Schweiz

Golf statt Ferrari

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 30.11.2011 286 Kommentare

Der Bundesrat hat entschieden, der nächste – und vermutlich letzte klassische – Kampfjet wird der Gripen von Saab. Wenn schon eine neue Maschine her muss, dann ist das sicher die beste Lösung.

Ein Kommentar von Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktor Matthias Chapman.

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Es dürfte der letzte Typenentscheid in der Schweiz für einen Kampfjet gewesen sein. Denn in zwei Jahrzehnten übernehmen Kampfdrohnen die gleichen Aufgaben, so prognostizieren Strategieexperten. Aber um diesen Entscheid wurde noch einmal richtig gerungen und zwar jahrelang.

Gripen, an diesen Namen werden wir uns für die nächsten 20 Jahre gewöhnen müssen. Und er steht für eine einfache und vergleichsweise günstige Maschine, quasi die Budget-Variante unter den Kampfjets. Er ist kleiner, leichter und weniger leistungsstark als die anderen beiden getesteten Maschinen, der Eurofighter und die Rafale.

Für die Schweiz reicht diese Maschine aber allemal. Den Luftpolizeidienst kann die Luftwaffe damit bestens erledigen. Der Gripen gilt als klassischer Jagdflieger. Eurofighter und Rafale sind mit speziellen Bomberfähigkeiten ausgestattet. Die neutrale Schweiz aber braucht keine Bomberfunktionen. Erstens ist die Zeit konventioneller Kriege auf dem europäischen Kontinent vorbei und zweitens wird sich die Schweiz nicht an internationalen Offensiv-Operationen im Ausland beteiligen.

Ueli Maurer hat sich offenbar nicht blenden lassen, als im März die französischen Rafale vom Flugzeugträger Charles de Gaulle abhoben und letztendlich Ghadhafis Regime in die Knie zwangen. Die französische Maschine vom Hersteller Dassault setzte über der Wüste zu einem regelrechten Showfliegen an. Zwar waren auch Eurofighter und Gripen im Einsatz, allerdings in geringerer Anzahl. Und Maurer hat auch den Militärpiloten und Luftwaffenoberen widerstanden, die lieber einen Ferrari statt einen VW Golf im Hangar stehen gehabt hätten.

Der Gripen ist nicht nur günstiger im Ankauf, er ist auch viel einfacher zu warten. Die Folgekosten dürften bedeutend kleiner sein als bei den anderen beiden Typen. Das freut nicht nur die Finanzministerin, sondern auch den Steuerzahler. Und die Kosten dürften letztendlich auch darüber entscheiden, wann dereinst ein Gripen mit Schweizer Kreuz von hiesigem Boden abhebt. Das Parlament wird bei der Finanzierung mitreden wollen, das letzte Wort hat wohl das Volk. Luftwaffenchef Markus Gygax wird den Jungfernflug auf jeden Fall nicht mehr im Amt erleben. Nächstes Jahr erreicht er das Pensionsalter.

Eine Unsicherheit bleibt bestehen. Saab gilt als kleinerer Player unter den Anbietern. Gekauft haben die Maschine erst Länder wie Südafrika, Ungarn, Tschechien oder Thailand. Erst in diesem Frühling hat mit Indien ein potenziell grosser Käufer abgesagt. Damit ein Kauf aber nicht zum Flop wird, muss der Hersteller weitere 30 Jahre im Markt bleiben – das ist wichtig für Aufrüstung, Ersatzmaterial und Know-how-Weitergabe. Aber das wird der Bundesrat bedacht haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2011, 16:33 Uhr

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286 Kommentare

Nora Martinek

30.11.2011, 13:19 Uhr
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Vielen Dank den Militär-Köpfen: immer heisst es Schulden abbauen und Steuern senken, damit ein attraktives wirtschaftliches Umfeld herrscht. Und plötzlich werden 3 Milliarden verballert, damit sich ein paar Politiker ein neues Spielzeug leisten können. Das Geld wäre für Bildung, Verkehr, Gesundheit weitaus besser eingesetzt. Antworten


Christoph Vogt

30.11.2011, 13:38 Uhr
Melden 199 Empfehlung

Wenn schon dei Kostenfrage eine entscheidende Rolle spielt: Noch billiger is est, keine Flugzeuge zu kaufen ... und wohl auch vernünftiger. Antworten



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