Grosse Unruhe beim «Blick»

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 04.11.2009 58 Kommentare

Die «Blick»-Gruppe legt alle Redaktionen in einem Newsroom zusammen. Die Ressortleiter müssen sich neu bewerben – die Löhne werden neu verhandelt.

Nicht nur das Layout ist neu: Auch der «Blick» wird künftig vom Newsroom aus mit Meldungen beliefert.

Nicht nur das Layout ist neu: Auch der «Blick» wird künftig vom Newsroom aus mit Meldungen beliefert.
Bild: Keystone

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Es ist das Prestigeprojekt des Schweizer Grossverlages Ringier: Ab März 2010 wird eine einzige Grossredaktion sämtliche «Blick»-Publikationen beliefern. Gestern also strömten die Mitarbeiter von «Blick.ch», «Blick», «SonntagsBlick» und «Blick am Abend» zur Mitarbeiterinformation ins Zürcher Bernhard-Theater, die per Twitter angekündigt worden war. Als es im einleitenden Film hiess: «Die Vorfreude auf den Newsroom wächst», ertönte Gelächter. So viel von oben verordneter Galgenhumor wird nicht alle Tage serviert.

Die Zusammenlegung der Redaktionen werde «Synergien» schaffen, da es «vielerorts Überlappungen» gebe, sagte Ringier-CEO Marc Walder, und er gab den Tarif gleich durch: «Ich kann keinen gebrauchen, der sich bemitleidet, weil er in einem Newsroom arbeiten muss.» Man müsse mit der rasanten Entwicklung der neuen digitalen Medien mithalten, die Leser und User 24 Stunden am Tag auf allen Kanälen beliefern, um im Wettbewerb mitzuhalten. Wenn das nicht gelinge, so Walder, «dann stehen wir bald alle – ich inklusive – ohne Job da». Dass bereits jetzt ein massiver Stellenabbau bevorsteht, ist allen klar, über das definitive Ausmass wird erst am 1. Dezember informiert.

Die totale Überrumpelung

Bereits gestern wurde ersichtlich, dass kein Stein auf dem andern bleibt. Walder greift bei der Restrukturierung zum Newsroom auf seine bewährte Methode der totalen Überrumpelung zurück. Als er Anfang 2007 Chefredaktor des «SonntagsBlick» wurde, wechselte er als Erstes redaktionelle Schlüsselpositionen aus und liess alle Mitarbeiter an einen anderen Arbeitsplatz zügeln.

Das jetzige Vorgehen ist vergleichbar. Neu werden nebst einer Administration acht Gross-Ressorts geschaffen, die sämtliche «Channels» beliefern. Der interimistische «Blick»-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley verkündete mit unverhohlener Unlust, dass damit sämtliche bisherigen Ressortleiter abgesetzt sind; sie können sich bis 13. November für die Ressorts News, Politik, Wirtschaft, People, Lifestyle, Sport, Bild und Layout neu bewerben. Auch externe Bewerbungen würden berücksichtigt. Bis 1. Dezember sollen alle diese Stellen besetzt sein. Die übrigen Mitarbeiter sollen bis 16. Februar ihren Platz im Newsroom kennen, sofern sie einen haben. Übergeordnet werden die vier Chefredaktoren in Leitungsteams den Nachrichtenaustausch koordinieren. Im Streitfall entscheidet CEO Walder selbst.

Dieser liess zum Schluss verlauten, «die Frage der Lohngleichheit» sei «eine schwierige». Was das heisst, ist klar: Die Löhne werden auf breiter Basis neu verhandelt, die eher hohen «SonntagsBlick»-Saläre und die eher weniger guten Löhne der Online-Redaktion müssen sich annähern. Die Begeisterung der Belegschaft hielt sich auch diesbezüglich in Grenzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2009, 09:06 Uhr

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58 Kommentare

Giovanni Fiore

04.11.2009, 08:38 Uhr
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Unglaublich, man sollte meinen, im Jahr 2009 hätte es sich langsam herumgesprochen, dass man Mitarbeiter motivieren, nicht verängstigen soll. Antworten


Peter Näf

04.11.2009, 10:13 Uhr
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Die Journalisten des Blicks haben mit ihren Artikeln täglich andere Leute fertig gemacht. Nun sollten sie sich nicht all zu sehr wundern, wenn die Leitung dieses Schmiereblattes ihre Vasallen mit der gleichen geistigen Einstellung behandelt. Antworten



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