Schweiz

Häftlinge in der Schweiz sind zu 70 Prozent Ausländer

Aktualisiert am 19.01.2010 75 Kommentare

Die Zahl der Häftlinge in der Schweiz ist im vergangenen Jahr auf den zweithöchsten Stand seit 1999 gestiegen. Der hohe Ausländeranteil fällt auf, ebenso eine Überbelegung in der lateinischen Schweiz.

Freiheitsentzug 2009

Freiheitsentzug 2009


Anzahl Häftlinge

Quelle: BfS


Die Zahl der Häftlinge in Schweizer Haftanstalten hat 2009 wieder leicht zugenommen - auf 6084 Personen. Dies ist der zweithöchste Bestand seit 1999. In der lateinischen Schweiz sind einige Gefängnisse überbelegt. Gleichwohl hat die Schweiz eine tiefe Inhaftieren-Rate.

Dies geht aus der Statistik über Freiheitsentzug hervor, die das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag veröffentlichte. Danach wuchs die Zahl der Häftlinge 2008 auf 2009 von 5780 auf 6084 Personen an (Stichtag war jeweils der 2. September). Seit 10 Jahren schwankt die Zahl grob zwischen 5000 und 6000. Der Höchststand war 2005 mit 6137 Inhaftierten.

0,9 Prozent Minderjährige

59 Prozent der Häftlinge befanden sich im Straf- und Massnahmenvollzug, 31 Prozent in Untersuchungshaft, 7 Prozent waren im Rahmen von Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht und 3 Prozent aus anderen Gründen inhaftiert. Die Zahl der U-Häftlinge nahm um 6, jene im Strafvollzug um 5 Prozent zu. Die Zahl der wegen Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht Inhaftierten stagnierte dagegen.

70,2 Prozent der Inhaftierten waren Ausländer, 6,1 Prozent Frauen, 0,9 Prozent Minderjährige. Diese Anteile haben sich in den letzten 10 Jahren nur wenig verändert.

Die Zahl der Inhaftierten im Verhältnis zur Wohnbevölkerung nahm gegenüber dem Vorjahr zu - von 76 auf 80 Inhaftierte pro 100'000 Einwohner. In den Jahren 1890 bis 1941 hatte diese Zahl allerdings zwischen 110 und 160 pro 100'000 Einwohner geschwankt. Die Schweiz weist eine im westeuropäischen Vergleich tiefe Inhaftierten-Rate auf.

Hohe Belegung

Die Erhebung zum Freiheitsentzug wurde bei den 114 Anstalten und Institutionen des Freiheitsentzugs der kantonalen Justiz- und Polizeidepartemente durchgeführt. Sie bieten zusammen 6683 Haftplätze an (2008 waren es 6736). Seit über 100 Jahren hat sich die Zahl der Haftplätze in der Schweiz nur wenig verändert.

Die Haftanstalten waren 2009 im gesamtschweizerischen Schnitt zu 91 Prozent belegt, das sind 5 Prozentpunkte mehr als 2008. Besonders hoch war die Rate mit rund 100 Prozent in der lateinischen Schweiz, wo einige Gefängnisse sogar überbelegt waren. In der Nordwest- und der Innerschweiz waren die Haftanstalten im Schnitt zu weniger als 90 Prozent belegt.

In der lateinischen Schweiz war auch der Anteil der Untersuchungshäftlinge, und bei diesen der Anteil der Ausländer, besonders hoch. (sam/ddp/sda)

Erstellt: 19.01.2010, 11:31 Uhr

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75 Kommentare

Markus Berner

19.01.2010, 11:08 Uhr
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Zum Schutze des Ansehens der Ausländer in der Schweiz, die sich an die Gesetze halten, sollten wirksame Massnahmen zur Ausschaffung krimineller Ausländer dringend beschlossen und umgesetzt werden. Das ist fairer, als einfach alle Ausländer zu diskriminieren. Und erspart uns Millionen von Kosten. Antworten


Emrah Erken

19.01.2010, 11:34 Uhr
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Einer der wichtigsten Gründe,weshalb die Zahl der Ausländer in den Gefängnissen derart hoch ist, liegt darin, dass Schweizer nahezu nie wegen des besonderen Haftgrunds der 'Fluchtgefahr' in U-Haft genommen werden, Ausländer mit einer kurzen Anwesenheitsdauer in der Schweiz - sprich mit B-Bewilligung - praktisch immer inhaftiert werden, sofern der Haftgrund des 'dringenden Tatverdachts' erfüllt ist Antworten



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