Gerangel um Grossauftrag der SBB
Von Stefan Schnyder. Aktualisiert am 22.03.2010 38 Kommentare
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In den Chefetagen der weltweit grössten Zughersteller herrscht derzeit Nervosität. Grund: Der Verwaltungsrat der SBB wird im Mai entscheiden, welches Unternehmen den Zuschlag für den Bau der neuen Intercity-Doppelstock-Kompositionen erhält. Der Auftrag hat einen Wert von rund zwei Milliarden Franken. Es handelt sich damit um den grössten Auftrag, den die Bundesbahn je im Bereich Fahrzeuge vergeben hat.
Um den Auftrag buhlen der deutsche Siemens-Konzern, der kanadische Fahrzeughersteller Bombardier und der schweizerische Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, der dem Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler gehört.
Kommunikative Offensive
In dieser heissen Phase geht nun Peter Spuhler in die Offensive und spielt die Karte der Arbeitsplatzsicherheit für die Schweiz aus. Von diesem Auftrag hängen «einige hundert Stellen» ab, sagte Spuhler der Zeitung «Sonntag». «Hinzu kämen nochmals so viele Stellen in der Schweizer Zulieferindustrie», fügt er an. Stadler Rail wird den Mitarbeiterbestand in diesem Jahr so oder so weiter ausbauen: «Wir werden dieses Jahr die 3000er-Marke knacken», sagt er.
Spuhler sagt zudem, dass Züge, die Stadler Rail hier produziere, einen Schweizer Wertschöpfungsanteil von 80 Prozent hätten. Konkurrent Siemens habe dagegen kein Montagewerk in der Schweiz, Bombardier eines. Die Swissness werde bei Stadler Rail grossgeschrieben: «Wir beziehen beispielsweise die Aluminiumprofile für die Wagenkasten aus dem Wallis, die Antriebsausrüstung von der ABB aus dem Aargau und aus Genf, die Wagons werden bei uns in Altenrhein gefertigt und montiert, die Fahrwerke werden komplett in Winterthur gebaut.»
Konter gegen Siemens
Spuhler legt aber Wert auf die Feststellung, dass er sich keineswegs auf Heimatschutz berufe: «Wir müssen uns kommerziell und technisch durchsetzen – und da können wir durchaus mithalten.»
Nicht allzu ernst nehmen dürfte man die Aussage von Siemens-Schweiz-Chef Siegfried Gerlach in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger», wonach Stadler Rail erst mal beweisen müsse, dass sie solche Züge überhaupt bauen kann. «Ich kann dazu nur sagen: Wir haben im Gegensatz zu Siemens immer pünktlich geliefert.» Die neuen Zürcher S-Bahn-Züge DTZ von Siemens dagegen seien mit über zwei Jahren Verspätung zum Einsatz gekommen.
Auch Lantal ist im Rennen
Auch ein Berner Unternehmen hofft, sich ein Stück von diesem Auftragskuchen abschneiden zu können: Das Langenthaler Textilunternehmen Lantal bewirbt sich darum, die Stoffe für die Sitze liefern zu können. Es hat der SBB ein Farbenkonzept für die neuen Wagen vorgelegt, das von der SBB-Führung abgesegnet worden ist. Wie gross das erhoffte Auftragsvolumen ist, gibt das Unternehmen nicht bekannt.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 22.03.2010, 09:40 Uhr
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38 Kommentare
Und warum sollte Stadler-Rail den Auftrag nicht bekommen? Dass der Firmenbesitzer auch gleich im NR ist sollte überhaupt kein Einfluss haben. Herr Spühler ist ja nicht derjenige, der letztendlich den Gewinner der Ausschreibung ernennt. Die Bestellung der neuen Trams für Toronto hat Bombardier - trotzdem etwas teurer - gewonnen um die Arbeitsplätze in der eigenen Provinz (Ontario) zu behalten! Antworten
Es geht ja nicht um die Qualität der gelieferten und zukünfitgen Züge, sondern darum, dass Spuhler (ob links oder rechts ist unerheblich) die Arbeitsplatzkeule auspackt. Wenn er ja mithalten kann (so hoffe ich mal), und die vereinbarte Qualität zum verinbarten Preis liefern kann, warum dann also zum Zweihänder greifen? Antworten
ich bin nun wirklich kein SVP-Wähler, aber bei diesem Auftrag geht es um viel mehr als Parteipolitik. Bombardier (Cobra mit den fünfeckigen Rädern) und Siemens (mit den auseinanderbrechenden Combinos) haben bewiesen, dass sie es nicht wirklich im Griff haben mit dem Bau von Schienenfahrzeugen. Von Stadler-Produkten habe ich noch nie gehört, dass sie in wichtigen Punkten falsch konstruiert wären. Antworten
