Schweiz

Genfer Ghadhafi-Opfer tauchten in Schweizer Botschaft in den USA unter

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 15.10.2011 111 Kommentare

Ein Autounfall lässt die Ex-Bediensteten Hannibal al-Ghadhafis auffliegen. Sie stehen im Dienst des Bundes.

Die Schweizer Botschaft in Washington. Hier arbeiteten die Ghadhafi-Opfer als «lokale Angestellte».

Die Schweizer Botschaft in Washington. Hier arbeiteten die Ghadhafi-Opfer als «lokale Angestellte».
Bild: Keystone

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Es galt als eines der bestgehüteten Geheimnisse der schweizerischen Diplomatie. Nicht einmal der Gesamtbundesrat wusste, dass in der Schweizer Botschaft in Washington zwei gefährdete Personen verkehrten: die Tunesierin Leila und der Marokkaner Omar (Namen geändert). Die beiden waren im Juli 2008 im Genfer Luxushotel Président Wilson misshandelt worden. Mutmassliche Täter, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden, waren ihre Chefs: der libysche Diktatorensohn Hannibal al-Ghadhafi und dessen Ehefrau Aline.

Die Vorgeschichte im Zeitraffer: Leila und Omar hatten es am 12. Juli 2008 gewagt, sich bei der Genfer Polizei zu melden, weil sie wiederholt brutal geschlagen worden waren. 21 Korpsmitglieder rückten aus und verhafteten Ghadhafi junior und seine hochschwangere Frau. Der libysche Herrscherclan schwor Rache. Es kam zur grössten aussenpolitischen Krise der Eidgenossenschaft in jüngerer Zeit, die mit in der Geiselnahme der Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani in Tripolis endete. Auch Verwandte der Hausangestellten wurden verschleppt und kamen erst wieder frei, als Leila und Omar ihre Strafanzeige zurückgezogen hatten.

Eine Fussgängerin angefahren

Vor libyschen Schergen konnten die zwei Ghadhafi-Opfer weiterhin nicht sicher sein. Aus humanitären Gründen nahm die Schweiz sie im September 2008 vorläufig auf. Vermutet wurde seither, dass die beiden irgendwo in der Schweiz unter falscher Identität lebten. Jetzt zeigt sich aber, dass sich das schweizerische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) weit mehr um die Tunesierin und den Marokkaner gekümmert hat als bekannt.

Durch eine tragische Begebenheit wird öffentlich, wo sie sich seit längerem aufhalten: Vergangene Woche kam es in Washington zu einem Verkehrsunfall. Ein weisser Toyota Highlander fuhr eine 64-jährige Fussgängerin an. Die Frau verstarb. Der Unfallwagen mit Diplomatenkennzeichen war auf die Schweizer Botschaft zugelassen. Am Steuer sass, wie lokale Medien berichten, Omar. Gemäss einem Polizeireport war er am Telefonieren, als es zum Unfall kam, und er soll ein Rotlicht übersehen haben. Der Washingtoner Sender WTOP meldete, dass Omar im Unfallprotokoll die Botschaftsadresse als Wohnort angegeben hat.

Der «Blick» spekulierte gestern darüber, ob es sich beim Fahrer um das Genfer Ghadhafi-Opfer handle. Das EDA bestätigte nur, «dass ein lokaler Angestellter der Botschaft in Washington in einen tragischen Verkehrsunfall involviert war». Recherchen des TA zeigen, dass tatsächlich der Marokkaner den Unfall verursacht hatte. Aus der amerikanischen Hauptstadt war zu erfahren, dass Omar und auch Schicksalgenossin Leila in der dortigen Schweizer Vertretung angestellt wurden. Offen blieb, ob die Information von Washingtoner Medien stimmt, dass Omar über einen US-Pass verfügt. Die Bezeichnung «lokaler Angestellter» durch das EDA deutet darauf hin.

Calmy-Rey verschwieg die Sache

Das EDA will den Sachverhalt nicht weiter kommentieren. Es geht auch nicht auf die Frage ein, weshalb es die beiden Nordafrikaner in einer relativ grossen und exponierten Vertretung wie jener in Washington unterbrachte. Im Bundesrat war die Beschäftigung der beiden Ghadhafi-Opfer während der langen Libyenaffäre nie auch nur thematisiert worden, wie eine mit der Sache vertraute Stimme sich erinnert. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat den heiklen Personalentscheid gemäss dieser Quelle im Gremium nie thematisiert.

Der Verkehrsunfall von vergangener Woche wird nun von der Washingtoner Polizei untersucht. Unfallfahrer Omar hat insofern Glück im Unglück, als dass sein Aufenthaltsort erst jetzt bekannt wird, da die Ghadhafis mit anderen Problemen zu kämpfen haben als mit Rache an ehemaligen Hausangestellten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2011, 08:28 Uhr

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111 Kommentare

Carlo Schnydrig

15.10.2011, 08:26 Uhr
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Es ist wirklich ein "Hohn", dass solche Leute gerade durch den Bund beschäftigt und mit Steuergelder bezahlt werden.Typisch für Frau Calmy-Rey und ein Armutszeugnis für den restlichen Bundesrat. Es ist ein Spiegelbild des "harmonischen" Einvernehmens unter den Bundesräten/innen. "In der Schweiz weiss eben die Rechte nicht was die Linke tut".Das gibt's nur in der CH und wird nur in der CH geduldet! Antworten


Ernst Bucher

15.10.2011, 08:42 Uhr
Melden 109 Empfehlung

War nicht die Mme MCR eine derjenigen, die die mangelnde Kollegialität von BR Blocher beklagte und mitverantwortlich war, dass er abgewählt wurde?Perfidität und Heuchelei nennt man so etwas.Nichts gegen Schutz der beiden Ghadaffiopfer, aber so eine Belohnung hätten die beiden auch wieder nicht verdient, und wie üblich , auf Kosten von uns Steuerzahler. Antworten



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