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Gibt es einen «französischen Filz»?

Die Schweizer Hochschulen sind stark internationalisiert. An den Unis in der Romandie aber geben die Schweizer Professoren den Ton an.

An den Westschweizer Universitäten wird die von der SVP angezettelte Polemik, es gebe an der Universität Zürich einen «deutschen Filz», aufmerksam verfolgt. Vergleichbare Vorwürfe, wonach in der Romandie zu viele Franzosen an den Universitäten oder an der ETH Lausanne lehrten, kennt man hier aber nicht. «So etwas gibt es bei uns nicht», sagt der Vizerektor der Universität Genf, Yves Flückiger. Der Franzose Dominique Bourg, Professor im Institut für Umweltwissenschaften der Universität Lausanne, bestätigt diesen Befund: «Ich habe nie eine kritische Bemerkung dieser Art gehört.»

Im Lehrkörper der vier Westschweizer Universitäten sind Franzosen zwar gut vertreten. Aber sie haben unter den ausländischen Professoren nirgends eine so starke Stellung wie die Deutschen an der Uni und der ETH Zürich. Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BfS) waren 2008 in Genf 60 der 149 ausländischen Professoren Bürger des grossen Nachbarlandes, an der Uni Lausanne 37 von 106 und in Neuenburg 7 von 24. An der zweisprachigen Universität Freiburg und an der ETH Lausanne unterrichteten und forschten sogar mehr Deutsche als Franzosen im Professorenrang. Laut BfS waren 2008 an der Uni Zürich dagegen 166 der 246 ausländischen Professoren deutscher Nationalität, an der ETH Zürich 117 von 241.

Unterschiede in akademischer Tradition

Obschon an den welschen Universitäten weniger Ausländer unterrichten als in der Deutschschweiz und im Tessin, wird ihr Lehrkörper immer internationaler. Weshalb schöpfen welsche Hochschulen weniger aus dem Reservoir Frankreichs? Insider erklären dies mit Unterschieden in der akademischen Tradition und mit der starken Stellung der Angelsachsen im globalisierten Wettbewerb um Professorinnen und Professoren mit internationaler Ausstrahlung.

Schweizer Hochschulen halten das in Berlin entwickelte Humboldt-System hoch. Danach sollen Professoren in der Lehre und der Forschung tätig sein. In Frankreich verlaufen dagegen die meisten akademischen Karrieren getrennt nach Forschung oder Lehre. Zudem war es in der akademischen Karriere à la française laut Flückiger bis Mitte der 90er-Jahre unüblich, einige Jahre an einer ausländischen Hochschule zu verbringen. «Seither hat sich das aber geändert», sagt der Genfer Professor.

Viele Angelsachsen berufen

«Die Franzosen sind weniger interessiert an einer Professorenstelle in der Schweiz als die Deutschen», stellt der Rektor der Uni Lausanne, Dominique Arlettaz, fest. Er führt dies darauf zurück, dass die Hochschulen im Nachbarland «bis vor wenigen Jahren ausschliesslich Franzosen» beriefen. In Deutschland sei es dagegen für einheimische Nachwuchskräfte schwierig, eine Professur zu erhalten. «Für Deutsche ist die Verlockung gross, an eine Schweizer Hochschule mit internationalem Ruf und guten finanziellen Bedingungen zu gehen», sagt Arlettaz.

Bei Avenir Suisse hat der Ökonom Daniel Müller-Jentsch die Immigration hochqualifizierter Arbeitskräfte untersucht und die Ergebnisse im Buch «Die Neue Zuwanderung» publiziert. Zum Wettbewerb unter den Hochschulen bei der Berufung von Professoren sagt Müller-Jentsch: «In keinem Bereich ist die Globalisierung weiter fortgeschritten.» Der beste welsche Spieler im Poker um grosse Namen und Talente ist der Präsident der ETH Lausanne, Patrick Aebischer. «Er glaubt an das amerikanische System und hat viele Angelsachsen berufen», sagt Xavier Comtesse, der die Zweigstelle von Avenir Suisse in der Westschweiz leitet. Allerdings gab Aebischer kürzlich ein ermutigendes Signal an die frankofone Professorengilde. Der bisherige Kabinettschef des französischen Forschungsministers wird Anfang April neuer Vizepräsident der ETH Lausanne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2010, 07:00 Uhr

