«Gstaad hat genug vom Rummel um Polanski»
Interview: Claudio Habicht. Aktualisiert am 03.12.2009
«Die Leute wollen wieder ihre Ruhe haben»: Ruth Oehrli.
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Ruth Oehrli
Ruth Oehrli ist Journalistin des Berner Oberländers, wohnt und arbeitet in Gstaad.
Morgen Nachmittag überführt die Polizei Roman Polanski nach Gstaad, wo er unter Hausarrest gestellt wird. Wie ist die Stimmung im Dorf?
Langsam aber sicher haben die Einheimischen genug vom Rummel um Polanski. Einige äussern sogar Bedauern mit dem Starregisseur, weil er derart im Fokus der Öffentlichkeit steht. Auch die Stimmung gegenüber den Medienschaffenden ist nicht immer nur freundlich: Die Gstaader ärgern sich, dass gewisse Journalisten plump auf sie losgehen und ausfragen. Die Leute wollen wieder ihre Ruhe haben, und zwar nicht nur für sich, sondern auch für alle Gäste. Dazu zählen auch die Prominenten.
Ist Polanskis Hausarrest ein Thema im Dorf?
Nein. Die Leute sind der Meinung, dass Roman Polanski nur ein Gast unter vielen ist und dass sein Privatleben seine Angelegenheit bleiben soll. Der Tenor ist klar: Das alles geht uns nichts an – das ist Sache derjenigen, die über ihn richten werden.
Wie wird der morgige Tag ablaufen?
Zurzeit ist es noch ruhig, im Verlauf des Tages könnte sich dies jedoch ändern. Die Medienleute, die das Chalet von Polanski tagelang belagerten und nach dem Bekanntwerden des genauen Ankunftdatums von Polanski abzogen, werden sich nun wohl erneut stationieren. Sie möchten alle einen möglichst guten Standplatz haben, denn das Strässchen, das zum Chalet führt, ist nur einspurig. Der Platz ist also begrenzt. Bereits in Stellung gegangen ist ein Fernsehwagen.
Sie wohnen in Gstaad, haben Sie dadurch mehr Infos gehabt als andere Medienschaffende?
Natürlich habe ich einen Heimvorteil. Zudem nutze ich, wie andere Medienschaffende auch, alle möglichen Quellen.
Welche Auswirkungen wird der Fall Polanski auf den Ruf Gstaads als ruhiger Ort für Promis haben?
Ich glaube keine. Die meisten Prominenten und Reichen sind Gäste wie alle anderen auch – und diese sind ja auch anonym. Alle Gäste bewegen sich inmitten der Dorfbevölkerung und der Tagestouristen – und alle haben normalerweise ihre Ruhe. Vor seiner Verhaftung konnte sich auch Polanski frei im Dorf bewegen, er ging sogar in die Dorfläden einkaufen. Vielleicht wird er dies jetzt nicht mehr tun.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2009, 14:20 Uhr






