Schweiz

Grüner Kampfkandidat wirft SVP aus Baselbieter Regierung

Aktualisiert am 27.03.2011 78 Kommentare

Isaac Reber schafft den Coup: Er zieht als erster grüner Kandidat in die Regierung von Basel-Landschaft ein – auf Kosten der SVP.

Regierungsratswahlen 2011


Gab im Wahlkampf an, Wirtschaft und Umweltanliegen vereinen zu wollen: Isaac Reber.

Die Grünen regieren erstmals mit im Baselbiet: Ihr Kampfkandidat Isaac Reber hat überraschend den SVP-Baudirektor Jörg Krähenbühl aus der Exekutive verdrängt. Die FDP konnte ihre beiden Sitze halten, ebenso SP und CVP den ihren.

Das beste Resultat erzielte FDP-Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro (31'148 Stimmen), vor SP-Bildungs- und Kulturdirektor Urs Wüthrich (30'138) und CVP-Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Peter Zwick (29'829). Der Grüne Reber (28'444) liegt auch noch vor FDP-Finanzdirektor Adrian Ballmer (27'028).

Hinter diesen fünf Gewählten folgt Krähenbühl (25'946) - mit über tausend Stimmen Abstand. SP-Kampfkandidatin Pia Fankhauser (24'398) folgt als letzte offizielle Kandidatin. Das absolute Mehr von 21'908 Stimmen haben auch diese beiden übertroffen; gewählt sind jedoch jeweils nur die fünf Bestplatzierten.

Tiefe Wahlbeteiligung

Auf «Diverse» – nicht offiziell Kandidierende – entfielen ferner über zehn Prozent der gültigen Stimmen. Diese Proteststimmen fallen besonders auf angesichts einer mit 33,6 Prozent (Wahl 2007: 36,17 Prozent) tiefen Wahlbeteiligung.

Reber hatte schon bei den Gesamterneuerungswahlen vor vier Jahren für die Regierung kandidiert. Damals erhielt er fast 9000 Stimmen weniger als Krähenbühl, der den fünften und letzten Sitz holte. 2007 konnten SVP und CVP ihre Sitze nach Rücktritten mit neuen Köpfen halten; nun waren alle Bisherigen wieder angetreten.

Reber hat sich in seinen mittlerweile fast elf Jahren als Mitglied des Kantonsparlament einen Namen gemacht und zudem einen sehr engagierten Wahlkampf geführt. Dennoch ist auch für ihn selber sein Wahlsieg eine «grosse Überraschung». Die Grünen seien nun zum dritten Mal in Folge Wahlsieger.

Seinen Erfolg erklärt Reber mit der pragmatischen Politik seiner Partei und Fraktion. Die Grünen hätten sich weit über Umweltthemen hinaus profiliert, etwa in der Finanz- und Spitalpolitik. Ein Wunschdepartement mochte der Geograph und Raumplaner mit Jahrgang 1961 nicht nennen.

FDP unter Druck

Reber hält es indes für «auf die Dauer nicht gut», dass nun die SVP als grösste Partei gar nicht mehr in der Baselbieter Exekutive vertreten ist. Das lasse schwierige Debatten erwarten. Er gehe von einer Korrektur zulasten der FDP bei nächster Gelegenheit aus.

Krähenbühl war ebenso überrascht über seine Abwahl wie Reber; er habe im Wahlkampf gutes Echo auf seine Arbeit gehört. Der 65-Jährige ist enttäuscht, auch weil die traditionelle «Bürgerliche Zusammenarbeit» (Büza) offenbar nicht mehr funktioniert habe.

Auf die Atomkatastrophe in Japan angesprochen sagte Krähenbühl, er habe sich zusammen mit der Baselbieter und der Basler Regierung unlängst für die Abschaltung des französisches AKW Fessenheim öffentlich stark gemacht. Das sei leider als Wahlkampfmasche missverstanden worden.

Das Ergebnis der Parlamentswahlen wird am frühen Abend erwartet. Erste Gemeinde-Resultate zeigen Stimmenverluste bei der FDP sowie Gewinne bei SVP und Grünen. (oku/sda)

Erstellt: 27.03.2011, 16:18 Uhr

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78 Kommentare

Holger Ohnmacht

27.03.2011, 15:11 Uhr
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Verliererin ist vor allem die viel gepriesene direkte Demokratie. Ist es nicht beschämend, wenn bloss ein Drittel an der Urne kundtut, wer für die nächsten vier Jahre in Regierung und Parlament sitzen soll? Erstaunlich ist vor allem auch, dass 1500 im Ausland gedruckte Wahlplakete reichen, um den Einsitz in die Regierung zu schaffen. Unser politisches System ist definitiv nicht mehr zeitgemäss. Antworten


robert hofer

27.03.2011, 15:50 Uhr
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Eine teure Propagandschlacht für Isaac Reber scheint sich auszuzahlen. Als nicht Baselbieter hatte ich immer den Eindruck, dieser Herr Reber müsse von der Blocherpartei sein, seit Monaten sah man nur noch Reber-Protraits, zum Teil richtig unangenehm. Dass er ein Grüner ist weiss ich erst seit heute. Antworten



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