Schweiz

Genozid-Leugner wirbt in der «Weltwoche»

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 24.06.2011 52 Kommentare

Ein in Basel wohnhafter Serbe leugnet in einem Buch den Genozid in Srebrenica. An der Leipziger Buchmesse sorgte er für Proteste. Nun wirbt er in der «Weltwoche».

Inserat in der «Weltwoche» geschaltet: Alexander Dorin.

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An prominenter Stelle findet sich in der aktuellen «Weltwoche» ein Inserat des deutschen Ahriman-Verlags. Unter dem Titel «Wer dieses Buch gelesen hat, ist klüger als die Nato erlaubt!» wird das Buch «Srebrenica. Wie es wirklich war» beworben. Verfasser ist Alexander Dorin, wobei Dorin das Pseudonym des in Basel wohnhaften, gebürtigen Serben Boris Krljic ist. Die «Weltwoche» hat das Pseudonym im Jahr 2000 gelüftet.

Das Buch befasst sich mit dem 1995 erfolgten Massaker von bosnischen Serben an 7000 bis 8000 muslimischen Männern in Srebrenica. Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bezeichnet dieses Massaker als Völkermord. In seinem Buch leugnet Krljic alias Dorin den Genozid. Er spricht von etwa 2000 Muslimen, die im Kampf gefallen seien, und verneint die Massenexekution von Zivilisten. Bereits im 2009 erschienen Buch «Srebrenica. Die Geschichte eines salonfähigen Rassismus» hat er die 7000 bis 8000 Toten als Erfindung bezeichnet und behauptet, General Ratko Mladic habe die Zivilisten «aus Sicherheitsgründen evakuiert». Seit Jahren betätigt sich Krljic im Internet als serbischer Propagandist. Kritische Journalisten prangerte er als Serbenhasser an und publizierte deren Koordinaten.

«Lügen-Auschwitz der Nato»

Krljic und Verleger Peter Priskil stellten das neue Buch im März an der Leipziger Buchmesse vor. Auf Veranstaltungshinweisen bezeichneten sie Srebrenica als «das Lügen-Auschwitz der Nato». Vergeblich hatte die Gesellschaft für bedrohte Völker Deutschland versucht, die Veranstaltung verbieten zu lassen.

«Der Genozid von Srebrenica ist keine Frage der Interpretation», sagt Jasna Causevic, Südosteuropa-Expertin der Gesellschaft. Sie war in Leipzig präsent, verteilte Infomaterial und musste sich Drohungen und Beschimpfungen anhören. «Priskil und Krljic haben den Genozid auf arrogante und unverantwortliche Weise geleugnet», sagt Causevic. Sie spricht von einer «Verhöhnung der Opfer», die die Aufarbeitung der Verbrechen und den Versöhnungsprozess auf dem Balkan sabotiere. Krljic will das Buch nun auch in der Schweiz verbreiten, wie das «Weltwoche»-Inserat zeigt. Deren Geschäftsführer Sandro Rüegger sagt: «Wir wollen die Leser nicht bevormunden. Doch ein Inserat für ein Buch, das einen Völkermord leugnet, liegt nicht drin. Da waren wir zu wenig aufmerksam.» Der Ahriman-Verlag hat auch schon im «Tages-Anzeiger» geworben: 2008 und 2009 erschienen Inserate zur Schriftenreihe «Ketzerbriefe».

Laut Co-Chefredaktor Res Strehle pflegt der «Tages-Anzeiger» eine liberale Inseratepraxis. «Eine Anzeige für ein Sachbuch, das den Holocaust oder das Srebrenica-Massaker bestreitet, verletzt aber rechtliche und ethische Grenzen und würde abgelehnt», sagt Strehle. In der Praxis sei es jedoch oft schwierig, den Inhalt zu prüfen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz überlegt sich, rechtlich gegen Krljic vorzugehen. Bereits 2010 reichte sie Strafanzeige ein gegen zwei Autoren der Ligue Vaudoise, die den Srebrenica-Genozid leugneten. Der Waadtländer Staatsanwalt qualifizierte dies im März 2011 erstmals in der Schweiz als Verletzung der Antirassismusstrafnorm. Er stellte das Verfahren jedoch ein, da den Autoren keine subjektive rassistische Absicht nachgewiesen werden konnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2011, 06:17 Uhr

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52 Kommentare

Walter Felix

24.06.2011, 07:51 Uhr
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Die Weltwoche pflegt bekanntlich einen lockeren Umgang mit der Wahrheit, man fühlt sich wohl dort in der Obhut der Volksverhetzer und hemdsärmeligen Politiker. So wundert es auch nicht, dass dort jedwelche Art von Rassismus und so weiter ihr kuscheliges Plätzchen findet, man muss schliesslich der Klientel etwas bieten! Antworten


alois egelseder

24.06.2011, 07:54 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Wo denn sonst sollte so Einer die geeignete Klientel finden, die sich für solche Erzeugnisse interessieren lässt? Wann lässt die SVP ihre Maske fallen und ändert die Parteifarbe in braun? Antworten



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