Schweiz
«Gentechnologie kommt früher oder später auch in die Schweiz»
Von Matthias Meili. Aktualisiert am 02.12.2009 3 Kommentare
Dirk Dobbelaere.
Dirk Dobbelaere
Der Professor für Pathobiologie an der Uni Bern ist Präsident der Leitungsgruppe des NFP 59 ("Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen"). Das Nationale Forschungsprogramm läuft noch bis 2011.
Herr Dobbelaere, ist der Entscheid des Ständerates wissenschaftlich gerechtfertigt?
Das ist ein politischer Entscheid, der auf unsere wissenschaftlichen Arbeiten keinen Einfluss hat.
Die Begründung für die Verlängerung war, dass man zuerst die Resultate des NFP 59 abwarten wolle. Waren Sie zu langsam?
Unser Auftrag war von Beginn weg bis 2011 ausgelegt. Das Programm ist voll auf Kurs, einen Zwischenbericht über die bisherigen Resultate haben wir kürzlich fristgerecht eingereicht. Der Schlussbericht sollte in der zweiten Hälfte 2012 vorliegen. Wir spüren den Erwartungsdruck; es ist aber nachvollziehbar, dass die Politik grundlegende Entscheide erst fällen will, wenn dieser Bericht vorliegt.
Die Risikoforschung ist weltweit gut etabliert, es gibt Unmengen Studien. Werden die Schweizer Forscher neue Antworten finden?
Viele internationale Befunde zur Risikoforschung lassen sich eins zu eins auf die Schweiz übertragen. Ungeklärt ist aber die Frage der Koexistenz zwischen Gentech-, Bio- und konventioneller Landwirtschaft. Hier sind die Ergebnisse internationaler Studien nicht direkt auf die Schweiz übertragbar, da die Kleinräumigkeit unserer Landwirtschaft sehr speziell ist.
Werden Sie 2012 definitiv sagen können, ob die Gentechnologie in der Schweizer sozial- und umweltverträglich eingeführt werden kann?
Wir werden dazu eine Antwort geben. Aber die Frage, ob wir in der Schweiz eine Koexistenz wollen, ist ebenso ein politischer Entscheid.
Was fehlt dem NFP 59?
Wir konnten keine Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen machen, das hätte den Rahmen gesprengt. Aber es gibt viele internationale Studien, die sich ohne Probleme übertragen lassen.
Sind Sie für oder gegen eine Gentech-Landwirtschaft?
Wir sind weder dafür noch dagegen. Wir haben nur den Auftrag, Nutzen und Risiken von Gentech-Pflanzen abzuklären. Das NFP 59 hat uns aber auch ermöglicht, die Forschungskompetenz auf diesem wichtigen Gebiet in der Schweiz aufrechtzuerhalten.
Wieso braucht die Schweiz diese Forschungskompetenz, wenn doch die Mehrheit der Bevölkerung gegen Gentechnologie ist?
Es wäre illusorisch zu meinen, dass diese Technologie nicht früher oder später auch in die Schweiz kommt. Es ist denkbar, dass gewisse gentechnisch veränderte Pflanzen Vorteile haben, etwa für die Umwelt. Ich denke, das sehen auch viele Schweizer Bauern so. Wir müssen offen bleiben, auch wenn die Auseinandersetzung derzeit sehr polarisiert ist. Das NFP 59 hilft, die Diskussion zu versachlichen.
Andere sprechen von Zwängerei.
Im Gegenteil, wenn solche Pflanzen eingeführt werden, müssen wir auch die Methoden und Technologien haben, um ihre Risiken und ihr Verhalten von Fall zu Fall prüfen zu können. Daran arbeiten wir. Wir sind etwa zum Schluss ge- kommen, dass wir für eine solche Prüfung geschützte Felder brauchen, die allein für Freisetzungsversuche eingerichtet werden. Denn die Kosten vor allem für die Sicherheit sind enorm. Dies wird nach dem Ablauf des Moratoriums sehr wichtig sein.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.12.2009, 07:19 Uhr
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3 Kommentare
Noch nie sagte es ein Versicherungsunternehmen so deutlich wie die Schweizer Rück: Die Risiken der Gentechnologie sind mit traditionellen Mitteln nicht mehr versicherbar. "Keine noch so hohe Versicherungsdeckung vermag das Risikopotential der Gentechnologie zu vermindern." Antworten
ich habe an mehreren, hochkarätigen Veranstaltungen teilgenommen und gestaunt. Die meisten sind Gentechgegner/innen sind Nachbeter obskurer Bücher und Websites. Durch das Moratorium kommt die landwirtschaftliche Forschung und die produzierende Landwirtschaft in der Schweiz immer mehr ins Abseits. In einer globalisierten Nahrhungsmittelindustrie ist die Idee einer gentechfreien Insel absurd. Antworten



Jonas Schmid
Patente auf Pflanzen und Terminator-Samen deren Nachkommen nicht mehr keimen, dass macht mir Sorgen. Müssen wir die Natur privatisieren? Es soll wohlüberlegt sein, welche Konsequenzen das auf unsere Nahrungsversorgung hat. Es können nicht einfach Dinge wie z.B EInfluss auf Gesundheit und Ökologie ausgeblendet werden. Monsanto lässt grüssen und schickt auch gleich den Anwalt vorbei. Antworten