So einfach ist das also. Alleine mit dem Wort SVP, trifft das alte Sprichwort, wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe, demnach nicht mehr zu. Obwohl ABB, Bombardier und Siemens ganz bestimmt keine reinen Schweizer Firmen sind. Stadler wohl doch schon eher. Antworten
Es ist nicht ein blödes Gerangel sondern Tatsache, dass damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Punkto Qualität ist Stadler Rail absolut führend, die Fristen werden auch eingehalten. Was wollt ihr noch mehr. Bitte etwas Patriotismus, die EU und das Ausland tun es auch ! Nur wir Schweizer scheinen da sehr verkorkst. Die Linke Welle rollt halt auch da. Wenn Spuhler rot oder grün wäre wäre dies o.k. Antworten
Gegen Stadlerrail habe ich auch nichts. Wenn Stadlerrail die gute Produkte zu einem fairen Preis liefert, geht der Deal in Ordnung. Figuren wie Spuhler/Ospel etc. (das ist das Brandgefährliche) können ganze Wirtschaftszweige in Misskredit bringen. Ich frage mich deshalb, ob Spuhler noch der richtige Kopf für die Firma ist? Als Nichtfachmann kann ich das nicht beantworten, aber fragen darf ich. Antworten
Das beste Angebot (Qualität, Wirtschaftlichkeit, Wartbarkeit, Verfügbarkeit, Anbieter) macht das Rennen. Stadler ist noch zu klein für so einen Auftrag. Aber die ewige Drohung mit "schweizer Arbeitsplätzen" ist nicht nur langweilig-hohl, sondern arrogant. Stadler hat seit 2006 in der Schweiz kaum neue Arbeitsplätze geschaffen, dafür in Ungarn, Polen, Algerien und Deutschland zugelegt. Ein Schelm.. Antworten
@ Matti Hoch 12.29 h. Wenn die Schweiz alle internationalen Wirtschaftsabmachungen unterzeichnet, muss sie sich auch daran halten! Man kann diese nicht nur Anwenden wenn sie uns zum Vorteil sind. Ich kritisiere die Unterzeichnungen nicht, wir sind ja ein Exportland! Eine Abschottung wäre gefährlich. Antworten
@ R. Fischer: Die SBB interessiert es (zurecht) nicht, ob Sie als 1.Klasse-GA-Kunde enttäuscht wären, wenn der Auftrag ins Ausland geht. Die SBB muss profitabel arbeiten und nicht einzig Sie zufrieden stellen. Eine Volksabstimmung für einen Auftrag? So gehts Jahrzehnte bis der Auftrag erteilt wird, abgesehen von Wahlkampfkosten! Demnächst entscheidet das Volk, ob ich jetzt auf Häuschen gehen darf. Antworten
Bei aller symptahie zur Stadler Rail, der grösste industrielle Arbeitgeber der Schweiz heisst Siemens (ca. 6500 Angestellte). Für das allfällige Projekte würden genauso hunderte von schweizer Arbeitsplätzen benötigt. Dieses Argument für das pro Stadler beizuziehen scheint mir etwas gewagt. Antworten
Es ist völlig egal, welcher Parteicouleur der Firmenboss von Stadler Rail gehört. Dieser Auftrag soll logischerweise in der Schweiz bleiben und hier sollen Arbeitslose wieder eingestellt werden. Wenn es ein Bundesauftrag ist, so soll der Bund veranlassen, dass vorallem über 50-jährige Stellenlose mit Qualifikationen bei Stadler eingestellt werden! Abbau von Arbeitslosigkeit ist ein Muss!! Antworten
Egal wer schlussendlich den Zuschlag bekommt, die SBB machts sowieso wieder falsch. Bekommt Stadler den Auftrag, jammern alle, es sei viel zu teuer, darum immer diese Preisaufschläge blabla... Geht der Auftrag ins Ausland, wird gemotzt, weil die einheimische Industrie übergangen wird... es ist sowas von müssig. Antworten
@Roland Fischer: Wie die Sache mit den Minaretten, so ist auch diese Frage denkbar ungeeignet für eine Volksabstimmung. Den Zuschlag soll die Firma bekommen, die gute Qualität zu vernünftigen Preisen liefert - Swissness alleine wäre in einer Abstimmung ein rein emotionales Argument. Ausserdem: Welcher Anteil der 2 Mrd. würde via Spuhler in die Kasse der SVP wandern? Antworten
Wenn ich hier so manche Kommentare lese, frage ich mich, was das ganze Wirtschaftssystem eigentlich soll. Warum soll man sich als auslaendisches Unternehmen ueberhaupt noch in der Schweiz um einen Auftrag bewerben? Kann man doch alles besser hier? Aber dann bitteschoen nicht meckern, wenn es andersherum auch nicht funktioniert... Wie sollen dann die fast 30 Mrd. EURO Ausfuhr nach D zustandekommen? Antworten