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17 Kommentare

Walter Kühn

15.01.2010, 17:42 Uhr
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Zu Ihrer Frage Hr. Granges - Ja! Wenn sie ausländisches Recht studieren. Darüber hinaus kann es in einer globalisierten Welt nicht schaden, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Aber was Sie da erzählen ist nichts weiter als eine unreflektierte Behauptung. In welcher Vorlesung und bei welchem Dozenten wurde zusammenhanglos deutsches Recht geschult? - Ich bin gespannt auf Ihre Antwort Antworten


Walter Kühn

15.01.2010, 17:39 Uhr
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Ein guter Chirurg muss nicht zwangsläufig auch ein guter Fliesenleger sein. Genausowenig wie ein guter Elektriker auch ein guter Lehrer ist. Die CH Bevölkerung hat sich sehr stark auf Wirtschaft und Handwerk spezialisiert. Sozialwesen, Bildung und Dienstleistung braucht aber auch Fachleute. Wenn die CH schon ihre Xenophobie (spez. Germanophobie) ausleben will, dann sollte sie verstärkt ausbilden! Antworten


Walter Kühn

15.01.2010, 17:35 Uhr
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@ Peter Granges - Wenn nun also das welsche Pflegepersonal in die Deutschschweiz käme, wer pflegt denn dann z.B. im CHUV? - Auch an der Uni Lausann herrscht ein Ausländeranteil von 28% . D.h. jeder dritte Prof. kommt aus dem Ausland. Wenn nun also all die Inländer in die Deutschschweiz kämen würde dies das Problem in ZH lösen, aber nicht das Problem, dass ausl. Fachleute gebraucht werden. Antworten


Peter Granges

15.01.2010, 16:02 Uhr
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@Walter Kühn Schlechter Vergleich: Deutschland hat ca. 86 Mio. Einwohner, die Deutschschweiz etwa 4. Finden sie es in Ordnung, wenn schweizer Studenten deutsche Gesetze lernen müssen, weil der Professor das Schweizerische nicht kennt? Man kann auch wirklich alles schön reden und relativieren... Und dass die Spitäler ohne ausländisches Personal nicht leer stehen, zeigt dieser Artikel ja sehr schön! Antworten


Walter Kühn

15.01.2010, 14:15 Uhr
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@ Michael Rauber 10.38h. Dazu kann ich nur sagen: "Gut gebrüllt, Löwe". Wie sähe es denn ohne die angeblich unfähigen Ausländer hier aus? Geschlossene Unis, da keine Profs mehr da sind. Geschlossene Spitäler, da weder Pflegende, noch mTLA, noch mTRA , noch Physios, noch Ärzte .... da sind. Schöne neue Schweiz. Nebenbei; dozieren Sie doch künftig an der Uni. Scheinbar können Sie es ja besser Antworten


Hans Meier

15.01.2010, 12:40 Uhr
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Kein Franzose verlässt seine in der Heimat unkündbare Stelle. Und wer seine Beamtenstelle verlässt, kann auch kaum mehr zurück, falls im Ausland sein Vertrag nicht verlängert wird. Viele Professorenstellen sind am Anfang befristet, diese Unsicherheit nimmt kaum jemand ohne Zwang an. Die Unis mit dem grössten Ausländeranteil haben auch die besten Ratings. Antworten


Walter Kühn

15.01.2010, 12:26 Uhr
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Was soll das? Den rund 600 deutschen Universitätsangestellten in der Schweiz stehen über 700 schweizer Universitätsangestellte in Deutschland gegenüber. Fangt doch endlich mal wieder an selber zu denken, anstatt euch immer wieder irgendwelchen Verschwörungstheroien hinzugeben. Dann klappt das nämlich auch mit der Stellensuche. Antworten


hans maag

15.01.2010, 12:17 Uhr
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Schon der Name Universität weist auf "universal" hin, also "nicht begrenzt". Genau so wie wir geniale Professoren mit Schweizerpass im In- und Ausland haben, können wir das Gleiche andern Ländern zugestehen. Antworten


