Schweiz

Gute Chancen für die Einheitskasse

Aktualisiert am 08.09.2011 172 Kommentare

Laut einer Erhebung des Krankenkassenverbandes stösst die einst an der Urne abgelehnte Idee auf grosse Akzeptanz. Gleichzeitig zeigt die Studie Wissenslücken in der Bevölkerung auf.

Die Schweizer befürworten eine Alternative zum Kassensalat: Karten verschiedener Schweizer Krankenversicherer.

Die Schweizer befürworten eine Alternative zum Kassensalat: Karten verschiedener Schweizer Krankenversicherer.
Bild: Keystone

Andere Studie, anderes Resultat

Laut der Studie des Branchenverbands Santésuisse (siehe Haupttext) bescheinigen fast zwei Drittel der Befragten dem Konzept Managed Care, Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen zu steigern. Eine Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers kommt zu einem anderen Ergebnis.

Nur 38 Prozent der Befragten glauben demnach, dass eine flächendeckende Einführung von Managed Care mit einer Qualitätsverbesserung einhergehen würde. 57 Prozent der Schweizer wollten sich nicht in einem Managed-Care-Modell versichern lassen, so die Studie. 51 Prozent sind mit dem Managed Care-Modell aber grundsätzlich einverstanden.

Deutlich abgelehnt wird auch ein höherer Selbstbehalt für jene Personen, die weiterhin auf der freien Arztwahl beharren: 65 Prozent sprachen sich dagegen aus. (sda)

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Zwei Drittel der Schweizer können sich für die Idee einer Einheitskrankenkasse erwärmen, wie eine Umfrage von santésuisse aufzeigt. Sie wollen aber eine schrittweise Reform des Gesundheitswesens. Die Zustimmung zum System der Kopfprämien schwindet.

Laut der Umfrage sondage santé 2011 des Krankenkassenverbandes santésuisse erachten 80 Prozent der Befragten das Sparen im Gesundheitswesen als «eher» oder «sehr» dringend. 66 Prozent sprechen sich für oder eher für die Schaffung einer Einheitskasse aus, wie Projektleiter Franz Neff am Donnerstag in Bern darlegte. Allerdings wünschen sich 61 Prozent eine schrittweise Reform des Systems. Nur 33 Prozent erachten eine grosse Gesundheitsreform für angebracht.

Santésuisse zeigt sich von dem Ergebnis nicht überrascht. Die Bevölkerung habe keinerlei Anhaltspunkte, um die tatsächlichen Folgen einer Einheitskasse abschätzen zu können. Der Meinungsbildungsprozess sei noch nicht abgeschlossen, erklärte Verbands-Direktor Stefan Kaufmann. Er verwies auf frühere Volksabstimmungen, bei denen die Einheitskasse abgelehnt worden war. Auch santésuisse möchte das Gesundheitssystem schrittweise reformieren und die Ausgaben senken, ohne dabei alles über Bord zu werfen.

Kopfprämien-System verliert an Zustimmung

Die Sparmassnahme, die am meisten Zustimmung findet (fast 90 Prozent), ist laut der Umfrage die Förderung der Hausarztmedizin. Die Erhöhung des Selbstbehaltes und das Verbot für Grundversicherer, Zusatzversicherungen anzubieten, halten nur je etwa ein Drittel der Befragten für eine geeignete Massnahme.

Hielt in den letzten Jahren knapp die Hälfte der Befragten die bisherige Finanzierung der Grundversicherung durch Kopfprämien für das beste Modell, so fand dies System in der jüngsten Befragung nur noch 36 Prozent Zustimmung. Nur ein Viertel oder ein Fünftel der Befragten geben Einkommens- oder Vermögens-abhängigen Modellen oder via Steuern eingezogenen Systemen den Vorzug, doch wächst hier die Zustimmung. Für santésuisse ist allerdings das Kopfprämien-System für die Eindämmung der Kostensteigerung nicht geeignet, wie Kaufmann unterstrich.

Immer mehr Leute kennen Managed Care-Netze

Des weiteren zeigt die Umfrage auf, dass 75 Prozent der Befragten die medizinischen Netzwerke Managed Care kennen, in denen Patienten während des gesamten Behandlungsprozesses begleitet und betreut werden. Bei früheren Umfragen waren es erst 65 Prozent. Managed Care-Netze wenden betriebliche Managementprinzipien auf die medizinische Versorgung an. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass diese Systeme die medizinische Betreuung verbessern und die Gesundheitskosten senken.

Als Vorteile von Managed Care werden Kosteneinsparungen, Versorgungsqualität und Verfügbarkeit von Fachpersonen genannt. Als Nachteil wird der Mangel an freier Arztwahl erwähnt. Eine gleichentags veröffentlichte Umfrage von gfs.bern zeigte allerdings auf, dass sich 57 Prozent der Schweizer nicht in einem Managed-Care-Modell versichern lassen wollen. Grundsätzlich ist aber rund die Hälfte der Befragten mit dem Modell einverstanden.

Wissenslücken über Gesundheitssystem

Die sondage santé-Umfrage zeigt auch eine Reihe von Wissenslücken über das Gesundheitssystem auf. 90 Prozent der Befragten überschätzten den Anteil der Verwaltungskosten: Sie glaubten, dass sie im Schnitt bei rund 30 Prozent der Gesundheitskosten lägen. Dabei machten sie nur etwa 5 bis 6 Prozent aus. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Demoscope durchgeführt. Dieses befragte 1219 Personen.

(ami/sda)

Erstellt: 08.09.2011, 12:02 Uhr

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172 Kommentare

Herbert Berger

08.09.2011, 11:40 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Wird auch endlich Zeit, diesen Verhältnisblödsinn bei der obligatorischen Krankenversicherung abzuschaffen. Jede Kasse hat eine eigene Verwaltung, jede Kasse hat eine eigene Geschäftsleitung, jede Kasse macht für sich Werbung, für jede Kasse ist das Abrechnungssystem anders, was enormen Mehraufwand für die Kostenerbringer verursacht. Da alles würde wegfallen und damit Kosten gespart werden. Antworten


Peter Steiner

08.09.2011, 11:34 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Ein Freund, CEO einer Werbeagentur jammerte erst vor ein paar Wochen wie mühsam die sich endlos hinziehenden Meetings mit den Teppichetagen der Krankenkassen sei.
Es sei unglaublich auf wieviel geballte Inkompetenz man an diesen Meetings treffe und wie ineffizient dort gearbeitet werde.
Er als überzeugter Kapitalist ist seither jedenfalls für die Einheitskasse.
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