Hier hat die SBB einen klassischen Fall eines catch 22 (Zwickmühle). Einerseits will sie als Bundesbetrieb die einheimische Wirtschaft unterstützen, andererseits kommen sie nicht an Peter Spuhler vorbei. Spuhler hat als VR/NR (UBS) der Schweiz enorm geschadet. Es kann nicht sein, dass die Bürger Mia. an Spuhler zahlen. Soll doch die Fa. Stadler (Ex-Frau von Spuhler) wieder die Führung übernehmen. Antworten
Geht der Auftrag an Stadler Rail heisst's: Ist ja klar Peter Spuhler hat auch ein politisches Netz. Kriegt er den Auftrag nicht heisst's: Ist ja klar man konnte den Autrag nicht Stadler Rail vergeben weil es sonst geheissen hätte, er hätte ihn wegen seinen politischen Kontakten. Bombardier wird das Rennen machen. Antworten
Wenn man unbedingt möglichst viele Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen will soll das in den Ausschreibungsbedingungen stehen. Mindestens Stadler und Bombardier entwicklen und produzieren jetzt schon bestimmte Produkte in der Schweiz. Konsequenzen könnten höhere Billetpreise sein, zudem ist eine 100% Schweizer Lösung sowieso nicht machbar. Antworten
Einzig die Qualität des Produktes ist massgebend. Dazu ist Stadler jeder Zeit fähig. Die SBB würde damit zur wichtigen Arbeitsplatz Erhaltung beitragen. Hat doch unsere bewährte Eisenbahnindustrie unter Sparmassnahmen eh schon zu arg gelitten. Zu einer Entscheidung, darf übrigens weder die Person als bewährter CEO noch dessen Parteizugehörigkeit einen negativen Einfluss haben. Antworten
Ob mit diesem eventuellen Auftrag der SBB an Stadler in der Schweiz Arbeitsplätze geschaffen werden, steht in den Sternen. Nur gerade gut 1000 der rund 2400 Stadler-Mitarbeitenden arbeiten in der Schweiz. Gegenüber 2007 hat Stadler in den Jahren 2008 und 2009 in der Schweiz Mitarbeiter abgebaut und in Pankow, Ungarn, Polen und Algerien aufgestockt. Antworten
Die SBB gehört zur Mehrheit dem Bund also dem Volk - uns allen! ich bin der Ansicht so ein Entscheid müsste in einer Volksabstiimung entschieden werden und ich bin sicher die Mehrheit der Wähler ist für Standort Schweiz! Liebe SBB, ein Input an euch: Falls ihr euch für den Bau im Ausland entscheidet bin ich als 1. Klasse GA Kunde sehr enttäuscht! Antworten
Was Siemens bis heute gebaut hat, ist nicht von hoher Qualitäts - sehen wir uns die Basler Combino Drämmli an - sämtliche mussten zurück in die Fabrik, weil die Konstruktion nach kürzester Zeit, Risse aufweiste. Warum nicht ein Schweizer Fabrikat von Stadler-Rail? Antworten
Die Scheinheilligkeit bei solchen Vergaben ist immer wieder lustig. Erst betonen, wie Schweizerisch man ist, wo in der Schweiz überall gearbeitet wird und dann, der Heiligkeit wegen, noch schnell betonen, dass die technischen Kriterien die Massgabe sind. Das ähnelt schon etwas an die Tankflugzeuge der US Army. So funktionieren öffentliche Ausschreibungen eben. Antworten
Es ist eh traurig, was aus der Schweizerischen Lokomotivindustrie gewordern ist, da sollte es irgendwie schon eine Rolle spielen, dass ein einheimischer Anbieter überhaupt konkurrenzfähig ist. Von Siemens hört man in letzten Zeit vor allem wegen technischen und terminlichen Problemen, sei das bei Basler Trams oder Zügen in Russland oder Israel. Antworten
ich finde die siemens züge auf dem s-bahn netz schlicht eine katastrophe. verbindungstüren zwischen den wagons öffnen sich je nach neigung des zuges, die hauptüren öffnen sich sehr langsam, wenn überhaupt. leise sind sie, doch gäbe es sicherlich noch verbesserungsspielraum.... Antworten
Ich bin der Ansicht das Stadler Rail diesen Zuschlag bekommen sollte, es geht dabei weder um Peter Spuhler noch um die SVP -. sondern einfach darum das wir in einer Wirtschaftskrise waren oder teils noch sind! Man soll doch Arbeitsplätze in der Schweiz fördern und nicht im Ausland. Auch die neuen Tram die Zürich bald braucht sollten in der Schweiz produziert werden (Tango Tram). Antworten
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Werner Maerki
Stadler Rail hat von der SBB bereits letztes Jahr einen Auftrag von über 1 Mia CHF erhalten für 50 Doppelstock S- Bahn Züge. Im weiteren konnte Stadler ca. 70 FLIRT Regio-Züge an die SBB liefern.. Als SBB Entscheidungsträger wurde ich es als unklug erachten, das gesamte neue Rollmaterial (sieh oben) sowie die neuen IC (vorerst 59 Stk-Total 171Stk) an einen (gleichen) Lieferanten zu vergeben. Antworten