Michael Rauber

15.01.2010, 10:38 Uhr
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Ich habe nichts gegen ausländische Dozenten, wenn sie denn auch besser wären! Allerdings ist das massiv grössere Problem, dass viele Professoren keine Ahnung von der Lehre haben und nicht dozieren können!!! Trotzdem werden sie Professoren in der geschützten Werkstatt genannt Uni oder ETH. Sonst würde ihnen gar keiner mehr zuhören. Antworten


Philipp Alexander Philipp Alexander Weber

15.01.2010, 10:28 Uhr
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Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die Franzosen "La petite Suisse" einfach nicht besonders ernst nehmen wollen, wogegen für die Deutschen die Schweiz schon immer etwas Besonderes war! Ich meinerseits bin glücklich darüber, dass wir manchmal doch sehr bornierten und einfachen Eidgenossen eine kleine Blutauffrischung erhalten! Antworten


Peter Granges

15.01.2010, 10:09 Uhr
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Ist nicht nur an Unis so, auch in anderen Einrichtungen wie den Spitälern, Restaurants oder Hotels! Das Argument wegen der Grösse des Landes oder den angeblichen besseren Qualitäten ist reiner Blödsinn und wird hier mit dem Bsp. der Westschweiz schön zu Fall gebracht. Es sind nämlich blosse Ausreden derjenigen die nur noch Deutsche einstellen, einzig und all weil sie schlicht billiger sind! Antworten


Hans Ulrich Suter

15.01.2010, 09:47 Uhr
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Tatsache ist es, dass die Lohnstruktur an den deutschen Universitäten seit der Abschaffung der C4/C3-Stellen massiv verschlechtert hat. Daher ist es für deutsche Professoren interessant in die Schweiz (zum doppelten Gehalt!) zu wechseln. Damit erreicht man aber die falsche Zielgruppe. Zweitens, wie ja auch mehreren Skandalen (Batlogg/Chen) ersichtlich ist, werden ungeeignete Personen berufen. Antworten


leo schale

15.01.2010, 09:35 Uhr
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Diese krankhafte Suche der Schweiz nach irgendwelchen ausländischen Problemmenschen wie Professoren, etc... wird immer paranoider. Darum an die SVP Volksverdummer-Partei: Weltoffenheit u. Internationalität ist Bildung u. nochmals Bildung, wovon es Leuten wie Mörgeli, Brunner u. Konsorten erheblich mangelt ! Die Studis sind massgebend (!) u. demzufolge PRO ausl. Profs !!! Antworten


Karl Tanner

15.01.2010, 09:29 Uhr
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Interessant ist, dass je höher der Anteil ausländischer Professoren ist, desto besser ist die Uni in den nationalen und internationalen Ratings positioniert (ETH, HSG, UniZH). Gerade die Unis in Lausanne, Neuenburg und Freiburg schneiden bei nationalen und internationalen Ratings meist schlecht ab. Offenbar ist eine weltoffene Uni ein Garant für einen besonders hohen Bildungsstandard. Antworten


Farra Ojono

15.01.2010, 09:24 Uhr
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Interessante Graphik. Es ist immer gut über den Tellerrand zu schauen. Da rückt alles gleich in einem anderen Licht. Das Argument 'Nachwuchsproblem' zieht plötzlich nicht mehr. Antworten


René Wyss

15.01.2010, 07:15 Uhr
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Nach der Grafik sind an den welschen Universitäten mit Ausnahme der ETH Lausanne Schweizer Bürger unter den Professoren deutlich in der Mehrheit. Anscheinend gibt es dort kein Nachwuchsproblem, und das Argument, dass das Nachbarland eben neunmal größer sei, muss nicht bemührt werden, im Gegensatz zur Deutschschweiz. Antworten


Ulrich Raumer

15.01.2010, 05:46 Uhr
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Ich bin überzeugt, dass bei zwei Personen mit ähnlich guter Qualifikation immer die besser abschätzbare Personen vorgezogen wird. Dies wird eher der Bewerber aus dem eigenen Land sein, dann fühlt man sich auch gleich nicht so alleine. Das ist menschlich. Wie sind dann diese "bösen deutschen Professoren" an die Unis gekommen? Die tönen halt mit ihrem perfektem Hochdeutsch per se kompetenter. Antworten



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