botschaft in Tripolis.
Bild: Keystone

Tag 411 in Libyen. Der Schweizer Max Göldi, 54 Jahre alt, sowie der 68-jährige schweizerisch-tunesische Doppelbürger Rachid Hamdani warten noch immer auf ihre Rückkehr in die Schweiz. Wie es den beiden geht, war heute nicht in Erfahrung zu bringen. Stéphane Valente, der mit den beiden lange im Mail-Kontakt stand, meint jedoch: «Das ständige Hin und Her ist psychisch nur schwer zu ertragen.»

Über das Leben der Festgehaltenen in Tripolis ist nur wenig bekannt: Der «Blick» schrieb im Mai, dass Max Göldi in einem Zimmer in der Schweizer Botschaft wohnt. Dort schläft er, treibt auf einem selbst gebauten Trimmrad Sport, schaut Fernsehen. Telefonieren und mailen kann er jederzeit – die Gespräche und Nachrichten werden jedoch von den libyschen Behörden überwacht. Auf die Strasse geht Göldi laut «Blick» selten, ausserhalb des Botschaftsgeländes fürchtet er um seine Sicherheit. «Ich flüchte mich in Tagträume, um nicht verrückt zu werden», sagte er.

Dauerüberwachung der Botschaft

Kürzlich bestätigte sich seine Vermutung: Ein Journalist der britischen Zeitung «Times» erzählte Ende August in der SF-Sendung «Rundschau», er habe versucht, Max Göldi in der Botschaft zu treffen. Als er am Tor klingelte, rasten sofort libysche Sicherheitskräfte heran und fragten, was er hier zu suchen habe. Darauf kam ein junger Schweizer Diplomat und sagte, ein Treffen sei nicht möglich. Als der Journalist das Botschaftsgelände im Taxi verliess, folgte ihm ein schwarzer Wagen. «Max Göldi tut gut daran, innerhalb der Botschaftsmauern zu bleiben», rät er.

Sonst soll es Göldi laut Medienberichten den Umständen entsprechend gut gehen. Ganz anders Rachid Hamdani: Er ist psychisch stark angeschlagen, heisst es. In der verworrenen Situation scheint zurzeit nur Eines klar: «Libyen ist zu ihrem Gefängnis geworden. Die beiden werden lange brauchen, sich zu erholen», vermutet Stéphane Valente. (cha)

Erstellt: 03.09.2009, 16:20 Uhr

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